Im dritten und letzten Teil werde ich das Sidecar fit für die Zukunft machen und schließlich testen. Wird es nach all der Zeit und Geduld, die ich in die Reparatur gesteckt habe, funktionieren?
Gotek-Laufwerk
Ich besitze wahrscheinlich nur noch eine einzige 5¼-Zoll-Diskette, und die stammt aus meiner Schulzeit. Da das Sidecar ohne Disketten aber nicht viel macht, werde ich ein Gotek-Laufwerk hinzufügen.
Die Modifikation soll vollständig reversibel sein, und ich möchte auch das ursprüngliche Aussehen des Sidecars mit seinem Diskettenlaufwerk beibehalten. Deshalb habe ich eine Gotek-Halterung für den Erweiterungssteckplatz sowie ein Bedienfeld mit OLED-Display und Encoder entworfen. Das Panel wird an das vordere Lüftungsgitter geschraubt, sodass keine Löcher in das Gehäuse gebohrt werden müssen.
Um das Gotek-Laufwerk und das Diskettenlaufwerk mit dem Mainboard zu verbinden, habe ich ein neues Floppy-Flachbandkabel gefertigt. Das Gotek-Laufwerk soll Laufwerk A: sein, das Diskettenlaufwerk B:. Beide Laufwerke können über Jumper entsprechend konfiguriert werden, sodass kein Flachbandkabel mit teilverdrehten Strängen erforderlich ist.
Erster Testlauf
Für den ersten Testlauf habe ich das Sidecar noch nicht an den Amiga angeschlossen. Falls am Sidecar etwas größeres beschädigt ist, würde es meinen wertvollen Amiga nicht zerstören.
Ich schaltete den Strom ein. Der Lüfter lief an, die Power-LED leuchtete auf, aber sonst passierte nichts. Nun, das Sidecar war nie als eigenständiger PC gedacht, also ist das wahrscheinlich normal. Wenigstens gab es keinen Rauch und keinen Geruch nach schmorender Elektronik. Ich nutzte die Gelegenheit, die Spannungen zu überprüfen. Sie waren alle korrekt und stabil.
Soweit sah alles ziemlich gut aus.
Erstellen einer Janus Workbench
Das Sidecar wird vom Amiga gesteuert. Es hat keine Anschlüsse für einen Monitor oder eine Tastatur. Glücklicherweise findet man die Treiberdiskette noch im Internet. Für die Installation musste ich zunächst eine Kopie der originalen Workbench 1.2-Diskette erstellen und dann das Installationsprogramm von der Installationsdiskette ausführen.
Auf meinem Amiga 1000 schlug die Installation jedoch fehl, weil der RAM-Disk der Speicher ausging. Mein Amiga ist mit den damals maximalen 512 KB Chip-RAM ausgestattet, also hätte es eigentlich funktionieren müssen. Ich habe es mehrmals versucht, bekam aber immer diesen seltsamen Fehler.
Ich gab auf und richtete eine UAE-Instanz eines Amiga 500 mit Kickstart 1.2 und 2 MB Fast-RAM ein. Auf dieser virtuellen Maschine konnte ich die Installation dann abschließen.
Das Installationsprogramm ist etwas seltsam und basiert nicht auf dem Amiga-Installer-Tool, das später kam. Am besten wählt man einfach die Standardoptionen und wartet geduldig, bis jeder Schritt abgeschlossen ist.
Testläufe und Fehlerbehebungen
Endlich ist es Zeit für einen echten Testlauf.
Das Zusammenstecken der beiden Geräte ist nicht einfach und kann die Hardware beschädigen, wenn es falsch gemacht wird. Zuerst habe ich die Netzkabel vom Sidecar und vom Amiga abgezogen. Dann habe ich das Sidecar an den Erweiterungsport des Amiga angeschlossen. Es ist etwas knifflig, die richtige Position zu finden, aber die Joystick- und Mausanschlüsse sind eine gute Orientierungshilfe. Gewalt sollte man nicht anwenden.
Das Sidecar hat ein eingebautes Verlängerungskabel. Das wird in den Amiga gesteckt, der Netzschalter des Amiga bleibt immer eingeschaltet. Beide Geräte können nun über den Netzschalter des Sidecars ein- und ausgeschaltet werden.
ACHTUNG: Du darfst das Sidecar niemals einschalten, während der angesteckte Amiga noch abgeschaltet ist. Andernfalls beschädigst du deinen Amiga! Du kannst diese Gefahr vermeiden, indem du das Verlängerungskabel für die Stromversorgung verwendest und sicherstellst, dass der Netzschalter des Amiga immer eingeschaltet ist.
Jetzt kam der Moment der Wahrheit. Ich bootete die Janus Workbench, die ich oben vorbereitet hatte, bekam aber während des Starts eine Guru Meditation. Ich habe andere Treiberversionen und Disketten-Images ausprobiert, die ich finden konnte, doch es endete immer mit dem blinkenden roten Rechteck.
Glücklicherweise sind die Hardware-Register im A500/A2000 Technical Reference Manual, Abschnitt 4.1 gut beschrieben. Die Beschreibung bezieht sich zwar auf das A2088XT-Bridgeboard, das ist dem Sidecar aber technisch sehr ähnlich.
Ich habe schnell ein paar kleine Diagnosetools zusammengehackt. Sie bestätigten, dass das 128 KB Bridge-RAM und die sechs ausgetauschten Bustreiber einwandfrei funktionierten.
Ich stellte auch fest, dass der PC-Reset nicht funktionierte. Ich schaffte es nur ein einziges Mal, den PC tatsächlich zurückzusetzen. Er spielte ein akustisches Signal ab und griff dann tatsächlich auf die MS-DOS-Diskette zu, die ich im Gotek-Laufwerk hatte. Das bedeutet, dass die PC-Seite im Grunde funktioniert, das Bridgeboard jedoch Probleme hat.
Es gibt vier PALs und drei FPLAs auf der oberen Platine. Die PALs haben eine spezifizierte “Lebenszeit” von etwa 20 Jahren, die längst vorbei sind. Ich erinnerte mich, dass die PALs auf meinem MaestroPro aufgrund ihres Alters auch schon Speicherprobleme hatten.
Die Fusemaps der PALs sind im Amiga Wiki zu finden. Ich habe die vier PALs durch moderne ATF16V8C-7PU GALs ersetzt.
Danach konnte ich das Gerät zuverlässig zurücksetzen. Die Guru Meditation war auch verschwunden, als ich die Janus Workbench bootete. Aber das Sidecar weigerte sich nach wie vor, aus dem Ruhestand aufzuwachen. Was ich stattdessen bekam, war Buchstabensalat auf dem PC-Bildschirm.

Aber ich war auf dem richtigen Weg! Auf der unteren Platine befindet sich ebenfalls ein PAL (und zwei FPLAs). Ich habe dieses PAL ersetzt und bei der Gelegenheit auch die Flachbandkabel getauscht, die beide Platinen verbinden. Die Originalkabel sahen zwar noch gut aus, aber die Drähte im Inneren könnten gebrochen oder korrodiert sein. Ein Austausch war außerdem verhältnismäßig leicht.

Nächster Versuch. Und diesmal war er erfolgreich! Ich habe die Maschine etwa eine Stunde lang getestet, einige Disketten formatiert, die ich zwischenzeitlich irgendwo gekauft hatte, Turbo Pascal gestartet. Alles funktionierte zuverlässig, und es war wunderschön anzusehen, wie MS-DOS in einem Amiga-Fenster lief und man gleichzeitig das Amiga-Multitasking nutzen konnte, um Amiga-Software laufen zu lassen.

Ich hatte Glück. Die PALs ließen sich leicht austauschen, da heute noch kompatible GALs hergestellt werden. Die FPLAs können früher oder später ebenfalls ihre Programmierung verlieren, aber für sie gibt es keinen direkten Ersatz. Mattis Lind hat eine Ersatzplatine entworfen, die ein modernes CPLD verwendet. Leider fand ich keine JED-Dateien, um sie zu programmieren.
Und da ist es, mein vollständig restauriertes und modernisiertes Commmodore A1060 Sidecar!

Die Restaurierung war schwieriger, als ich erwartet hatte. Es warteten viele böse Überraschungen auf mich, und mehr als einmal war ich kurz davor, alles hinzuwerfen und auf später zu verschieben.
Dieses Biest ist schwer zu reparieren. Zunächst einmal wegen seiner Größe. Der Amiga 1000 und Sidecar waren zu groß für den Tisch in meiner winzigen Werkstatt, also konnte ich mein Oszilloskop nicht benutzen. Außerdem hat es wenig Sinn, das Sidecar alleine zu betreiben, sodass zur Fehlerbehebung immer ein laufender Amiga 1000 benötigt wird. Drittens ist es schwer, einen Platz zu finden, um das Netzteil des Sidecars abzulegen, während man an den Platinen misst. Die relativ offene Bauweise des Netzteils birgt zudem die Gefahr eines Stromschlags, wenn es versehentlich berührt wird. Alles in allem war es eine interessante Erfahrung und ich habe viel über Commodore-Bridgeboards im Allgemeinen und das Sidecar im Speziellen gelernt, aber ich würde es wahrscheinlich nicht noch einmal machen.
Nützliche Links
Im ersten Teil habe ich das Sidecar zerlegt. In diesem zweiten Teil werde ich alle defekten Teile reparieren und das Sidecar wieder in seinem Originalzustand zusammenbauen.
Fangen wir mit der Mechanik an. Der Rahmen für Diskettenlaufwerk und Netzteil hatte einige Roststellen. Mit einer Schleifmaschine entfernte ich den Rost. Mit Zinkspray schützte ich das Metall gegen neue Korrosion und stellte das ursprüngliche Aussehen wieder her. Das Ergebnis ist besser als erwartet. Der Rahmen sieht jetzt praktisch neu aus.

Das überholte Netzteil bekam ich zurück. @DingensCGN, der bereits mein Amiga 1000 Netzteil überholt hat, hat wieder hervorragende Arbeit geleistet. Er hat alle Elektrolytkondensatoren und den Netzfilter ausgetauscht, die Lüsterklemmen entfernt und eine neue Zugentlastung eingesetzt. Ich habe ihn auch gebeten, einen zusätzlichen Anschluss für einen 12V-Lüfter zu legen. Der Originallüfter war ein 230V-Modell und soll furchtbar laut gewesen sein. Ich mochte noch nie laute Computer, also werde ich ihn durch einen modernen 80mm Noctua-Lüfter ersetzen.

Ich bin immer erleichtert, wenn ich weiß, dass ein Netzteil sicher und richtig geerdet ist, und so weder den angeschlossenen Computer beschädigt noch mir einen Stromschlag verpasst. 🙂
Mit Glück fand ich bei einer Online-Auktion ein Chinon FZ-502. Dieser Diskettenlaufwerkstyp wurde häufig in einem Sidecar verwendet und dürfte das ursprüngliche Aussehen der Vorderseite wiederherstellen.

Normalerweise sollte noch eine Metallabschirmung um das Diskettenlaufwerk herum sein, aber die ging leider verloren. Das Teil ist jedoch für den Betrieb nicht erforderlich. Wenn das Gehäuse erst einmal geschlossen ist, wird niemandem auffallen, dass es fehlt.
Nächstes Problem: Die Beinchen der Power-LED waren abgebrochen und die LED war festgeklebt. Mir blieb nichts anderes übrig, als rohe Gewalt anzuwenden. Ich habe die LED und den Stopfen, der sie an Ort und Stelle hielt, herausgebohrt. Ich musste dabei sehr vorsichtig vorgehen. Wenn ich zu tief bohre, würde ich die Optik der Vorderseite ruinieren.
Eine rechteckige rote Standard-LED ersetzt sie nun. Ein 3D-gedruckter Stopfen hält sie ohne Klebstoff an Ort und Stelle. Die neue LED sitzt fest an ihrem Platz, könnte aber trotzdem entfernt werden, indem man sie von der Vorderseite vorsichtig mit einem Schraubendreher herausdrückt.
Der mechanische Teil ist damit erledigt. Zeit für die Elektronik.
Auf der oberen Platine musste nur ein einziger Elektrolytkondensator ausgetauscht werden. Viel mehr Entlötarbeit war erforderlich, um den defekten Zorro-Stecker und die sechs Bus-Treiberchips zu entfernen. Der ursprüngliche Zorro-Stecker wurde von zwei Nieten gehalten. Ich hatte keine andere Wahl, als sie herauszubohren. Dabei erlitt die Platine zum Glück nur leichte kosmetische Schäden. Als alles fertig war, habe ich die Platine gründlich mit Isopropanol gereinigt.

Ich entdeckte einen Tantal-Kondensator und ersetzte ihn durch einen neuen Elektrolytkondensator. Das ist nicht wirklich notwendig, aber ich traue alten Tantal-Kondensatoren nicht. Sie können zwar nicht auslaufen wie Elektrolytkondensatoren, aber sie können Feuer fangen oder explodieren, und der Platine damit einen größeren Schaden zufügen als auslaufendes Elektrolyt.
Auf der unteren Platine waren zehn Elektrolytkondensatoren fällig für den Austausch. Ich habe auch den verrosteten Piezo-Summer ausgetauscht, was etwas schwierig war, weil sich der neue als überraschend hitzeempfindlich herausstellte.
Ich mag keine leeren Sockel, also habe ich mir eine 8087 FPU besorgt. Acht 41256 DRAM-Chips werden die Maschine auf die maximal möglichen 512 KB RAM aufrüsten. (Die berühmten 640 KB können allerdings nur mit einer RAM-Erweiterungskarte erreicht werden.)
Die bereits installierte Sidecar V2.06 Firmware war die neueste Version, die ich finden konnte. Ich habe dem originalen EPROM aber ein neues Etikett verpasst, da das alte abgefallen war, weil der Kleber ausgetrocknet war.

Die Platine benötigt nach der Änderung eine neue Konfiguration. Glücklicherweise gibt es noch eine Kopie vom Originalhandbuch.
Zuletzt ersetzte ich alle Schrauben durch neue.
Und schon ist es es Zeit für den Zusammenbau. Wahrscheinlich zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurde das Gehäuse des Sidecars wieder geschlossen.
Ist das gute Stück nicht eine Schönheit? 😍
Das war der zweite Teil. Wenn du ihn aufmerksam gelesen hast, ist dir sicher aufgefallen, dass ich die Maschine bisher noch nicht eingeschaltet habe. Das stimmt. Alte Computer schalte ich generell nicht ein, bevor das Netzteil überprüft wurde. Es besteht das Risiko, dass das Netzteil (nach Jahrzehnten der Lagerung) defekt ist, in Rauch aufgeht oder die Maschine beschädigt.
Im dritten und letzten Teil werde ich das Sidecar an meinen Amiga anschließen und endlich herausfinden, ob es funktioniert.
Liste der Kondensatoren
Untere Platine:
- 2x 100µF 16V radial
- 8x 47µF 25V radial
Obere Platine:
- 1x 100µF 16V radial
- 1x 47µF 25V radial (als Ersatz für den Tantal-Kondensator bei C57)
Ich hatte Glück und konnte ein Commodore A1060 “Sidecar” ergattern. In diesem ersten Teil geht es darum, das Sidecar zu zerlegen und den Zustand zu beurteilen.
Was ist ein Sidecar überhaupt? Als Commodore den Amiga 1000 veröffentlichte, waren seine Grafik- und Soundfähigkeiten in dieser Preisklasse unübertroffen. Da die Maschine auf dem Motorola 68000 Prozessor basierte, konnte man aber keine MS-DOS-Software darauf ausführen, die es damals reichlich gab.
Das deutsche Commodore-Werk in Braunschweig versuchte, dieses Problem mit dem Amiga 1060 zu lösen. Die Maschine wurde an den Amiga 1000 angeschlossen und bot einen vollwertigen IBM-kompatiblen PC. Eigentlich handelte es sich um einen eigenständigen Computer, aber er hatte keine Video- und Tastaturanschlüsse, sondern wurde vollständig vom Amiga gesteuert. Weil er an die rechte Seite des Amiga angeschlossen wurde, sah er aus wie der Beiwagen (englisch: Sidecar) eines Motorrads, was ihm seinen Spitznamen einbrachte.
Das Sidecar kam relativ spät auf den Markt, konnte nur mit dem Amiga 1000 verwendet werden und war ziemlich teuer. Aus dem Grund wurde nur eine kleine Stückzahl produziert. Ich konnte keine offiziellen Zahlen finden, aber laut Dr. Peter Kittel (einem Ingenieur bei Commodore Braunschweig) wurden in Deutschland lediglich zwischen 3.000 und 5.000 Exemplare verkauft, in der restlichen Welt sicherlich noch weniger.
Mein A1060 kam mit einem offenen Gehäusedeckel. Der Grund war, dass das 5¼"-Diskettenlaufwerk entfernt und durch eine Festplatte in voller Bauhöhe ersetzt worden war. Sie war so hoch, dass sie nicht in das Gehäuse passte. Zudem war sie überraschend schwer.
Viele Schrauben fehlten oder waren oxidiert. Davon abgesehen befand sich die Maschine in einem gebrauchten, aber akzeptablen optischen Zustand. Der Vorbesitzer hatte vorne einen Reset-Knopf und hinten einen zweiten D-Sub-Anschluss hinzugefügt (der sich später als weiterer Anschluss für ein Diskettenlaufwerk herausstellte, warum auch immer).
Ich beschloss, die gesamte Maschine erst einmal zu zerlegen. Mein Plan ist, sie in ihren Originalzustand zurückzuversetzen. Das bedeutet auch, die riesige Festplatte und ihre Controller-Platine zu entfernen.
Es gibt einen Rahmen, der das Diskettenlaufwerk und das Netzteil trägt. Ich fand viel seltsamen Rost darauf, der ein wenig nach Feuchtigkeitsschaden aussah, was aber die Form der Flecken nicht erklärte.

Das Netzteil sah einigermaßen okay aus. Für den Stromanschluss des Diskettenlaufwerks wurden Lüsterklemmen verwendet. Die Zugentlastung für das Amiga-Netzkabel fehlte, stattdessen fand ich einen Knoten im Kabel.
Ich gab das Netzteil zur Überholung an einen erfahrenen Techniker im a1k.org Amiga-Forum.
Außerdem stellte ich fest, dass die Pins der Power-LED abgebrochen waren. Die LED selbst wurde durch einen mit Sekundenkleber befestigten Kunststoffstopfen an Ort und Stelle gehalten. Es war unmöglich, sie ohne Gewalt zu entfernen. Eine Ersatz-Power-LED hing einfach lose im Gehäuse.
Graben wir tiefer. Der Computer besteht aus zwei Platinen. Die untere Platine ist der PC, mit drei XT-Bus-Steckplätzen, einem Sockel für die FPU und acht Sockeln für weitere 256 KB RAM. Die obere Platine dient als Brücke zwischen der Amiga- und der PC-Seite. Beide Platinen sind durch zwei Flachbandkabel miteinander verbunden.
Auf den ersten Blick sah die obere Platine zwar schmutzig, aber in Ordnung aus. Auf der Unterseite fand ich viele Fädeldrähte, zusätzliche Widerstände und durchtrennte Leiterbahnen. Zuerst dachte ich, dass diese Modifikation vom Vorbesitzer vorgenommen wurde, aber dann fand ich ähnliche Fotos im Internet. Wie es aussieht, wurden die Änderungen also schon im Werk vorgenommen.
Dann bemerkte ich, dass sechs 74HC245 Bustreiber durch 74LS245 ersetzt worden waren. Der Austausch war etwas “kreativ”. Die alten Chips wurden Beinchen für Beinchen von der Platine abgeknipst und die neuen Chips dann an die Reste der alten Beinchen gelötet. Das war definitiv nicht ab Werk so.
Einerseits war ich froh, dass der Vorbesitzer nicht versuchte, die Chips auszulöten, da er die Platine hätte beschädigen können. Andererseits sah es sehr nach Bastelei aus. Das Chaos werde ich später aufräumen.

Der Austausch der 74HC245 gegen 74LS245 war ein gängiger Fix, um das Sidecar kompatibler mit Amiga-Speichererweiterungen zu machen. Ich entschloss mich, es deshalb bei den 74LS245 zu belassen, aber Sockel zu verwenden, damit die Modifikation leicht rückgängig gemacht werden kann.
Der Zorro-Stecker war irreparabel beschädigt. Zwei Pins waren abgebrochen und ein weiterer so verbogen, dass er einen Kurzschluss verursachen könnte.

Ich konnte keinen passenden 88-Pin-Platinenstecker als Ersatz finden, der an die Platine genietet werden konnte. Ich fand nur einen neuen Stecker ohne die Nietlöcher. Der wird reichen müssen.
Die untere Platine war noch schmutziger, schien aber ansonsten unmodifiziert und unbeschädigt zu sein. Der Piezo war verrostet, den würde ich ersetzen müssen.

Unterm Strich wird es eine Menge Arbeit zu erledigen geben:
- Gehäuse reinigen, Rost entfernen, alle Schrauben ersetzen
- Power-LED reparieren
- Netzteil überholen lassen
- Alle Elektrolytkondensatoren, den Buzzer und den Zorro-Stecker ersetzen
- Die sechs Bustreiber auf der oberen Platine versäubern
- Ein neues Diskettenlaufwerk finden
Mehr dazu im zweiten Teil dieses Artikels!
Dieses Mal habe ich eine echte Kuriosität für euch. 🙂
Es ist ein ZX Spectrum 128K. Er wurde von Sinclair und dessen spanischem Distributor Investrónica entworfen und war ein großes Upgrade des ZX Spectrum 48K. Zu dieser Zeit war das 48K-Modell mit seinem begrenzten RAM und dem einfachen Sound-Beeper ziemlich veraltet, und Sinclair hatte nichts in der Hand, um mit dem Commodore 64 zu konkurrieren, der in immer mehr Haushalten an Boden gewann.
Das 128K-Modell verfügt über 128K RAM (was auch Double Buffering ermöglichte), einen AY-3-8912 Soundchip, einen RGB-Monitoranschluss, eine serielle Schnittstelle und einen optionalen externen Ziffernblock. Hardware-Sprites fehlen jedoch nach wie vor. Auf der Softwareseite bietet es ein stark verbessertes BASIC.
Die Form des markanten Kühlkörpers auf der rechten Seite des Gehäuses gab der Maschine ihren Spitznamen: “Toast Rack” (Toastständer).
Das Modell wurde zuerst in Spanien verkauft, da Sinclair UK noch eine große Anzahl unverkaufter 48K-Modelle in ihren Lagern hatte. Letztendlich konnte es Sinclair nicht vor dem Bankrott retten, aber das 128K-Modell war sicherlich sehr attraktiv für den neuen Eigentümer Amstrad. Heute ist das Toast Rack ein begehrtes Objekt für jeden ernsthaften Sinclair-Sammler. (Wenn du mehr über die Geschichte des ZX Spectrum 128K lesen möchtest, gibt es einen großartigen Beitrag auf 21twice.com!)
Was dieses spezielle Modell so kurios macht, ist, dass es sich um eine arabische Modifikation handelt. 😀 Es gibt Aufkleber mit arabischen Buchstaben auf der Tastatur, und auf der Vorderseite befindet sich ein Schalter, um zwischen dem originalen 128K-ROM und einer arabischen Version des 48K-ROMs zu wählen.
Mein erster Gedanke war, dass dies eine aufwendige DIY-Modifikation ist. Aber dann fand ich einen Thread in einem Sinclair-Forum. Dort steht, dass Matsico, eine Sinclair/Amstrad-Agentur in Ägypten, diese Modelle produziert hat. Ich konnte jedoch keine weiteren Informationen darüber finden, daher weiß ich nicht, ob sie tatsächlich in nennenswerten Mengen verkauft oder nur als Machbarkeitsstudie oder Werbegeschenk hergestellt wurden.
Was sie alle gemeinsam haben, ist der Schalter an der Vorderseite und ein EPROM, das auf das ROM gelötet ist. Die einzige bekannte Ausnahme fand ich in einem Video von ByteDelight über einen ZX Spectrum +3, bei dem das ROM über ein separates Boot-Menü ausgewählt werden konnte.
Restaurierung
Ein erster Diagnoselauf zeigte, dass das Board einwandfrei funktionierte. Die einzigen Probleme waren massive Bildstörungen und ein fast unhörbarer Ton vom AY-Chip.

Beide Probleme sind bekannte Fehler bei diesem Modell. Ein Blogartikel von Adam’s Vintage Computer Restorations befasst sich damit.
Zuerst habe ich alle Elektrolytkondensatoren durch hochwertige ersetzt. Das mache ich bei allen Retro-Maschinen, unabhängig von ihrem Alter und ihrer Seltenheit. Ich versuche jedoch mein Bestes, um die “Retro-Optik” beizubehalten, zum Beispiel durch die Verwendung axialer Kondensatoren in der klassischen blauen Farbe.
Um die Bildqualität zu verbessern, habe ich einen 47µF-Elektrolytkondensator für C28 verwendet (das Original war 22µF) und C7 und C8 durch 1µF-MLCCs ersetzt. Ich hätte auch C126 neu verdrahten können, wie im Blogartikel erwähnt, um die Bildqualität noch weiter zu verbessern, aber ich habe beschlossen, das aufzuschieben.
Um die Lautstärke des AY-Soundchips zu erhöhen (damit er einen ähnlichen Pegel wie der Beeper hat), habe ich R115 durch einen 1,65kΩ-Widerstand ersetzt.

Der 7805-Spannungsregler ist für 1A ausgelegt und arbeitet beim 128K an seiner Belastungsgrenze. Das ist der Grund für den großen Kühlkörper auf der rechten Seite. Ich habe ihn durch einen 78S05 ersetzt, der ein direkter Ersatz ist, für 2A ausgelegt ist und deutlich kühler bleibt.
Hier hatte ich Glück, denn in der Vergangenheit hatte bereits jemand den 7805 durch einen LM1085 ersetzt. Dieser ist sogar für 3A ausgelegt, hat aber eine andere Pin-Belegung. Wenn ich ihn blind ersetzt hätte, hätte das die Maschine zerstört. Man sollte immer auf böse Überraschungen vorbereitet sein, wenn man alte Maschinen restauriert, an denen der Vorbesitzer bereits herumgebastelt hat!

Ich habe auch das Gehäuse gereinigt (obwohl es bereits in einem sehr sauberen Zustand war). Der Vorbesitzer hatte die Tastaturmembran bereits ersetzt, aber die zusätzlichen Tasten funktionierten dort nicht, also habe ich sie durch eine neue Membran einer bekanntermaßen guten Marke ersetzt.

Der nächste Diagnoselauf zeigte, dass alle Tests immer noch grün waren. Auch die Bildstörungen waren größtenteils verschwunden (bis auf ein paar minimale Jailbars, mit denen ich leben kann), und der AY-Sound ist viel lauter.

Je nach Position des Schalters bootet das System entweder in das originale ZX Spectrum 128K-Startmenü oder zeigt einen arabischen Boot-Prompt. In der arabischen Version wurde das gesamte BASIC modifiziert, wobei alle Texte auf Arabisch sind und von rechts nach links geschrieben werden. Leider kann ich es nicht lesen.
Ein kurzer Test mit dem Dandanator-Modul zeigte ebenfalls, dass Spiele einwandfrei funktionieren. Der obligatorische Teil der Restaurierung ist abgeschlossen!

Freestyle-Restaurierung
Es gab noch zwei Dinge, die mir nicht gefielen.
Erstens war da der ROM-Stack. Die ursprüngliche Lösung schaltete die Vcc-Pins der ROMs um, sodass einer der Chips immer stromlos, aber weiterhin mit dem Adress- und Datenbus verbunden war. Ehrlich gesagt war ich überrascht, dass das überhaupt funktionierte.
Wie dem auch sei, ich habe das Sandwich durch ein einzelnes 27C512 EPROM ersetzt. In der unteren Hälfte des Speichers habe ich das arabische ROM (zweimal hintereinander) gebrannt, und in der oberen Hälfte habe ich das originale 128K-ROM gebrannt. Danach habe ich den Schalter so modifiziert, dass er die A15-Adressleitung (Pin 1) entweder auf GND oder Vcc zieht. Auf diese Weise wird das EPROM immer mit Strom versorgt und das gewünschte Betriebssystem wird über eine Adressleitung ausgewählt. Ich habe auch die originale arabische ROM-Version 1 auf die letzte Version 3.1 aktualisiert, die ich im Netz finden konnte.
Natürlich werde ich den ROM-Stack behalten. Hauptsächlich aus Lizenzgründen, aber auch, damit die ursprüngliche Lösung auf Wunsch wiederhergestellt werden kann.

Mir gefiel auch die Optik des nackten Schalters an der Vorderseite nicht, also habe ich eine kleine Schalterkappe in 3D gedruckt, die auch die Schrauben abdeckt.
Es gibt noch ein paar weitere Dinge, die getan werden könnten:
- Ich könnte C126 (wie im obigen Blogartikel von Adam erwähnt) neu verdrahten, um das Audiosignal vom RGB-Ausgang zu entfernen.
- Aufgrund eines Fehlers im originalen PAL10H8 stürzt das System ab, sobald die Portadresse $7FFD gelesen wird. Es gibt einen Fix, der auch einen “Regen”-Effekt entfernt, der durch Refresh-Daten auf dem Bus verursacht wird.
- Die originale ULA kann durch eine vLA128 ersetzt werden, als Ersatz bei Defekt, oder wenn das wertvolle Originalteil konserviert werden soll. Dafür müsste ich aber den Sockel austauschen.
- Dave Curran hat ein Reverse Engineering des Ziffernblocks durchgeführt. Ein ambitionierter Bastler könnte eine DIY-Replik des Ziffernblocks herstellen.
Ich habe vor kurzem zwei Competition Pro Mini Joysticks bekommen. Der normalgroße Competition Pro war in den 1980er und frühen 1990er Jahren wahrscheinlich einer der berühmtesten Joysticks. Dieses Modell galt als unzerstörbar und hielt selbst langen und intensiven Gaming-Sessions stand. Wenn einer der Mikroschalter doch mal kaputt ging, war es einfach, in einem Elektronikladen einen neuen zu besorgen und ihn zu ersetzen – nur mit einem Schraubenzieher und ganz ohne Löten.
Die Mini-Modelle kamen 1992 auf den Markt und waren bei weitem nicht so robust. Meine zwei Exemplare hatten kaputte Mikroschalter in der Richtung “links”. Die Mikroschalter sind hier fest auf der Platine verlötet und werden zudem nicht mehr hergestellt.
Der am nächsten kommende verfügbare Ersatz ist der Saia-Burgess F4T7UL und F4T7GPUL (letzterer mit vergoldeten Kontakten). Leider hat er andere Lötfahnen, sodass er nicht als direkter 1:1-Ersatz verwendet werden kann.

Ich habe mich stattdessen dazu entschieden, eine komplett neue Platine von InsaneDruid zusammenzubauen. Es ist eine Nachbau-Platine mit exakt derselben Größe und Funktionalität, aber sie ist für die Verwendung der Saia-Burgess-Schalter ausgelegt.
Auto-Feuer-Modell
Als Erstes habe ich den Joystick komplett auseinandergebaut. Alle Plastikteile wurden in einem Ultraschallbad gereinigt. Währenddessen habe ich mir die Farbreihenfolge der Kabel notiert, bevor ich das Kabel von der alten Platine abgeschnitten hatte.

Die neue Platine benötigt nur sehr wenige Bauteile. Bis auf die Schalter sind alles Standardbauteile, die in jedem Elektronikladen zu finden sind. Die Schalter gibt es bei Distributoren wie Mouser.

Für die vier Richtungen habe ich die Mikroschalter zuerst am Halterahmen montiert. Auf diese Weise ist es einfacher, die Schalter perfekt an der Platine auszurichten.
Bei den Feuerknöpfen muss der mittlere Lötanschluss abgeschnitten werden. Sonst kollidiert er später mit einem Zapfen der unteren Gehäuseschale.
Normalerweise würden wir mit dem flachsten Bauteil beginnen, aber in diesem Fall empfehle ich, mit den vier Richtungsschaltern anzufangen. Positioniere sie so am Rahmen, dass die vier Schrauben perfekt auf die entsprechenden Löcher in der Platine ausgerichtet sind. Achte darauf, dass die beiden LED-Löcher nach “oben” ausgerichtet sind. Beginne dann, die Schalter an die Platine zu löten, und verwende dabei eine großzügige Menge Lötzinn.
Zusätzlich kannst du Drahtklammern verwenden, um die Schalter in den vorgesehenen Montagelöchern zu sichern. Dazu war ich allerdings zu faul.
Die restlichen Bauteile werden einfach auf die Platine gelötet. Zum Schluss wird das Originalkabel in der ursprünglichen Farbreihenfolge mit der Platine verdrahtet.

Danach ist der Joystick bereit für den Zusammenbau.
Standard-Modell
Mein anderer Joystick ist ein Standard-Modell ohne Auto-Feuer-Funktion. Auch diesen habe ich auseinandergebaut. Alle Plastikteile wurden gereinigt, während ich mir die Farbreihenfolge der Kabel notiert habe.

Das Kabel dieses Modells liefert keine +5V-Versorgung. Aus diesem Grund müssen wir die Bauteile für das Auto-Feuer nicht bestücken. Wir können uns auch die LEDs sparen, da sie sowieso nicht leuchten würden.

Die Vorbereitung ist die gleiche wie beim anderen Joystick. Die vier Richtungsschalter werden am Rahmen befestigt, und die beiden Feuerschalter verlieren ihre mittlere Lötfahne. Danach wird der Rahmen mit den Schaltern ausgerichtet und auf die Platine gelötet, gefolgt von den Feuerschaltern.
Den Modus-Schalter müssen wir nicht bestücken. Wir müssen jedoch eine Drahtbrücke an Pin 5 und 7 einlöten (siehe Foto), da die Feuerknöpfe sonst gar nicht funktionieren. Achte darauf, dass die Drahtbrücke auf der Oberseite nicht das dazwischen liegende Lötauge berührt.

Die Kabel benötigen eine andere Reihenfolge. Auf der Originalplatine liegt das “Feuer”-Signal an der dritten Position von rechts (das orangefarbene Kabel bei meinem Joystick). Auf der neuen Platine liegt dieses Signal auf dem ganz rechten Pad. Das Pad links daneben bleibt leer. Für die restlichen Kabel kann die ursprüngliche Reihenfolge beibehalten werden.
Danach ist auch diese Platine fertiggestellt und der Joystick kann wieder zusammengebaut werden.

Die Joysticks sehen jetzt wieder wie neu aus, mit ihrem sauberen Gehäuse und ihren brandneuen Platinen.

Die ENIG-beschichteten Platinen sind in ihren transparenten Gehäusen ein echter Hingucker.

































