cold water

Dass die Computergenerationen immer leistungsfähiger werden, hat einen interessanten Nebeneffekt: Es ist dadurch möglich, dass ein moderner Computer einen alten Computer vollständig simuliert, Spezialhardware eingeschlossen. Man spricht dann davon, dass der alte Computer emuliert wird. Die dazugehörige Software heißt Emulator.

Dieses Special beschäftigt sich mit einer Auswahl der Emulatoren, die es für Fedora gibt.

Quelle

Ein paar Emulatoren stehen bereits in Fedora Extras oder im Freshrpms-Repository zur Verfügung. Die wahren Sahnestücke aber gibt es in dem eher unbekannten Dribble-Repository. Mit einem kleinen Handgriff wird yum das neue Repository bekannt gemacht:

rpm -ivh http://dribble.org.uk/repo/dribble-release-5-1.noarch.rpm

Als erstes sollte man sich nun ein Emulator-Menü in der Gnome-Startleiste anlegen:

yum install dribble-menus

Dort findet man dann alle Emulatoren, die man sich von Dribble installiert hat.

Das war bereits die Vorbereitung. Bevor ich nun die Emulatoren vorstelle, möchte ich noch einen kleinen Haken an der Sache ansprechen.

Woher mit der Firmware?

Ein Emulator stellt quasi nur eine virtuelle Hardware zur Verfügung, und ist damit nur die halbe Miete. Jeder Computer braucht eine Firmware oder ein Betriebssystem, so auch die Emulatoren, die für gewöhnlich eine Kopie des Original-ROMs benötigen. Hier macht jedoch meistens der Hersteller noch seine Urheberrechte geltend, so dass man sie nicht einfach zusammen mit dem Emulator verteilen kann.

Wenn man Glück hat, hat der Hersteller mittlerweile eine nicht kommerzielle Nutzung erlaubt. In Fedora darf die Firmware dann zwar immer noch nicht aufgenommen werden, da die Distribution strikt nur freie, quelloffene Software verwendet. Repositories wie Dribble bieten aber die Firmware an, wenn möglich. Das ist - wie gesagt - legal, da der Hersteller die Firmware für nicht kommerzielle Zwecke freigegeben hat.

Ist das nicht der Fall, gibt es eigentlich nur einen legalen Weg: Man muss das zu emulierende Gerät selbst im Original besitzen. Dann darf man die Firmware oder das Betriebssystem auslesen und auf dem Emulator verwenden, solange das Originalgerät weiter im Eigentum bleibt (und ganz streng genommen auch währenddessen nicht angeschaltet wird). Oft gibt es aber auch die Möglichkeit, die benötigten Dateien käuflich zu erwerben. Ein gewisses Restrisiko bleibt dann, weil man nicht weiß, ob und wie stabil der Emulator schließlich mit den Originaldateien arbeitet.

Eine dritte, etwas ungewöhnliche Möglichkeit ist, dass die Firmware quelloffen nachprogrammiert wurde. Das ist zum Beispiel der Fall beim Atari ST-Emulator, weshalb er auch in Fedora Extras zu finden ist.

Von Schwarzkopien sollte man dagegen absehen. Die Emulatoren werden von vielen Herstellern mit Argwohn beobachtet und mehr geduldet als gemocht. Wenn sie den Eindruck bekommen, dass dadurch ihre Rechte verletzt werden, könnte der Frieden schnell vorbei sein.

Jetzt aber genug der Theorie! Schauen wir uns ein paar Emulatoren näher an.

Apple Macintosh

Der erste Emulator ist schon ein Leckerbissen. Mit dem SheepShaver lässt sich ein Apple Macintosh emulieren. Unterstützt wird MacOS 7.5.2 bis 9.0.4, allerdings kein MacOS X. Installieren kann man ihn von Freshrpms per

yum --enablerepo=freshrpms install SheepShaver

Wer noch einen echten Mac Classic sein Eigen nennt, kann nun dessen Betriebssystem für den SheepShaver verwenden. Es ist vielleicht sogar möglich, die Festplatte des Originals in den Linux-PC einzubauen und zu benutzen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, von Apple kostenlos die Installationsdateien für MacOS 7.5.3 herunterzuladen und zu installieren. Die Frage ist, wieviel man noch damit anfangen kann, denn MacOS 7.5.3 ist mittlerweile schon ziemlich betagt.

Der Name SheepShaver ist übrigens eine Verballhornung von ShapeShifter, dem ersten Software-Mac-Emulator für den Amiga.

Amiga

Mindriot-Demo Apropos Amiga: Auch dieses klassische System lässt sich emulieren. Die Software dafür heißt UAE. Ursprünglich stand die Abkürzung für "Unusable Amiga Emulator", und das nicht zu Unrecht, denn selbst sehr schnelle PCs reichten in den 1990ern nicht aus, um nur das Basismodell Amiga 500 mitsamt seiner komplexen Hardware in Echtzeit zu emulieren. Zwischenzeitlich hat sich aber viel getan, so dass heutzutage selbst ein durchschnittlicher PC einen schnelleren Amiga emuliert als das damalige Spitzenmodell mit 68060-Prozessor. UAE steht mittlerweile auch für "Ubiquitous Amiga Emulator".

Installiert wird UAE aus dem Dribble-Repository per:

yum install e-uae

Auch hier fehlt das Betriebssystem, das so genannte Kickstart-ROM. Wer einen Amiga besitzt, kann mit Software aus dem Aminet selbst eine Kickstart-Datei erzeugen. Eine andere Möglichkeit ist, sich einen kommerziellen Amiga-Emulator zu besorgen, der die Kickstart-Datei enthalt. Meistens findet man die begehrte Datei aber auch auf Amiga-Spielesammlungen für den PC, die in vielen Software-Shops erhältlich sind. Die Sammlungen sind preiswerter und bringen außerdem gleich noch "Futter" für den Emulator mit.

Atari ST

Auch für den damaligen Erzrivalen des Amiga, dem Atari ST, gibt es einen Emulator. Er heißt hatari und steht sogar im Fedora Extras-Repository zur Verfügung:

yum install hatari

Als Betriebssystem kommt hier das quelloffene EmuTOS zum Einsatz. Damit ist hatari tatsächlich zu 100% Open Source.

Commodore C64 und seine Geschwister

Gleich eine ganze Armee von Emulatoren bringt vice, vom C64 und C128 bis hin zu ganz alten Schätzchen wie dem Commodore PET. Installiert wird vice aus dem Dribble-Repository per:

yum install vice

Leider scheint es aber ein Problem mit dem Sound zu geben; ich bekomme jedenfalls immer eine Fehlermeldung, dass alsa nicht ansprechbar ist. Gerade beim C64 mit seinem legendären Synthesizer-Chip SID ist das tragisch.

ZX Spectrum

Auch wenn der C64 zweifellos der populärste Heimcomputer der 1980er war, gab es noch Alternativen. Eine war der Sinclair ZX Spectrum. Natürlich gibt es auch dafür einen Emulator, genannt FUSE (Free Unix Spectrum Emulator). Der Emulator selbst liegt im Extras-Repository, allerdings ohne die notwendigen ROM-Dateien. Diese können vom Dribble-Repository nachinstalliert werden. Folgende Zeile installiert den kompletten Emulator mit ROMs und verschiedenen Tools:

yum install fuse-emulator fuse-emulator-roms fuse-emulator-utils

Emuliert werden verschiedene Modelle wie der ZX Spectrum 48k, der ZX Spectrum 128k oder die baugleichen Geräte von Timex und Pentagon.

MAME

Ein wahrer Spezialist unter den Emulatoren ist MAME, der Multiple Arcade Machine Emulator. Sinn dieser Software ist, Spielhallen-Computer zu emulieren. Eine nicht gerade leichte Aufgabe, denn sehr häufig wurde die Hardware des Geräts für das Spiel maßgeschneidert.

Der Emulator steht im Freshrpms-Repository und wird wie folgt installiert:

yum --enablerepo=freshrpms install gxmame xmame xmame-roms

Um mit MAME spielen zu können, braucht man die ROMs der Originalsysteme. Diese sind ziemlich schwer auf legalem Weg zu beschaffen, denn eigentlich muss man dazu das System (oder wenigstens dessen ROM-Bausteine) besitzen. Wenigstens drei Spiele, deren ROMs von den Eigentümern freigegeben wurden, werden mit dem xmame-roms-Paket mitinstalliert.

Weitere Emulatoren

Dribble bietet noch eine Vielzahl an weiteren Emulatoren, zum Beispiel für Gameboy, Gamecube, NES, Nintendo 64 oder für MSX-Homecomputer. Viel Spaß beim Ausprobieren!