Diese Episode war ein Kraftakt. Sie sollte ursprünglich die zweite Episode der Reihe werden. Am Ende wurde es Nummer Sieben.
Ich bin großer Fan von Sherlock Holmes, und tatsächlich steckt viel Inspiration davon in diesem Projekt, angefangen mit Dian als Erzähler (wie Doktor Watson) und Miray als mysteriöser Heldin (wie Sherlock Holmes).
Was lag also näher, als auch eine Detektiv-Episode im Viktorianischen London spielen zu lassen?
Ich hatte dabei mit vielem gerechnet. Womit ich nicht rechnete, war, dass meine Hauptcharaktere die Geschichte boykottieren würden.
Die hier nun vorliegende Episode ist der vierte Versuch. Es existieren tatsächlich drei weitere Versionen, alle mehr oder weniger fertig erzählt. Einmal brachte ein Dieb einen Gegenstand zurück, statt ihn zu stehlen. Einmal verschwand eine Statue vor den Augen der Putzkraft spurlos aus einem Museum. Einmal verschwand ebenfalls ein Gemälde wie von Zauberhand – aber niemand fand sich, der ein gutes Motiv hatte.
Erst dieser hier vorliegende vierte Versuch gelang. Weil ich erst jetzt verstand, was die vorherigen Versuche scheitern ließ.
Es war nicht der Plot. Die Ideen waren gut und ausbaufähig.
Es war, dass ich Miray und Dian unbedingt in die Rollen von Holmes und Watson drängen wollte. Ich wollte ein Imitat von Doyles Geschichten erschaffen. Meine Charaktere wehrten sich dagegen. Sie spielten unmotiviert, farblos, launisch.
Erst als ich sie wieder sie selbst sein ließ, funktionierte es endlich.
Der Plot
Miray führt eine Detektei im Viktorianischen London, Dian ist ihr Kompagnon. Sie bekommen Besuch von Mr. Wellington, dem Inhaber einer Versicherung.
Er versicherte ein Gemälde von Vermeer, das in London ausgestellt werden sollte. Doch während des Transports von den Docks ins Museum verschwand es wie von Zauberhand.
Ihre erste Spur führt zu einem bekannten Dieb, dessen Spezialität es ist, in die am besten geschützten Orte einzudringen.
Der Fall läuft glatt, so scheint es. Zu glatt?
Die Kulisse
Dieses Mal war die Kulisse, nämlich das Viktorianische London, der Kristallisationskeim für die gesamte Episode. Ich wollte eine Geschichte, die sich wie Sherlock Holmes anfühlt.
Die Recherche war entsprechend umfangreich. Ich las über die verschiedenen Kutschen, fand eine Website mit altem Kartenmaterial, und lernte die Temperance Bar und das Chophouse kennen.
Mirays Feststellung, dass im Viktorianischen London die Post bis zu zwölf Mal täglich ausgetragen wurde, basiert ebenfalls auf Fakten. Es gab Beschwerden, wenn ein Brief nicht binnen zwei Stunden zugestellt wurde.
The Monument kannte ich bereits. Dass die Säule ursprünglich auch zur Sonnenbeobachtung diente, war mir dagegen neu.
Zu Jan Vermeer: Er war zu der Zeit tatsächlich nur in Kunstkreisen bekannt. Um die Spannung ein wenig zu erhöhen, ob das Gemälde wiedergefunden wird oder nicht, entschied ich mich für ein fiktives Werk. Der Alchemist passt mit dem Astronom und dem Geograf zu Vermeers Reihe der Wissenschaften.
Einen kleinen Fehler gestattete ich mir dabei. Die beiden existierenden Bilder wären mit ihren etwa 51 × 45 cm viel zu groß für den Trick, mit dem der Alchemist verschwand. Das fiktive Werk ist also mit seinem deutlich kleineren Format ein Ausreißer der Reihe.
Die Figuren
Miray und Dian sind Partner in einem Detektivbüro, das Mirays Namen trägt. Das sorgt für reichlich Verwirrung und Konfliktstoff, da eigenständige Frauen im Viktorianischen London eher ungewöhnlich waren. Und Miray ist eigenständig. Sehr eigenständig.
Inspektor Leblanc ist natürlich eine Anspielung auf Inspektor Lestrade, der Holmes regelmäßig zur Seite stand. Mir gefiel der Name vor allem wegen seinem Bezug zu Maurice Leblanc, dem Autor des berühmten Meisterdiebs Arsène Lupin, ebenfalls ein Klassiker unter den Kriminalromanen.
Dians Traum
Dians Traumszene ist nett, aber bringt den Plot kein Stück voran. Vermutlich würde ein Lektorat die Streichung fordern, wenn ich denn eins hätte. Ich wäre geneigt, dem zuzustimmen.
Warum ist die Szene trotzdem drin?
Sie ist eine Reminiszenz an frühere Versuche, diese Episode ans Laufen zu kriegen. Dort nannte sich Miray Sherlocka Swift, und ihr treuer Begleiter war Dr. Dian Hilton, tatsächlich konzipiert als Doktor der Botanik.
Ich habe die Traumszene im Präsens geschrieben. Es war ein Experiment, und ich hatte die Befürchtung, dass es den Lesenden aus dem Lesefluss reißt. Das Feedback war aber durchweg positiv. Der Traum im Traum sticht dadurch heraus.
Die Traumwelt
Dian möchte diesmal etwas herausfinden.
Dass er Miray nicht außerhalb seiner Träume treffen kann, weiß er bereits seit Der große Trampera. Das beantwortet allerdings nicht seine Frage, ob die Traumwelten an sich eingebildet sind, oder ob er tatsächlich Reisen in andere Zeiten und an fremde Orte unternimmt.
Also ritzt er etwas in einen Stein von The Monument, in der Hoffnung, damit seine Gegenwart verändert zu haben. Leider ohne Erfolg.
Was habe ich gelernt?
Zum ersten Mal ist Dian ein unzuverlässiger Erzähler. Soll heißen: Er lügt den Lesenden an. Es spielt dabei keine Rolle, ob absichtlich oder ungewollt.
Hier ist es Absicht. Er nennt im Showdown den vermeintlichen Täter, um im Anschluss zuzugeben, dass er damit falsch lag. Da er in Vergangenheitsform erzählt, musste er das bereits gewusst haben, als er die Geschichte aufschrieb. Trotzdem nennt er zunächst den falschen Täter.
Der Lesende verzeiht diesen Kniff für gewöhnlich, und wird dafür mit einem weiteren Plot Twist belohnt.
In Kiona Bluff übernahm Miray die Rolle der Erzählerin, und Dian kam zu kurz. Ich versprach Wiedergutmachung.
Ich wollte schon immer eine Geschichte schreiben, die atmosphärisch an Film Noir angelehnt ist. Dieser Kurzroman ist allerdings nicht gerade typisch für das Genre und bricht bewusst mit möglichst vielen Klischees.
Die Erzählung möchte so gerne nach Raymond Chandler klingen, Dian so gerne ein zweiter Philip Marlowe sein.
Doch der Funken zündet einfach nicht, weil immer irgendetwas nicht so richtig stimmen mag. Die femme fatale ist ein Mann. Dians cooler Moment wird vereitelt von einem Typ in Unterhose gegenüber auf dem Balkon. Die wichtige Losung möchte die Kontaktperson in Istanbul gar nicht erst hören. Und Dians Zigarettenersatz, der verklebt Finger, Wäsche und das Mobiliar.
Erst als Dian Miray trifft, fängt er an, wieder seine eigene Stimme zu finden. Sein letzter Versuch, Marlowe zu imitieren, endet jäh, als er Miray nach einem üppigen Essen jenen Zigarettenersatz anbietet und sie prompt ablehnt. „Egal, was das ist“, meint sie, „du solltest davon runterkommen.“
Der Plot
Dian wacht in einer Detektei auf. Zwei Striche auf dem Handgelenk, aber von Miray keine Spur.
Stattdessen steht ein Klient im Türrahmen, ein Geheimagent, der Dian beauftragt, einen Koffer aus der Türkei nach València zu bringen.
Wie schwer kann das schon sein, denkt sich Dian. Er stürzt sich alleine ins Abenteuer und holt den Koffer ins Land. Problemlos, so scheint es zunächst. Dass mehr dahintersteckt, erkennt er erst, als die Handschellen klicken.
Die Kulisse
Ich brauchte eine Stadt mit Mittelmeerflair, internationalem Flughafen und einem Hafenviertel. Eine Stadt, die – ganz entgegen dem Film Noir-Klischee – nicht hässlich, trist und dauerverregnet ist, sondern ganz das Gegenteil.
Meine Wahl fiel zuerst auf Barcelona. Doch es gab ein Problem: Im Film Noir wird geraucht. Muss geraucht werden. Einen Detektiv ohne Fluppe in Mund würde niemand ernst nehmen.
Dian raucht allerdings nicht. Er braucht ein anderes Laster. Da kommt der Turrón de Jijona ins Spiel, ein klebriger Riegel aus Mandeln, Honig und Zucker. Und die sind eher in Valencia populär. Dass es eigentlich eine typische Weihnachtsnascherei ist, sei mir verziehen.
Und so zog die Episode nach Velencia. Ursprünglich plante ich sogar einen Showdown im Museu de les Ciències, doch das gab der Plot ohne allzu große Verrenkungen nicht mehr her.
Die Figuren
Wie für Film Noir typisch, habe ich einen bunten und sehr unterschiedlichen Strauß an Charakteren aufgeboten.
Dian ist diesmal der typische hard-boiled detective. Nur dass er alles andere als hard-boiled ist. Immer, wenn er versucht, die Kontrolle zu übernehmen, scheitert er an sich selbst oder an den Umständen.
Seine Sekretärin ist Clara Torbellina Montserrat. Die Person im Hintergrund, die den Laden zusammenhält.
Der Auftraggeber? Diesmal nicht die obligatorische femme fatale, sondern das Gegenteil: Ein Alpha-Männchen, das Dian sagt, wo es lang geht.
Und natürlich braucht es einen Cop. Die Rolle ist Miray auf den Leib geschneidert, nicht wahr? Sie findet sich auch überraschend schnell darin zurecht.
Richtig viel Freude machte mir Señor Civera. Ein Verschwörungstheoretiker, der es sich auf die Fahne schreiben kann, die sonst so selbstkontrollierte Miray als erster aus der Fassung gebracht zu haben.
Die Traumwelt
Zur Mechanik der Traumwelten gibt es hier nicht viel Neues.
Höchstens: Von Träne der Wüste vielleicht abgesehen, fanden Dian und Miray in ihren Traumreisen bisher relativ einfach zusammen. Bei Tapas in València mussten sie zum ersten Mal aktiv auf die Suche gehen. Ob die Partnervermittlung da tatsächlich geholfen hätte?
Was habe ich gelernt?
Weniger über den Schreibstil, dafür mehr über das Plotten. Tapas in València war tatsächlich die erste Geschichte, die sich nicht aus einzelnen Szenen herauskristallisierte.
Stattdessen entwarf ich diesmal zuerst einen vollständigen Plot, bevor ich damit begann, die Geschichte selbst zu erzählen. Eine Schwierigkeit bei der kontrollierten Erzählweise ist, dass es den Charakteren weniger Spielraum zur Improvisation bietet und ihre Persönlichkeit “abwürgt”, wenn man es übertreibt. Hier gilt es, sie zwar am Plot entlangzuführen, ihnen aber innerhalb der Szenen genug Freiraum zu lassen.
Klingt schräg? Als ob die Charaktere leben würden, und sich wie ein überbezahlter Filmstar weigern, bestimmte Szenen zu drehen?
Ich habe schon davon gehört, dass es vielen Autorinnen und Autoren so geht. Dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln und manchmal einfach ihr eigenes Ding durchziehen. Tja, es ist tatsächlich so.
Dass sie sogar ganze Episoden boykottieren können, lernte ich auf die harte Tour. Mehr dazu beim nächsten Making-of.
Die Idee zu dieser Episode hatte genau genommen gar nicht ich, sondern Miray. Auch wenn meine Charaktere dem Plot folgen müssen, lasse ich sie in den Szenen meist an die lange Leine und gebe ihnen die Freiheit, zu improvisieren. In diesem Fall saßen Miray und Dian in einem Teehaus und hatten Zeit totzuschlagen. Plötzlich erwähnte Miray einen früheren Traum im Wilden Westen. Weiter ausführen wollte sie ihn nicht. Nur so viel verriet sie: er endete in einer wilden Schießerei.
Die Episode mit dem Teehaus blieb unvollendet. Ihre Idee mit dem Wilden Westen überlebte jedoch, und wurde der Grundstein für diese Geschichte. Eine Schießerei im Showdown gibt es auch, wie es sich für einen Western gehört. Allerdings mit einer Besonderheit, die ich an dieser Stelle nicht verraten werde.
Der Plot
Miray nutzt den Moment eines romantischen Candle-Light-Dinners mit Dian, um von ihrem Abenteuer in Kiona Bluff zu erzählen.
In einem früheren Traum, noch bevor sie Dian kennenlernte, landete sie in diesem Kaff im Wilden Westen. Ihre Aufgabe: Einen Ganoven fangen. Er hat den Ruf, dass seine Schüsse noch nie ihr Ziel verfehlt haben. Miray besitzt nur eine Waffe: ihren Verstand. Doch diese Waffe ist nicht minder gefährlich.
Die Kulisse
Dieses Mal haben wir gleich zwei Kulissen.
Die Rahmenhandlung spielt in einem fiktiven Edelrestaurant im Dubai der Gegenwart. Die fantastische Aussicht über die Stadt und das exzellente Essen machen den Abend so perfekt, dass Miray sich am Ende tatsächlich zu einem kurzen Moment der Schwäche hinreißen lässt.
Die eigentliche Handlung dagegen spielt im klassischen Wilden Westen. Der fiktive Name des Örtchens Kiona Bluff ist dabei nicht zufällig gewählt. “Kiona” ist ein indigenes Wort und bedeutet “brauner Hügel”. “Bluff” hat eine beabsichtigte Doppelbedeutung. Einerseits wird eine Wüstenklippe auf Englisch “bluff” genannt. Andererseits ist das Bluffen – also das Täuschen seines Gegners – ein zentraler Bestandteil dieser Geschichte.
Ich muss zugeben, dass die große Zeit des Westernfilme spurlos an mir vorbeigegangen ist. Dementsprechend musste ich sehr viel recherchieren, zum Beispiel über Postkutschen oder die typische Damenbekleidung.
Mirays One-Handed Riffle Shuffle und Pepper’s Ghost stammen ebenso aus der Recherche.
Die Figuren
Für die wesentliche Geschichte übernimmt Miray diesmal die Rolle der Erzählerin. Dian bleibt nur der deutlich kleinere Teil als Erzähler der Rahmenhandlung. Ich mache es wieder gut, Dian. Versprochen.
In der Westernwelt habe ich mich bemüht, den Charakteren mehr Tiefe zu geben als sonst. Besonders der pfiffige Farmerjunge Cal hat mir beim Schreiben sehr viel Spaß bereitet. Welcher kleine Junge hier Pate stand, dürfte offensichtlich sein.
Ebensoviel Spaß machte der Widersacher Bullet Ben, der mit seinem Schießeisen zweifellos besser umgehen kann als mit Worten. (Bei ihm habe ich übrigens eine kleine Referenz an ein berühmtes Computerspiel von 1990 versteckt. Viel Spaß beim Suchen.)
Die Traumwelt
Von der Mechanik der Traumwelten gibt diese Episode nicht viel Neues preis. Eigentlich nur, dass es auch Traumreisen gibt, die mit einem grünen Kreis beginnen, also sofort verlassen werden können.
Was habe ich gelernt?
Rahmenhandlungen galore. Und hier möchte ich für meinen Mut (oder eher Wahnsinn?) gelobt werden, denn diese Episode besitzt tatsächlich nicht eine oder zwei, sondern satte vier Erzählebenen.
- Dians Realität: Er schlummert auf einer Liegewiese im Freibad ein.
- Die eigentliche Traumreise: Das romantische Abendessen mit Miray im Burj al Sahar.
- Mirays Abenteuer in Kiona Bluff, einschließlich dem Wechsel zu Miray als Ich-Erzählerin.
- Das Duell zwischen Bullet Ben und dem mysteriösen Cowboy. Hier wechselt die Erzählperspektive noch einmal, und zwar zu einem auktorialen Erzähler.
Generell habe ich gelernt, dass die Konstellation mit einer Heldin und einem erzählenden Begleiter einen gravierenden Nachteil hat. Es ist erzählerisch sehr schwer, Miray mal etwas im Alleingang machen zu lassen. Stets muss Dian dabei sein, sonst kann er den Ablauf nicht wissen und folglich auch nicht davon erzählen. Oder ich mache den Trick mit dem Erzählerwechsel, aber wenn ich das übertreibe, verliert meine verehrte Leserschaft irgendwann den Überblick.
Die Ich-Perspektive ist für die, die mit dem kreativen Schreiben anfangen, für gewöhnlich leichter, da wir auch in der Ich-Form denken. Anfangs nahm ich sogar an, dass die Ich- und die auktoriale Perspektive im Grunde beliebig austauschbar ist und sich mehr oder weniger auf einen Wechsel der Personalpronomen beschränkt.
Mittlerweile weiß ich es besser. Aber das ist auch das eigentliche Ziel meiner Reise als Hobby-Schriftsteller: Fehler machen, daraus lernen, und dabei Spaß haben.
Der Plot
Miray und Dian finden sich diesmal in der Rolle von Geschwistern wieder. Ihre Mutter Amanda Brown ist ein Hollywoodpromi. Und sie ist außer sich. Der berühmte Johnny Trampera feiert die Fertigstellung seiner neue Luxusvilla in Malibu, und Amanda ist nicht eingeladen.
Sie beauftragt ihre beiden Kinder, eine Einladung zu beschaffen. Doch das wird nicht ihre einzige Aufgabe sein. Ein dritter Strich auf dem Tattoo verrät, dass es einen dritten Traumreisenden gibt. Wenn sie das Abenteuer bestehen wollen, müssen sie diese dritte Person finden.
Die Kulisse
Eine Filmdiva – was liegt da näher, als das San Francisco der Gegenwart als Kulisse für die Episode zu wählen? Amanda Brown lebt mit ihren beiden Kindern in einer Villa in Los Angeles.
Trampera dagegen ließ seine pompöse Luxusvilla selbstverständlich an keinem geringeren Ort als Malibu errichten, und zwar am (fiktiven) Pacific Crest Drive.
Das Abenteuer bietet alles, was einen Spontantrip in die USA ausmacht: Sonniges Wetter, erfrischende Pools, Strandcafés und Fahrten in einem klassischen Cabriolet.
Die Figuren
Dian und Miray sind in dieser Welt Geschwister. Zu ihrer Überraschung finden sie dafür sogar Belege in Form von Fotos aus ihrer Kindheit.
Neu ist die dritte Traumreisende Felisha, kurz “Lish” genannt. Sie ist das Gegenteil von Miray: handelt impulsiv, bevor sie über die Folgen nachdenkt. Das sorgt natürlich für Spannung zwischen den beiden Frauen. Die Konstellation lässt mich elegant den Bechdel-Test bestehen. 😊
Spaß haben mir auch die Entwicklung der Rollen des vom Leben frustrierten Cafébesitzers Alfred (inspiriert von Al Bundy) und des unbestechlichen Majordomos Hopkins (selbstverständlich eine Hommage an den einzigartigen Jonathan Quayle Higgins) gemacht.
Und Johnny Trampera, der Titelheld? Nun, der ist ein MacGuffin, wie es sich für eine Hollywood-Geschichte gehört. Außerdem: Trampera… Travolta… Du verstehst? 😂
Die Traumwelt
Für die Traumwelten brachte diese Episode gleich mehrere große Erkenntnisse.
Erstens: Lish. Miray war zunächst alleine, bis sie in Träne der Wüste Dian traf. In dieser Episode kommt eine dritte Traumreisende dazu.
Zweitens: Die Kindheitsbilder von Dian und Miray, die eigentlich gar nicht existieren dürften, da beide keine gemeinsame Kindheit hatten. Ihre Alter Egos aus den Traumwelten scheinen also eine eigene Vergangenheit zu besitzen.
Drittens: Wenn das Abenteuer erst einmal gelöst ist, kann man nicht beliebig lange in der Traumwelt verweilen. Wer dort einschläft, wacht zu Hause wieder auf.
Aber die wahrscheinlich wichtigste (und für Dian bitterste) Erkenntnis ist, dass er Miray nicht in seiner eigenen Welt treffen kann. Sie scheint tatsächlich nur eine Einbildung in seinen Träumen zu sein.
Oder er in ihren?
Was habe ich gelernt?
Tatsächlich nicht allzuviel Neues über das Schreibhandwerk.
Diese Episode diente mehr dazu, meinen neuen Schreibstil, den ich in Trügerischer Schein entwickelte, weiter zu festigen.
In dieser Geschichte spiele ich mit Erwartungen und Klischees. Sie erfüllt aber noch einen weiteren Zweck: Sie führt den übergeordneten Spannungsbogen weiter. Wir lernen Miray von einer neuen Seite kennen und erleben, wie die beiden Charaktere näher zusammenrücken.
Der Plot
Miray und Dian finden sich in einem kleinen Dorf wieder, irgendwo im tiefsten Rumänien. Der Brief eines Grafen brachte sie an diesen verlassenen Ort. Eine junge Frau aus dem Dorf ist verschwunden, und der Graf befürchtet nun das Schlimmste für sich und seine Burg.
Auf der Suche nach der Frau lernen unsere Abenteurer die Menschen im Dorf, aber auch einander besser kennen.
Die Kulisse
Vermutlich ist es nicht zu übersehen, dass der Film Tanz der Vampire von Roman Polański bei dieser Episode Pate stand. Die erzählte Geschichte ist freilich völlig anders, aber die Atmosphäre der Dorfschänke, die tief verschneite Landschaft und die Burg des Grafen, sie alle fanden ihre Inspiration in diesem Film.
Eine Szene allerdings geisterte bereits durch meinen Kopf, seit ich mit dem Projekt anfing: Es ist die Szene, in der Dian aus dem stickigen und überheizten Schankraum in den kalten Flur tritt, um nach Miray zu sehen. Wo ich diese Szene einbauen würde, und welchen Grund Dian haben könnte, wurde mir erst klar, als ich diese Episode schrieb.
Die intensive, bedrohliche Atmosphäre, die beginnt, als Miray nach der Finsteren Burg fragt, und in dem Besuch dieser Burg gipfelt, finde ich besonders gut gelungen. Ich bin stolz auf das Ergebnis, auch wenn ein Berufsautor sicher noch mehr herausgeholt hätte.
Die Figuren
Dian und Miray werden in dieser Traumreise als “fähige Ermittler” bezeichnet, ohne dass dies näher ausgeführt wird.
Ihnen gegenüber stehen drei unversöhnliche Parteien: Der Wirt Alexandru mit seiner Familie und Florica als Angestellte, der Schmied Constantin, und zuletzt der Graf mit seinem treuen Diener.
Beim Grafen ist die namentliche Anspielung auf eine Person der Gegenwart ziemlich offensichtlich. Der Name seines Dieners fand eine ähnliche Inspiration, mehr verrate ich allerdings nicht. 😉
Die Traumwelt
Zur Mechanik der Traumwelten gibt es in dieser Episode keine neuen Erkenntnisse.
Was habe ich gelernt?
Es sah zunächst aus wie die übliche Routine, die sich zwischenzeitlich eingestellt hat. Ich hatte die Episode durcherzählt, mehrfach korrekturgelesen, verfeinert. Sie stand kurz vor der Veröffentlichung, ich hatte sie sogar schon angekündigt.
Dann las ich das Buch “Deutsch für junge Profis” von Wolf Schneider. Seine Tipps zum guten Sprachstil und Satzbau waren ein wahrer Augenöffner. Wo ich vorher nur spürte, dass mit einem Satz “irgendetwas nicht stimmte”, erkannte ich nun, wo das Problem lag und wie ich es verbessern konnte. 1
In der Folge krempelte ich die gesamte Geschichte noch einmal vollständig um. Ich verbesserte den Satzbau, erweiterte die Szenenübergänge und achtete darauf, die Handlungen der Charaktere besser zu beschreiben. Diese umfangreiche Änderung kostete mich zwei Monate. Aber sie brachte die Geschichte von 8.000 auf über 10.000 Wörter, die sich außerdem viel flüssiger lesen ließen. Ich finde, das Ergebnis war die Mühen wert – und das Warten.
Während ich die folgenden Episoden schrieb, merkte ich, dass mein Schreibstil eine große Veränderung durchmachte. Das verunsicherte mich einerseits, denn ich musste plötzlich vieles überdenken, was ich vorher herunterschrieb und für gut befand. Es fühlte sich an wie ein Rückschritt auf dem Weg, meinen persönlichen Schreibstil zu finden und zu schärfen.
Andererseits haben Rückschritte nichts schlechtes an sich, wenn man im Anschluss einen besseren Weg voran einschlägt.
Leider ist das Buch “Deutsch für junge Profis” auch eine schlecht gealterte Schmähschrift über das Blogging. Schade, dass der Autor das für nötig hielt. Es verdarb mir letztendlich die Freude an einem sonst lesenswerten Buch. Ich habe es nie zuende gelesen. ↩︎




