Restaurierung

CD32 Restaurierung, Teil 2

Im ersten Teil reparierte ich das Mainboard eines Amiga CD³², der durch auslaufende Kondensatoren und einen vermurksten Restaurierungsversuch beschädigt wurde. In diesem Teil ersetze ich nun die Lasereinheit und kalibriere das CD-Laufwerk.

Die alte Lasereinheit der meisten CD³² dürfte aufgrund von Alter und Nutzung verschlissen sein. Ein häufiges Symptom ist, dass das CD³² keine CD-R-Medien mehr abspielt oder nur noch Musik-CDs erkennt. CD-RW-Medien erkennt das CD³² übrigens generell nicht, da diese einen Farbstoff anstelle von Pits verwenden, der zu wenig Licht reflektiert. Das lässt sich auch mit einer neuen Lasereinheit nicht beheben.

Bevor wir anfangen, vorab dies:

ACHTUNG: Die Lasereinheit ist sehr empfindlich gegenüber elektrostatischer Entladung. Treffe stets Schutzvorkehrungen, z. B. durch Tragen eines Antistatik-Armbands.

Stelle sicher, dass der Laser immer abgedeckt ist, wenn der Computer eingeschaltet ist (z. B. mit einer CD oder einem Blatt Papier). Schaue nicht in den Laserstrahl.

Ich möchte an dieser Stelle außerdem erwähnen, dass ich kein ausgebildeter Techniker bin. Ich habe Anleitungen zur Kalibrierung von CD-Laufwerken gelesen, und bei mir hat es funktioniert. Ich behaupte allerdings nicht, dass das hier die beste oder professionellste Art ist, eine Kalibrierung durchzuführen.

Für den Austausch des Pickups wird ein Lötkolben und definitiv auch ein Oszilloskop für die anschließende Kalibrierung benötigt. Möglicherweise geht es auch ohne Kalibrierung, aber das Ergebnis wird nicht optimal sein.

Austausch der Lasereinheit

Zuerst baute ich das CD-Laufwerk aus dem Gehäuse aus. Dann trennte ich vorsichtig die mechanische Einheit vom Controller, und entfernte die vier Schrauben, die den Rahmen der mechanischen Einheit halten. Die Metallabschirmung, die den Pick-Up abdeckt, muss ebenfalls entfernt werden.

Der Pick-Up ist eine Sony KSS210A. Er wird schon lange nicht mehr produziert, aber Nachbauten werden in Online-Märkten für ein paar Euro angeboten. Um die alte Einheit zu entfernen, habe ich zuerst das weiße Zahnrad abgenommen und dann die Metallstange herausgezogen (sie wird nur von einem Plastikclip gehalten, der zur Seite geschoben werden kann). Bei der Gelegenheit entfernte ich das alte Fett von der Stange und den Zahnrädern, und trug danach ein wenig Silikonfett auf. Danach habe ich die neue Einheit montiert und das CD-Laufwerk in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengebaut.

Wichtig: Gleich nachdem die neue Lasereinheit an den Controller angeschlossen wurde, muss ein Löttropfen auf der Lasereinheit entfernt werden! Er schützt den Laser vor Elektrostatik, würde aber den Laufwerks-Controller irreparabel beschädigen, wenn er beim Einschalten noch vorhanden ist.

Wenn du das originale Lasermodul behalten möchtest, solltest du dort auch einen Löttropfen auftragen, bevor du es abklemmst.

Vorbereitung

Ich entfernte die Metallabschirmung des Laufwerk-Controllers, um die Kalibrierung vorzunehmen. Dort fand ich eine Überraschung: Eine winzige Platine, die auf die Hauptplatine geklebt und mit sieben Drähten angeschlossen war.

Ich nahm zuerst an, dies könnte ein Mod sein, um Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen. Das CD³² hatte allerdings kein ausgeklügeltes Kopierschutzsystem, das es zu umgehen galt. Später fand ich die Antwort in einem YouTube-Video: Diese Modifikation unterbricht die Stromzufuhr zum Laser und zum Spindelmotor, sobald der Deckel des CD-Laufwerks geöffnet wird. Ich konnte allerdings auch viele Fotos der Controller-Platine ohne die Modifikation finden. Ich nehme an, es war eine Anforderung zur Produktsicherheit, damit das CD³² auf dem deutschen oder europäischen Markt verkauft werden durfte.

Okay, zurück zur Kalibrierung. Als Vorbereitung lötete ich Drähte an die Testpunkte VF, RFO, TEO-1 und FEO-1. Ich empfehle, dafür verschiedene Farben zu verwenden, das erleichtert die Kalibrierung. Leider hatte ich nur roten Draht zur Hand, also musste ich jedes Mal nachschauen, welcher Draht wohin führte.

Danach maß ich die aktuellen Einstellungen der vier Potis auf der Controller-Platine und des Potis auf dem Lasermodul mit einem Ohmmeter, und schrieb diese auf. Falls die Kalibrierung aus irgendeinem Grund schiefgehen sollte, könnte ich jederzeit diese Einstellungen wiederherstellen. Ein Foto der Poti-Positionen wäre übrigens viel zu ungenau, lieber messen!

Für die Kalibrierung muss das Laufwerk wieder an das Mainboard angeschlossen werden. Die Gehäuseoberseite (mit den LEDs, dem Reset-Knopf etc.) muss ebenfalls angeschlossen werden, da das CD³² nichts macht, solange der Laufwerksdeckel geöffnet ist. Die Lasereinheit bewegt sich während des Betriebs und sollte dafür ausreichend Platz haben.

Um die CD an der Spindel zu halten, habe ich die Spindelklemme von der Innenseite des Deckels entfernt und das lose Teil in der Mitte mit ein wenig Klebeband fixiert. Ein Magnet hält die Klemme an der Spindel fest und sorgt dafür, dass die CD nicht durchrutscht.

Kalibrierung

Der eigentliche Kalibrierungsprozess wird in diesem Blogartikel von TSB erklärt. Meine Versuche, ihn zu erklären, wären weitaus schlechter. 😉

Es stellte sich bei meinem Laufwerk heraus, dass der Prozess so nicht funktionierte. Nachdem ich die ersten Schritte der Kalibrierung durchgeführt hatte, streikte das Laufwerk plötzlich und las gar nichts mehr. Zum Glück hatte ich die Poti-Positionen notiert, ich konnte also die ursprünglichen Einstellungen wiederherstellen und von vorne beginnen.

Danach kalibrierte ich zuerst das TEB-Poti, bis zwischen TEO-1 und VF etwa 0 mV lagen. Das Laufwerk lief danach noch. Erst als ich FEB wie dokumentiert kalibrierte, streikte es wieder. Ich machte diese Änderung rückgängig und fuhr mit der Kalibrierung der Laserleistung fort.

ACHTUNG: Sei äußerst vorsichtig mit dem Poti auf dem Lasermodul und drehe es nur in sehr kleinen Schritten. Andernfalls kann der Laser dauerhaft beschädigt werden.

Auf dem Poti befindet sich möglicherweise ein Tropfen Lack. Es ist ratsam, das Poti zuerst im ausgeschalteten Zustand zu drehen, um den Lack aufzubrechen, und danach mit dem Ohmmeter auf die notierte Werkseinstellung zurückzustellen.

Um die Laserleistung zu kalibrieren, verband ich das Oszilloskop mit RFO und Masse. Danach legte ich eine Musik-CD auf die Spindel und startete Track 1. Das Oszilloskop sollte nun ein sogenanntes “Augenmuster” zeigen:

Der knifflige Teil ist, das Poti am Lasermodul zu verstellen, während die CD abgespielt wird. Ich verstellte es sehr vorsichtig, bis ich eine Spitze-Spitze-Spannung von etwa 900 mV erreichte. 1200 mV sollten niemals überschritten werden.

Danach habe ich das FEB-Poti auf der Controller-Platine so eingestellt, bis ich eine maximale Amplitude im Augenmuster erreichte.

Die letzten beiden Potis, FEG und TEG, werden kalibriert, indem die Testpunkte FEO-1 und TEO-1 jeweils gegen Masse gemessen werden. Das Laufwerk sollte Track 1 einer Audio-CD abspielen und sich während der Kalibrierung im Pause-Modus befinden.

Ich habe versucht, den idealen Punkt zu finden, an dem das Signal auf dem Oszilloskop möglichst gatt und die Korrekturgeräusche der Laseroptik möglichst leise sind. Es gilt, dabei einen möglichst guten Kompromiss zu finden. Das beste Ergebnisse bekommt man vermutlich, wenn man auf die Geräusche der Lasereinheit hört und seinem Bauchgefühl folgt.

Die Kalibrierung ist danach abgeschlossen und das CD³² kann wieder zusammengebaut werden.

Tipp: Brenne CD-Rs für das CD³² mit der niedrigsten Geschwindigkeit, die dein Brenner unterstützt. Das erhöht den Kontrast der Daten auf der CD. Bevorzuge außerdem CD-Rs, die nicht transparent sind, wenn man sie gegen das Licht hält.

CD32 Restaurierung, Teil 1

Ich fand diesen CD³² zu einem fairen Preis. Die Maschine fehlt noch in meiner Sammlung, also schlug ich zu. Der optische Zustand des Gehäuses ist recht gut. Es gibt ein paar sichtbare Kratzer. Der Vorbesitzer versuchte, sie auszubessern, aber machte es damit nur noch schlimmer. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass dies das Hauptthema der gesamten Restaurierung sein wird.

Zusammen mit der Spielkonsole bekam ich ein Netzteil und eine Edutainment-CD für Mathematik. Das Netzteil war nicht original, sondern so ein typischer “Ziegel” für externe Festplatten mit einem angelötetem CD³²-Stecker. Das Gamepad fehlte leider, aber ich fand etwas später zum Glück ein praktisch neuwertiges Honey Bee Joypad als Ersatz.

Werfen wir mal einen Blick in das Innere.

Der Zustand

Verkauft wurde der Amiga als defekt, weil er kein Bild anzeigte.

Die Platine erzählte mir eine völlig andere Geschichte. Es wurde bereits versucht, die Kondensatoren auszutauschen. Nach dem Austausch der TH- und 100µF-SMD-Kondensatoren wurde der Versuch dann abgebrochen. Vermutlich, weil danach das Bild weg war.

Ich fand außerdem etliche grüne Lackflecken, wahrscheinlich einfacher Nagellack. Er befand sich unter den ausgetauschten SMD-Kondensatoren, auf Lötstellen sowie einigen Durchkontaktierungen. Der Lack ergab an den Stellen bestenfalls kosmetischen Sinn.

Und dann fand ich noch das hier:

An der Stelle kann ich nur mutmaßen: Als mitten im Recapping plötzlich das Bild weg war, nahm der Vorbesitzer an, dass der Video-Encoder-Chip beschädigt wurde. Ein SMD-Chip lässt sich nur mit einem Heißluft-Rework-Gerät entfernen, das er wohl nicht zur Verfügung hatte. Also versuchte er stattdessen, den Chip Beinchen für Beinchen von der Platine zu schneiden. Zum Glück brach er den Versuch schon nach einem Bein ab.

Weitere Spuren der “Misshandlung” fand ich auf dem armen Board zum Glück nicht. Es wird schon genug Arbeit sein, das vorhandene Chaos zu beseitigen.

Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich verärgert darüber. Es macht ein Unterschied, ob die Maschine nach Jahrzehnten im Keller einfach kein Bild mehr anzeigt, oder weil jemand auf der Platine herumgepfuscht hat. Der Verkäufer hätte auf diesen Umstand hinweisen müssen, freilich mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Preis.

Reparatur des Mainboards

An der Stelle machte es für mich am meisten Sinn, erst einmal das Bild wiederherzustellen. Also tauschte ich den Video-Encoder aus, ebenso einen bereits getauschten Elektrolytkondensator gleich daneben, der verdächtig aussah. Damit waren alle sichtbaren Defekte beseitigt. Leider brachte es das Videosignal nicht zurück.

Warum blieb das Bild schwarz? Waren weitere Fehler im Videobereich, oder startete die Maschine eventuell gar nicht erst?

Um das herauszufinden, setzte ich ein DiagROM ein und schloss das CD³² an meinen PC an. Das DiagROM startete problemlos und protokollierte keine Fehler auf der Konsole. Eine gute Nachricht: Das Problem musste alleine im Videobereich liegen.

Also war aufräumen angesagt. Ich entfernte alle Elektrolytkondensatoren, auch die bereits getauschten. Danach kam der grüne Nagellack ab, mit Nagellackentferner und Isopropanol.

Auf der Unterseite fand ich einen seltsamen Lötklumpen, der von einer dicken Lackschicht bedeckt war. Als ich ihn entfernen wollte, stieg ein verräterisch fischiger Geruch von ausgelaufenem Elektrolyt auf. Kein gutes Zeichen. Es bedeutete, dass ein Elko auslief und die Stelle nicht ordentlich gereinigt wurde. Ich entfernte großzügig die SMD-Teile auf beiden Seiten in diesem Bereich, reinigte die Platine gründlich und überprüfte die Leiterbahnen und Vias.

Leider habe ich dabei ein paar Pads an den 100µF-Kondensatoren abgerissen. Ich vermute, das ausgelaufene Elektrolyt und die thermische Belastung von zwei Recappings waren einfach zu viel für sie. So etwas ist ärgerlich, aber kein Weltuntergang.

Danach lötete ich neue Bauteile ein und reparierte die abgerissenen Pads mit Fädeldraht. Für zwei SMD-Kondensatoren bot die Platine alternativ eine Verwendung von TH-Kondensatoren an, was mir sehr entgegenkam. Optisch macht diese Ecke jetzt nicht mehr viel her, aber sie müsste wieder funktionieren.

Als ich die Leiterbahnen und Vias an den anderen 100µF-SMD-Kondensatoren durchklingelte, fand ich weitere Unterbrechungen an C236 und C237. Sie führen das Luma- und Composite-Videosignal und wären eine Erklärung dafür, dass das Bild schwarz bleibt.

Ich fand außerdem ein kaputtes Via in der Nähe von C409, welches das CSYNC-Signal führt. Dadurch fehlt das Video-Sync-Signal an den Ausgängen. Ich reparierte es, indem ich das Via aufbohrte, die damit verbundenen Leiterbahnen auf beiden Seiten freilegte, dann einen dünnen Draht durch das Loch fädelte und an die Leiterbahnen anlötete. (Achtung: Das geht nur, wenn das Via keine Verbindung zu einem der inneren Layer der Platine hat, was hier der Fall war.)

Insgesamt gab es also gleich mehrere Gründe, warum die Maschine kein Videobild mehr zeigte.

Zwei TH-Kondensatoren auf dem Board haben übrigens eine Besonderheit. Bei C408 und C811 zeigt der Bestückungsdruck den Pluspol auf der falschen Seite an. Das führte dazu, dass sogar Commodore die Kondensatoren ab Werk falsch herum eingelötet hat, weshalb man etliche CD³² mit aufgeblähten Kondensatoren an dieser Stelle finden wird. Ich beschloss, auch dort SMD-Kondensatoren einzulöten, die wie auf dem Bestückungsdruck gezeigt eingelötet werden können.

So, Spannung drauf, und zu meiner Überraschung funktionierte der Amiga wieder.

Ich überprüfte alle Video- und Audioausgänge und fand überall ein Signal. Die Maschine lief auch stabil. Das Mainboard war damit repariert und überholt.

Auch wenn es eine unerwartet schwierige Angelegenheit war, bin ich froh, dass ich die Maschine reparieren konnte.

Im nächsten Teil werde ich das Lasermodul austauschen und das CD-Laufwerk kalibrieren.

Amiga 1200 Black Edition

Als ich diesen Amiga 1200 sah, hatte ich sofort Mitleid mit ihm. Das Gehäuse und die Tastatur waren schon stark vergilbt, aber noch schlimmer war der vermurkste Versuch, ein Gotek-Laufwerk in das Gehäuse einzubauen. Um dafür Platz zu machen, hat der Vorbesitzer den Bereich um das Diskettenlaufwerk offensichtlich mit einer Zange oder einem Seitenschneider aufgebrochen, und damit das schöne alte Gehäuse komplett runiniert.

Ursprünglich hatte ich vor, das Gehäuse und die Tastatur zu bleichen. Die hässliche Öffnung am Diskettenlaufwerk wollte ich mit einem Rotationswerkzeug versäubern und dann mit einem 3D-gedruckten Teil verschließen, so gut es geht.

Aber dann hatte ich eine viel bessere Idee. 😁

Das Mainboard

Werfen wir zuerst einen Blick hinein. Verbaut ist ein Rev 1D.4 Board in gutem optischen Zustand. Ich tauschte die Elektrolytkondensatoren aus und machte ein Update auf AmigaOS 3.2.1.

Auf der Unterseite der Platine fand ich einen Kupferdraht für einen sogenannten “Floppy Fix”. Als Escom die letzten Amiga 1200 produzierte, gab es keine Amiga-Diskettenlaufwerke mehr. Stattdessen verbauten sie normale PC-Diskettenlaufwerke. Allerdings liefen auf den so modifizierten Rechnern viele Spiele und Demos nicht.

Das originale Diskettenlaufwerk dieses Computers war nicht mehr vorhanden, und Gotek-Laufwerke können Amiga-Diskettenlaufwerke perfekt emulieren. Also entschied ich mich, den Floppy-Fix rückgängig zu machen. Dazu wird zunächst der Fädeldraht entfernt. Um das ursprüngliche RDY-Signal wiederherzustellen, wird danach einen Draht von Pin 34 des internen Laufwerk-Connectors an Pin 1 des externen Floppy-Anschlusses gelötet.

Da ich sowieso gerade mit der Unterseite der Platine beschäftigt war, wollte ich außerdem E123C und E125C entfernen, um die Stabilität von Turbokarten zu verbessern. Die Kondensatoren waren aber gar nicht erst bestückt worden, also hatte sich das erledigt.

Damit war es Zeit für einen ersten gründlichen Testlauf. Soweit lief alles gut, bis ich feststellte, dass die rechte Maustaste an beiden Ports nicht funktionierte. Ein separater Blogartikel beschreibt die Ursache und den Fix. Kurz: Man muss vier Widerstände durch Ferrite ersetzen.

Meine Arbeit an der Platine war danach abgeschlossen. Sie bestand nun alle Diagnose-Tests.

Die Extras

Wie bei meinen anderen Restaurierungen auch, überhole ich die Maschine nicht nur, sondern mache sie auch mit ein paar Extras zukunftssicher.

Als Erstes: Das vergilbte Gehäuse mit dem hässlichen Schnitt. Mir war klar, dass das Gehäuse selbst bei einem halbwegs gelungenen Restaurierungsversuch nie wieder wirklich schön aussehen würde. Außerdem wollte ich schon immer einen schwarzen Amiga haben. Deshalb spendierte ich dem Amiga stattdessen ein brandneues, schwarzes a1200.net Replica-Gehäuse.

Das Diskettenlaufwerk fehlte. Anstelle des Gotek-Laufwerks, das ursprünglich an dessen Stelle sollte, wählte ich ein Centuriontech GoEX-Laufwerk. Statt eines USB-Sticks verwendet es eine SD-Karte. Außerdem besitzt es einen Drehschalter, der die Auswahl des Disketten-Images vereinfacht. Als Zubehör gibt es passende OLED-Displays, aber für meinen neuen Amiga wollte ich ein viel kleineres Display, das nicht so auffällt.

Ich verwendete ein 0,91" OLED-Display, wie man sie in praktisch jedem Maker-Shop finden kann. Hier ist es wichtig, Pin 1 und 2 zu vertauschen, wenn man das Kabel anlötet, da die Strompins bei diesem Displaytyp im Vergleich zum originalen GoEX-Displaymodul vertauscht sind.

Ich druckte ein A600 Display-Modul-Gehäuse, das glücklicherweise auch auf einen A1200 passt. Die Einzelteile habe ich mit Heißkleber zusammengefügt. Im Nachhinein hätte ich besser normalen Kleber verwendt, da der Heißkleber das PLA des Drucks ein wenig aufweichte. Das Kabel wird anschließend durch die Kühlschlitze des Amigas geführt und das Modul aufgeklemmt, kleben ist nicht erforderlich.

Damit das GoEX diese OLED-Größe korrekt verwendet, muss eine Datei namens FF/FF.CFG mit der folgenden Zeile auf der SD-Karte erstellt werden:

display-type = oled-128x32

Für ein pixel-perfektes Bild über HDMI baute ich außerdem eine Indivision AGA MK3 ein. Dabei stellte sich heraus, dass das a1200.net Replica-Gehäuse minimal andere Maße zu haben scheint als das Originalgehäuse. Ich entwarf deshalb eine modifizierte Klappe und Halterung für diesen Gehäusetyp.

Als ich den Amiga bekam, steckte bereits eine Marpet Developments M1207 RAM-Erweiterung im Erweiterungsschacht. Sie bekam eine frische Knopfzelle spendiert und versorgt die Maschine nun mit zusätzlichen 4 MB Fast-RAM, einer 68882 FPU und einer Echtzeituhr.

Und nicht zuletzt bekam die Maschine individuelle LEDs, mit der Power-LED in meiner Signaturfarbe Blau.

Zusammenbau

Was fehlt noch? Natürlich die schwarzen Tastenkappen, die zum schwarzen Gehäuse passen. Nach vielen Jahren des Wartens waren sie endlich verfügbar, und ich bekam rechtzeitig vor Weihnachten ein Set geliefert.

Mit dem schwarzen Gehäuse wird leider keine passende Plakette mitgeliefert. Zum Glück hatte Badgeman etwas Passendes auf Lager.

Danach war der Amiga bereit für den finalen Zusammenbau.

Wenn Commodore uns damals in den 1990ern eine Wahl bei der Gehäusefarbe gelassen hätte, hätte ich mich für einen schwarzen Amiga entschieden. Und nun steht er hier, ein komplett schwarzer Amiga 1200 mit völlig neuem Äußeren und modernisiertem Inneren.

Amiga 1000 Restaurierung, Teil 3

Im vorherigen Teil habe ich die Tastatur des Amiga 1000 überholt. Sie war in einem schlechten Zustand und verdiente wirklich einen eigenen Teil. Nun werde ich das Diskettenlaufwerk durch einen Centuriontech GOEX on pills Floppy-Simulator ersetzen und dann alles wieder zusammenbauen.

Floppy-LED

Die Floppy-LED des Amiga 1000 ist nicht mit dem Mainboard verbunden, sondern mit dem Diskettenlaufwerk. Das GOEX-Laufwerk bietet keinen vergleichbaren Anschluss, also musste ich mir eine Lösung einfallen lassen. Glücklicherweise machte es mir der Amiga ziemlich einfach.

Bei allen Amiga-Modellen repräsentiert die Floppy-LED den Status des Laufwerksmotors. Sie leuchtet, solange der Motor mit Strom versorgt wird. Beim Amiga 1000 wird der Motor des internen Laufwerks durch ein MTR0-Signal an Pin 16 des Floppy-Anschlusses gesteuert. Wenn es LOW ist, wird der Motor mit Strom versorgt und die Floppy-LED sollte leuchten. Der 7438-Puffer im Amiga hat einen maximalen Ausgangsstrom von 48mA, während die LED einen Durchlassstrom von 30mA hat, also könnte theoretisch die LED (und ein 120Ω Vorwiderstand) direkt an die MTR0-Leitung und +5V angeschlossen werden. Aber ich wollte auf der sicheren Seite sein, also fügte ich einen invertierenden Schalter mit einem Standard-PNP-Transistor und drei Widerständen hinzu.

SVG Picture created as drive-led.svg date 2022/10/31 09:06:35Picture generated by Eeschema-SVG+5V+5V10K10K1M1MBC557BC557Drive LEDDrive LED120R120R~{MTR0}~{MTR0}161610K10KBC557BC557Drive LEDDrive LED120R120R

Ich verwendete einen BC557, aber es eignet sich jeder Standard-PNP-Schalttransistor. Bei der LED zog ich eine grüne Floppy-LED der originalen roten vor. Ich verwendete eine Dialight 521-9266, die die gleichen Abmessungen wie die Original-LED hat. Eigentlich soll ein Pullup-Widerstand an der MTR0-Leitung sein, aber es funktioniert auch ohne, also habe ich den 1MΩ-Widerstand bei meinem System aus Platzgründen weggelassen.

Auf dem GOEX-Board finden sich +5V an einem ungenutzten Pad neben dem Spannungsregler. GND findet sich an einem ungenutzten Header für einen optionalen Encoder.

On Screen Display

Das GOEX-Laufwerk benötigt ein Display, um die aktuell ausgewählte Disketten-Datei und andere Optionen anzuzeigen. Zuerst wollte ich dafür ein winziges OLED-Display an die Gehäusefront kleben.

Allerdings hat das „GOEX on pills“-Modell einen OSD-Anschluss. Er liest das CSYNC-Signal vom Amiga und generiert ein Pixel-Signal, das dem RGB-Signal des Amiga überlagert wird. Je nachdem, an welche Farbkomponente das Pixel-Signal angeschlossen wird, ist der OSD-Text entweder rot, grün oder blau (mit der entsprechenden Komplementärfarbe als Hintergrund).

Das CSYNC-Signal kann von Pin 12 von U6A abgegriffen werden. Das Pixel-Signal wird mit einem der 75Ω-Widerstände verbunden: R25 (rot), R24 (grün) oder R23 (blau). Das Kabel muss an das Ende des Widerstands gelötet werden, das dem Monitoranschluss näher ist, sonst ist das OSD-Overlay auf weißen Bildschirmen nicht sichtbar.

Die anderen Enden der beiden Kabel werden mit den entsprechenden CSYNC- und RGB-Pins des OSD-Headers des GOEX-Laufwerks verbunden. Es ist auch möglich, das GOEX-Laufwerk über die Amiga-Tastatur zu steuern, aber ich wollte keine weiteren Hardware-Modifikationen durchführen und Kabel direkt an einen der CIAs anlöten. Ich finde es schöner, dass ich zum Wechseln der Disketten immer noch den Floppy-Schacht berühren muss, auch wenn es nur virtuell ist.

Zusammenbau

Ein geschulter Techniker sollte definitiv das Netzteil überholen, um Schäden an der Hardware oder spektakuläre Explosionen von Sicherheitskondensatoren zu vermeiden. @DingensCGN aus dem a1k.org-Forum hat da hervorragende Arbeit geleistet. Er hat alle Elektrolytkondensatoren ausgetauscht und einen vollständigen Lasttest durchgeführt, einschließlich der Überprüfung der Komponententemperaturen mit einer Wärmebildkamera. Ein großes Dankeschön an ihn!

Dieser Amiga hat ein separates Piggyback-Board, das ich zur Reinigung und zum Austausch der Kondensatoren (Re-Capping) entfernt hatte. Es ist an verschiedenen Stellen über einige Header mit dem Mainboard verbunden, was das Wiedereinsetzen etwas knifflig macht. Es ist wichtig, dass alle Header richtig verbunden sind.

Für das GOEX-Laufwerk habe ich einen 3D-gedruckten Rahmen für den Amiga 1000 entworfen. Er hält das Laufwerk in der richtigen Position und nimmt auch den originalen Auswurfknopf auf, damit das Loch in der Front verschlossen ist. Meine Absicht war, dass das GOEX-Laufwerk so unsichtbar wie möglich sein sollte, damit der originale Look des Amiga 1000 erhalten bleibt. Ich denke, das ist mir gelungen.

Und das war’s. Das System ist jetzt vollständig zusammengebaut.

Ich habe die obere Abschirmung montiert, die Frontplatte befestigt, das Gehäuse geschlossen und die 256KB-Speichererweiterung in den vorderen Steckplatz gesteckt.

Und dann kam der Moment der Wahrheit. Ich legte den Netzschalter um. Das System fuhr hoch. Ich hatte erwartet, dass der 230V-Netzteillüfter ziemlich laut sein würde, und war sehr überrascht, dass er fast unhörbar ist und problemlos mit modernen, ultra-leisen 12V-Lüftern der gleichen Größe mithalten könnte.

Dann erschien der berühmte Kickstart-Bildschirm, zusammen mit dem FlashFloppy OSD.

Ich habe die Kickstart-ADB-Datei vom GOEX-Laufwerk geladen, und danach wechselte ich zur ersten Diskette der berühmten Red Sector Megademo. Der Amiga hat sie einfach brav geladen.

Alles lief reibungslos! Die grüne Farbe des OSD trägt sicherlich viel zum 1980er-Retro-Gefühl dieser Maschine bei. Es sieht ziemlich genau so aus wie diese OSDs auf alten Fernsehern oder Videorekordern. 😆

FlashFloppy konfigurieren

Es gab zwei Dinge, die mich störten. Das erste war, dass ich einen Kaltstart der Maschine so einfach wie möglich durchführen möchte, also sollte das GOEX-Laufwerk beim Einschalten des Systems immer zuerst das Kickstart-ADF auswählen. Das zweite war, dass das OSD viel zu lange auf dem Bildschirm angezeigt wurde. Es sollte wenige Sekunden nach Laufwerksinaktivität verschwinden.

Beides lässt sich einfach konfigurieren. Zuerst muss ein Verzeichnis namens FF auf der SD-Karte erstellt werden. Dann muss eine Datei FF/FF.CFG mit folgendem Inhalt erstellt werden:

image-on-startup = static
display-off-secs = 5

Eine zweite Datei namens FF/IMAGE_A.CFG enthält den Dateinamen der Kickstart-ADF-Datei auf der SD-Karte.

Willkommen!

Und das war’s! Ich bin und war schon immer ein großer Fan des Amiga. Ich habe auf meinen Amigas viel gelernt, und sie waren das Fundament meiner Karriere als professioneller Softwareentwickler.

Ich habe den Amiga 1000 immer als die Perle meiner Amiga-Sammlung betrachtet, und ich bin glücklich und stolz, dass ich nun die Chance bekommen habe, so eine wunderschöne Maschine zu besitzen.

Amiga 1000 Restaurierung, Teil 2

In diesem zweiten Teil werde ich mich um die Tastatur kümmern. Ich hatte erwartet, dass es die übliche Prozedur sein würde: Die Tastenkappen und das Gehäuse reinigen, die vergilbten Teile aufhellen, den Tastaturrahmen abstauben.

Dieses Mal war es jedoch nicht so einfach.

Der Ärger fing an, als ich die Tastenkappen abzog, dabei aber auch die Stößel von drei Tasten mit herauszog. Zum Glück lässt sich das reparieren, da die Schalter leicht zu warten sind. Mehr dazu weiter unten.

Tastaturreinigung

Die Tastenkappen wurden in einem Ultraschallbad mit einem Tropfen Klarspüler gereinigt und anschließend mit einer weichen Zahnbürste gebürstet.

Unter den Tastenkappen befindet sich der Tastaturrahmen, auf dem die Schalter montiert sind. Ich fand den üblichen Dreck, den man dort nach fast 40 Jahren erwarten würde, aber da war auch Flugrost, eine verkrustete Schmutzschicht und… tote Insekten. Ich ging nach draußen und bürstete die Insekten und den ganzen anderen losen Schmutz ab. Dann ging ich wieder hinein und besprühte den Rahmen mit Isopropanol, in dem Versuch, die Kruste abzuwaschen. Der Raum füllte sich sofort mit einem ungesunden Gestank nach Staub, Schmutz und Insektenkot. 🤢 Auch meine Versuche, den Flugrost mit einem Glasfaserstift zu entfernen, waren nicht wirklich erfolgreich. Es war einfach zu viel davon.

Ich wollte vermeiden, den Rahmen aufarbeiten zu müssen, da er erst ausgebaut werden kann, nachdem alle 91 Schalter (und eine LED) entlötet wurden. Aber es führte kein Weg daran vorbei. Also entlötete ich alles und entfernte den Rahmen. Auf der Platine fand ich eingetrocknete Flecken von einer Flüssigkeit (vielleicht von einem Erfrischungsgetränk, das über der Tastatur verschüttet worden war) und noch mehr tote Insekten. Es bestätigte, dass es die richtige Entscheidung war, aufs Ganze zu gehen.

Ich schliff den alten Lack und die Schmutzkruste vom Rahmen ab (draußen und mit einer guten Filtermaske). Dann lackierte ich ihn mit mattem Schwarz aus der Sprühdose. Er sieht jetzt sehr viel besser aus.

Aufarbeitung der Schalter

Die nächste böse Überraschung kam, als ich die Tastatur wieder zusammenbauen wollte. Ich testete alle 91 Schalter auf Durchgang im geschlossenen Zustand, stellte aber fest, dass nur etwa 40 von ihnen tatsächlich funktionierten. Wenn ich die anderen Tasten drückte, schlossen sie entweder den Kontakt nicht, oder der Stößel blieb stecken, oder beides.

Die Schalter, die in der Amiga 1000 Tastatur verwendet werden, sind Mitsumi Typ 2 Tactile Switches. Sie werden heute nicht mehr produziert, aber sie sind leicht zu warten. Nachdem ich an ein paar Schaltern die beste Vorgehensweise ausprobiert hatte, fand ich das folgende Verfahren am erfolgreichsten.

Der Schalter kann geöffnet werden, indem man eine Art Klinge (wie den Kopf eines Schlitzschraubendrehers oder eine flache Pinzette) auf beiden Seiten in die Verriegelung drückt und dann vorsichtig die Kappe mit einer Klinge oder einem weiteren Schraubendreher abhebt. Der Schalter besteht aus vier Teilen: Der Kappe, dem Stößel, der Schaltkontakt und dem Sockel.

Ich habe die Schaltkontakt mit Kontaktspray gereinigt. Außerdem habe ich die Beinchen des Hebels ein kleines bisschen nach oben gebogen, damit er beim Drücken der Taste etwas mehr Druck auf den Schalter ausübt.

Schließlich habe ich ein wenig Silikonfett auf die beiden schmalen Seiten des Stößels aufgetragen. Es ist wichtig, eine sehr, sehr winzige Menge zu verwenden! Wenn man zu viel nimmt, fühlt sich die Taste träge an oder könnte sogar stecken bleiben. Im Zweifelsfall sollte man diesen Schritt besser überspringen.

Danach wurde der Schalter wieder zusammengebaut und erneut getestet. Wenn er immer noch stecken blieb oder den Kontakt nicht richtig schloss, wurde der Vorgang wiederholt.

Es war eine Menge Arbeit und eine eintönige Aufgabe, aber am Ende konnte ich alle Schalter wieder zum Laufen bringen.

Aufhellen

Das Tastaturgehäuse wurde in Seifenwasser gereinigt. Danach wurden das Gehäuse (und die vergilbte Leertaste) zum Aufhellen in die Julisonne gelegt.

Das Ergebnis ist ziemlich gut, aber an einigen Stellen ist immer noch ein wenig Gilb zu sehen. Ich schätze, es gäbe ein noch besseres Ergebnis, wenn ich Wasserstoffperoxid verwenden würde, aber damit habe ich keine Erfahrung und ich bin auch nicht besonders scharf darauf, sie mit dieser seltenen Tastatur zu sammeln.

Die Beschriftungen auf einigen Tasten sind immer noch gelb und wurden in der Sonne auch nicht weißer. Ich schätze, dass ich sie eines Tages durch neue Beschriftungen ersetzen muss.

Zusammenbau

Nachdem alle Teile gereinigt und aufgehellt waren, war die Tastatur bereit für den Zusammenbau. Ich drückte die Tastenkappen wieder auf die Tasten, montierte die Abschirmung und setzte dann den Tastaturrahmen wieder ins Gehäuse ein.

Pass auf, wenn du das Gehäuse schließt: Eine der vier Schrauben ist etwas kürzer und hat vielleicht auch eine andere Farbe. Diese einzelne Schraube muss für das obere rechte Loch verwendet werden.

Die Restaurierung der Tastatur ist nun abgeschlossen!

Im nächsten Teil werde ich die Haupteinheit wieder zusammenbauen und einen ersten Test machen. Funktioniert der Amiga noch?