Making of: Kiona Bluff
Spoiler-Warnung: Dieser Artikel verrät Handlungsdetails. Wenn du das Werk noch nicht kennst, solltest du besser nicht weiterlesen.

Willkommen in dem kleinen Örtchen Kiona Bluff, irgendwo tief im Wilden Westen.

Die Idee zu dieser Episode hatte genau genommen gar nicht ich, sondern Miray. Auch wenn meine Charaktere dem Plot folgen müssen, lasse ich sie in den Szenen meist an die lange Leine und gebe ihnen die Freiheit, zu improvisieren. In diesem Fall saßen Miray und Dian in einem Teehaus und hatten Zeit totzuschlagen. Plötzlich erwähnte Miray einen früheren Traum im Wilden Westen. Weiter ausführen wollte sie ihn nicht. Nur so viel verriet sie: er endete in einer wilden Schießerei.

Die Episode mit dem Teehaus blieb unvollendet. Ihre Idee mit dem Wilden Westen überlebte jedoch, und wurde der Grundstein für diese Geschichte. Eine Schießerei im Showdown gibt es auch, wie es sich für einen Western gehört. Allerdings mit einer Besonderheit, die ich an dieser Stelle nicht verraten werde.

Der Plot

Miray nutzt den Moment eines romantischen Candle-Light-Dinners mit Dian, um von ihrem Abenteuer in Kiona Bluff zu erzählen.

In einem früheren Traum, noch bevor sie Dian kennenlernte, landete sie in diesem Kaff im Wilden Westen. Ihre Aufgabe: Einen Ganoven fangen. Er hat den Ruf, dass seine Schüsse noch nie ihr Ziel verfehlt haben. Miray besitzt nur eine Waffe: ihren Verstand. Doch diese Waffe ist nicht minder gefährlich.

Die Kulisse

Dieses Mal haben wir gleich zwei Kulissen.

Die Rahmenhandlung spielt in einem fiktiven Edelrestaurant im Dubai der Gegenwart. Die fantastische Aussicht über die Stadt und das exzellente Essen machen den Abend so perfekt, dass Miray sich am Ende tatsächlich zu einem kurzen Moment der Schwäche hinreißen lässt.

Die eigentliche Handlung dagegen spielt im klassischen Wilden Westen. Der fiktive Name des Örtchens Kiona Bluff ist dabei nicht zufällig gewählt. “Kiona” ist ein indigenes Wort und bedeutet “brauner Hügel”. “Bluff” hat eine beabsichtigte Doppelbedeutung. Einerseits wird eine Wüstenklippe auf Englisch “bluff” genannt. Andererseits ist das Bluffen – also das Täuschen seines Gegners – ein zentraler Bestandteil dieser Geschichte.

Ich muss zugeben, dass die große Zeit des Westernfilme spurlos an mir vorbeigegangen ist. Dementsprechend musste ich sehr viel recherchieren, zum Beispiel über Postkutschen oder die typische Damenbekleidung.

Mirays One-Handed Riffle Shuffle und Pepper’s Ghost stammen ebenso aus der Recherche.

Die Figuren

Für die wesentliche Geschichte übernimmt Miray diesmal die Rolle der Erzählerin. Dian bleibt nur der deutlich kleinere Teil als Erzähler der Rahmenhandlung. Ich mache es wieder gut, Dian. Versprochen.

In der Westernwelt habe ich mich bemüht, den Charakteren mehr Tiefe zu geben als sonst. Besonders der pfiffige Farmerjunge Cal hat mir beim Schreiben sehr viel Spaß bereitet. Welcher kleine Junge hier Pate stand, dürfte offensichtlich sein.

Ebensoviel Spaß machte der Widersacher Bullet Ben, der mit seinem Schießeisen zweifellos besser umgehen kann als mit Worten. (Bei ihm habe ich übrigens eine kleine Referenz an ein berühmtes Computerspiel von 1990 versteckt. Viel Spaß beim Suchen.)

Die Traumwelt

Von der Mechanik der Traumwelten gibt diese Episode nicht viel Neues preis. Eigentlich nur, dass es auch Traumreisen gibt, die mit einem grünen Kreis beginnen, also sofort verlassen werden können.

Was habe ich gelernt?

Rahmenhandlungen galore. Und hier möchte ich für meinen Mut (oder eher Wahnsinn?) gelobt werden, denn diese Episode besitzt tatsächlich nicht eine oder zwei, sondern satte vier Erzählebenen.

  1. Dians Realität: Er schlummert auf einer Liegewiese im Freibad ein.
  2. Die eigentliche Traumreise: Das romantische Abendessen mit Miray im Burj al Sahar.
  3. Mirays Abenteuer in Kiona Bluff, einschließlich dem Wechsel zu Miray als Ich-Erzählerin.
  4. Das Duell zwischen Bullet Ben und dem mysteriösen Cowboy. Hier wechselt die Erzählperspektive noch einmal, und zwar zu einem auktorialen Erzähler.

Generell habe ich gelernt, dass die Konstellation mit einer Heldin und einem erzählenden Begleiter einen gravierenden Nachteil hat. Es ist erzählerisch sehr schwer, Miray mal etwas im Alleingang machen zu lassen. Stets muss Dian dabei sein, sonst kann er den Ablauf nicht wissen und folglich auch nicht davon erzählen. Oder ich mache den Trick mit dem Erzählerwechsel, aber wenn ich das übertreibe, verliert meine verehrte Leserschaft irgendwann den Überblick.

Die Ich-Perspektive ist für die, die mit dem kreativen Schreiben anfangen, für gewöhnlich leichter, da wir auch in der Ich-Form denken. Anfangs nahm ich sogar an, dass die Ich- und die auktoriale Perspektive im Grunde beliebig austauschbar ist und sich mehr oder weniger auf einen Wechsel der Personalpronomen beschränkt.

Mittlerweile weiß ich es besser. Aber das ist auch das eigentliche Ziel meiner Reise als Hobby-Schriftsteller: Fehler machen, daraus lernen, und dabei Spaß haben.