In dieser Kurzgeschichte ist nichts, wie es zunächst scheint. Ist der Graf der Finsteren Burg wirklich ein Vampir, der die arme Mariana auf dem Gewissen hat? Ist Florica wirklich die nette Kellnerin, oder hat sie ein dunkles Geheimnis? Bringt Miray wirklich nichts aus der Fassung, oder hat sie eine Schwäche?
In dieser Geschichte spiele ich mit Erwartungen und Klischees. Sie erfüllt aber noch einen weiteren Zweck: Sie führt den übergeordneten Spannungsbogen weiter. Wir lernen Miray von einer neuen Seite kennen und erleben, wie die beiden Charaktere näher zusammenrücken.
Der Plot
Miray und Dian finden sich in einem kleinen Dorf wieder, irgendwo im tiefsten Rumänien. Der Brief eines Grafen brachte sie an diesen verlassenen Ort. Eine junge Frau aus dem Dorf ist verschwunden, und der Graf befürchtet nun das Schlimmste für sich und seine Burg.
Auf der Suche nach der Frau lernen unsere Abenteurer die Menschen im Dorf, aber auch einander besser kennen.
Die Kulisse
Vermutlich ist es nicht zu übersehen, dass der Film Tanz der Vampire von Roman Polański bei dieser Episode Pate stand. Die erzählte Geschichte ist freilich völlig anders, aber die Atmosphäre der Dorfschänke, die tief verschneite Landschaft und die Burg des Grafen, sie alle fanden ihre Inspiration in diesem Film.
Eine Szene allerdings geisterte bereits durch meinen Kopf, seit ich mit dem Projekt anfing: Es ist die Szene, in der Dian aus dem stickigen und überheizten Schankraum in den kalten Flur tritt, um nach Miray zu sehen. Wo ich diese Szene einbauen würde, und welchen Grund Dian haben könnte, wurde mir erst klar, als ich diese Episode schrieb.
Die intensive, bedrohliche Atmosphäre, die beginnt, als Miray nach der Finsteren Burg fragt, und in dem Besuch dieser Burg gipfelt, finde ich besonders gut gelungen. Ich bin stolz auf das Ergebnis, auch wenn ein Berufsautor sicher noch mehr herausgeholt hätte.
Die Figuren
Dian und Miray werden in dieser Traumreise als “fähige Ermittler” bezeichnet, ohne dass dies näher ausgeführt wird.
Ihnen gegenüber stehen drei unversöhnliche Parteien: Der Wirt Alexandru mit seiner Familie und Florica als Angestellte, der Schmied Constantin, und zuletzt der Graf mit seinem treuen Diener.
Beim Grafen ist die namentliche Anspielung auf eine Person der Gegenwart ziemlich offensichtlich. Der Name seines Dieners fand eine ähnliche Inspiration, mehr verrate ich allerdings nicht. 😉
Die Traumwelt
Zur Mechanik der Traumwelten gibt es in dieser Episode keine neuen Erkenntnisse.
Was habe ich gelernt?
Es sah zunächst aus wie die übliche Routine, die sich zwischenzeitlich eingestellt hat. Ich hatte die Episode durcherzählt, mehrfach korrekturgelesen, verfeinert. Sie stand kurz vor der Veröffentlichung, ich hatte sie sogar schon angekündigt.
Dann las ich das Buch “Deutsch für junge Profis” von Wolf Schneider. Seine Tipps zum guten Sprachstil und Satzbau waren ein wahrer Augenöffner. Wo ich vorher nur spürte, dass mit einem Satz “irgendetwas nicht stimmte”, erkannte ich nun, wo das Problem lag und wie ich es verbessern konnte. 1
In der Folge krempelte ich die gesamte Geschichte noch einmal vollständig um. Ich verbesserte den Satzbau, erweiterte die Szenenübergänge und achtete darauf, die Handlungen der Charaktere besser zu beschreiben. Diese umfangreiche Änderung kostete mich zwei Monate. Aber sie brachte die Geschichte von 8.000 auf über 10.000 Wörter, die sich außerdem viel flüssiger lesen ließen. Ich finde, das Ergebnis war die Mühen wert – und das Warten.
Während ich die folgenden Episoden schrieb, merkte ich, dass mein Schreibstil eine große Veränderung durchmachte. Das verunsicherte mich einerseits, denn ich musste plötzlich vieles überdenken, was ich vorher herunterschrieb und für gut befand. Es fühlte sich an wie ein Rückschritt auf dem Weg, meinen persönlichen Schreibstil zu finden und zu schärfen.
Andererseits haben Rückschritte nichts schlechtes an sich, wenn man im Anschluss einen besseren Weg voran einschlägt.
Leider ist das Buch “Deutsch für junge Profis” auch eine schlecht gealterte Schmähschrift über das Blogging. Schade, dass der Autor das für nötig hielt. Es verdarb mir letztendlich die Freude an einem sonst lesenswerten Buch. Ich habe es nie zuende gelesen. ↩︎