TeenageEngineering

Akkuloser OP-1

Der Teenage Engineering OP-1 ist ein tragbarer Synthesizer mit Tonbandsystem. Ich habe mir 2016 einen gegönnt, weil mich seine Fähigkeiten faszinierten, die in vielen YouTube-Videos gezeigt wurden. Aber um ehrlich zu sein: Mein musikalisches Talent ist arg begrenzt. Das gute Stück wurde zu einem Spielzeug, das dann irgendwann für mehrere Monate in einem Schrank verschwand.

Als ich ihn wieder herausholte, stellte ich fest, dass der Akku tiefentladen war. In Anbetracht des Alters des Akkus beschloss ich, ihn nicht noch einmal aufzuladen. Es besteht die Gefahr, dass er sich aufbläht und den OP-1 beschädigt. Stattdessen überlegte ich, den Akku zu entfernen und den OP-1 ohne ihn zu verwenden, da ich dessen Mobilität sowieso nicht nutze. Er müsste dann immer an eine USB-Stromquelle angeschlossen werden, aber das wäre für mich völlig in Ordnung.

Ich fand auch Berichte von Leuten, bei denen der Akku nicht mehr geladen werden konnte oder nach ein paar Minuten schon wieder leer war. Es gibt viele Gründe für einen Akkuwechsel.

Hinweis: Dieser Artikel handelt vom klassischen OP-1, nicht von seinem Nachfolger, dem OP-1 Field.

Entfernen des alten Akkus

VORSICHT: Sei sehr vorsichtig beim Umgang mit LiPo-Akkus! Verwende keine scharfen Klingen oder spitzen Werkzeuge, um den alten Akku zu entfernen. Wende niemals Gewalt an und vermeide physische Schäden. Schließe den Akku niemals kurz! Stelle sicher, dass sich die Anschlüsse der Akkukabel nicht versehentlich berühren können. Wenn der Akku sich aufbläht oder warm wird, verwende ihn sofort nicht mehr. Entsorge Akkus ordnungsgemäß und befolge dabei die örtlichen Vorschriften.

Falls du (aus welchem Grund auch immer) noch Garantie auf das Gerät haben solltest, erlischt diese durch die Modifikation.

Es gibt eine gute Anleitung bei iFixit darüber, wie man den OP-1 öffnet und den Akku entfernt. Dazu musst du die Rückseite und ein paar der Tasten entfernen, die die Gehäuseschrauben verdecken.

Bei meinem OP-1 fand ich heraus, dass es nicht nötig war, die Rückseite zu entfernen. Der Akku war nur leicht an das Gehäuse geklebt. Ich konnte ihn vorsichtig entfernen, ohne dass das darüberliegende Flachbandkabel im Weg war.

Der Akkuanschluss muss nach oben angehoben werden, nicht seitlich abgezogen. Obwohl ich vorsichtig war, habe ich dabei die Klemmen aus dem Stecker gebrochen. Das fand ich nicht schlimm, da ich ja sowieso vorhatte, den OP-1 ohne Akku zu nutzen.

Allerdings scheiterte mein Plan…

Die Enttäuschung

Nachdem ich den Akku entfernt hatte, versorgte ich den OP-1 über USB mit Strom und schaltete ihn an. Nach ein paar Sekunden stürzte er dann leider ab.

Ich fand später heraus, dass der OP-1 ohne Akku funktioniert, wenn er an ein USB-Ladegerät angeschlossen ist. Wenn er an den USB-Anschluss eines PCs gesteckt wird, stürzt er dagegen sofort ab. Da dies der einzige Weg ist, auf das Dateisystem des OP-1 zuzugreifen, scheint der Betrieb ohne Akku so nicht zu funktionieren.

Nun gut, dann bestelle ich halt einen neuen und reparieren den OP-1 richtig. Es ist ein LiPo-Akku 055070 (aka 505070) mit 3,7V und einer Kapazität von 1800mAh. Und falls du ebenfalls den Stecker beschädigt hast: Es ist ein Molex Pico-EZmate Crimpgehäuse für Buchsen, 1,2mm Rastermaß, 2 Kontakte (Teilenummer 781720002).

Ein neuer Akku?

Hier kam prompt die nächste Enttäuschung.

Teenage Engineering verweist auf iFixit als Ersatzteilhändler. Allerdings verkauft iFixit diese Akkus nicht in Deutschland, und in anderen Ländern scheinen sie vergriffen zu sein.

Dann fragte ich den Hersteller um Hilfe. Sie antworteten, dass sie keine Ersatzakkus für den OP-1 auf Lager hätten und dass sie nicht wüssten, wann (oder ob jemals wieder) welche auf Lager sein würden. Ihr Vorschlag war, weiterhin den Originalakku zu verwenden.

Ich durchsuchte das Internet und fragte Händler nach Ersatzakkus, aber ohne Erfolg. Ich saß fest. Der OP-1 würde ohne Akkus nicht funktionieren, und ein neuer passender Akku war nirgends zu finden. Muss ich meinen OP-1 wegwerfen, der immer noch fast makellos aussieht?

Akkuloser Betrieb

Die einfache Antwort lautet: Nein. Ich könnte jeden anderen LiPo-Akku mit 3,7V und ähnlichen, kleineren Abmessungen verwenden. Er hätte eine geringere Kapazität und müsste öfter aufgeladen werden, aber ansonsten wäre es in Ordnung.

Allerdings war mein ursprüngliches Ziel, den OP-1 ganz ohne Akku zu betreiben. Ich musste einen Weg finden, ihn auch zum Laufen zu bringen, wenn er mit einem PC verbunden ist.

Ich startete ein Experiment. Anstelle eines Akkus verwendete ich einen Elektrolytkondensator. Der erste, den ich in meiner Bastelkiste fand, war ein 470µF 35V Typ, und ich schloss ihn mit Krokodilklemmen an den Akkuanschluss an.

Ein erster Test zeigte, dass dies den Absturz behob. Der OP-1 startete nun sogar, wenn er an den PC angeschlossen wurde. Als ich dann versuchte, eine USB-Verbindung für den Dateitransfer herzustellen, schaltete er sich allerdings von selbst ab.

Ich probierte den größten Kondensator aus, den ich in meiner Kiste finden konnte, einen 4700µF 16V. Jetzt stürzte der OP-1 endlich nicht mehr ab, egal wie sehr ich es versuchte. Leider ist so ein 4700µF Kondensator viel zu groß, um ihn im Gehäuse des OP-1 unterzubringen.

Was jedoch perfekt passt, sind Superkondensatoren. Ich bestellte zwei Eaton KR-5R5V155-R EDLCs (1,5F, 5,5V), aber grundsätzlich kann jeder Superkondensator verwendet werden, der nicht höher als 5mm ist und für Spannungen von 3,7V oder mehr ausgelegt ist. Außerdem würde ein einziger Superkondensator ausreichen, da er die Kapazität meines Testkondensators (4700µF = 0,0047F) immer noch bei weitem übertraf.

Meine Tests mit den Superkondensatoren waren sehr vielversprechend. Wenn ich beide verwendete, funktionierte der OP-1 immer noch etwa drei Sekunden lang, wenn er vom USB-Anschluss getrennt wurde.

WARNUNG: Die Verwendung von Superkondensatoren anstelle von Akkus ist experimentell. Im Zweifelsfall ersetze deinen alten Akku immer durch einen neuen LiPo-Akku!

Führe nach dieser Modifikation niemals Firmware-Upgrades durch! Es ist möglich, dass das Gerät während des Upgrade-Prozesses auf ausreichende Akkuleistung angewiesen ist. Dein Gerät könnte dadurch unbrauchbar werden!

Denke auch daran, deinen OP-1 immer auszuschalten, bevor du ihn vom Strom trennst, um Datenverlust und Fehler am Dateisystem zu vermeiden.

Ich druckte einen Rahmen für die Kondensatoren auf meinem 3D-Drucker und setzte ihn in den Platz des ursprünglichen Akkus. Da das Gehäuse aus gefrästem Aluminium besteht, ist es wichtig, auf eine ordnungsgemäße Isolierung zu achten! Die Unterseite meines Rahmens ist aus diesem Grund geschlossen.

Und das war’s! Jetzt habe ich einen akkulosen OP-1. Auch wenn er nun dauerhaft an eine USB-Stromquelle angeschlossen sein muss, werde ich mir nie wieder Sorgen um alte oder tiefentladene LiPo-Akkus machen müssen.

Was ich gelernt habe

Um ehrlich zu sein, bin ich von Teenage Engineering sehr enttäuscht. Der OP-1 war ein teures Stück Hardware. Es ist in Ordnung, wenn der Hersteller nach dieser langen Zeit keine Garantie mehr anbietet. Es ist auch in Ordnung, wenn er nach fast 10 Jahren keine passenden Ersatzteile mehr auf Lager hat.

Trotzdem wünschte ich mir, sie hätten eine bessere Lösung zu bieten, als bloß den Originalakku weiterzuverwenden. Sie nehmen dabei die Gefahr in Kauf, dass er sich aufbläht, was das Gehäuse ruinierenund eine potenzielle Brandgefahr darstellen würde. Im Grunde haben sie mir gesagt, ich solle ein ansonsten vollkommen funktionstüchtiges Gerät wegwerfen.

Fun Fact

Übrigens… Wusstest du, dass das eigentliche Display des OP-1 viel größer ist als sein Gehäusefenster? Das untere Drittel des OLED-Displays wird gar nicht verwendet!