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Making of: Tapas in València
Spoiler-Warnung: Dieser Artikel verrät Handlungsdetails. Wenn du das Werk noch nicht kennst, solltest du besser nicht weiterlesen.

In Kiona Bluff übernahm Miray die Rolle der Erzählerin, und Dian kam zu kurz. Ich versprach Wiedergutmachung.

Hier ist sie.

Ich wollte schon immer eine Geschichte schreiben, die atmosphärisch an Film Noir angelehnt ist. Dieser Kurzroman ist allerdings nicht gerade typisch für das Genre und bricht bewusst mit möglichst vielen Klischees.

Die Erzählung möchte so gerne nach Raymond Chandler klingen, Dian so gerne ein zweiter Philip Marlowe sein.

Doch der Funken zündet einfach nicht, weil immer irgendetwas nicht so richtig stimmen mag. Die femme fatale ist ein Mann. Dians cooler Moment wird vereitelt von einem Typ in Unterhose gegenüber auf dem Balkon. Die wichtige Losung möchte die Kontaktperson in Istanbul gar nicht erst hören. Und Dians Zigarettenersatz, der verklebt Finger, Wäsche und das Mobiliar.

Erst als Dian Miray trifft, fängt er an, wieder seine eigene Stimme zu finden. Sein letzter Versuch, Marlowe zu imitieren, endet jäh, als er Miray nach einem üppigen Essen jenen Zigarettenersatz anbietet und sie prompt ablehnt. „Egal, was das ist“, meint sie, „du solltest davon runterkommen.“

Der Plot

Dian wacht in einer Detektei auf. Zwei Striche auf dem Handgelenk, aber von Miray keine Spur.

Stattdessen steht ein Klient im Türrahmen, ein Geheimagent, der Dian beauftragt, einen Koffer aus der Türkei nach València zu bringen.

Wie schwer kann das schon sein, denkt sich Dian. Er stürzt sich alleine ins Abenteuer und holt den Koffer ins Land. Problemlos, so scheint es zunächst. Dass mehr dahintersteckt, erkennt er erst, als die Handschellen klicken.

Die Kulisse

Ich brauchte eine Stadt mit Mittelmeerflair, internationalem Flughafen und einem Hafenviertel. Eine Stadt, die – ganz entgegen dem Film Noir-Klischee – nicht hässlich, trist und dauerverregnet ist, sondern ganz das Gegenteil.

Meine Wahl fiel zuerst auf Barcelona. Doch es gab ein Problem: Im Film Noir wird geraucht. Muss geraucht werden. Einen Detektiv ohne Fluppe in Mund würde niemand ernst nehmen.

Dian raucht allerdings nicht. Er braucht ein anderes Laster. Da kommt der Turrón de Jijona ins Spiel, ein klebriger Riegel aus Mandeln, Honig und Zucker. Und die sind eher in Valencia populär. Dass es eigentlich eine typische Weihnachtsnascherei ist, sei mir verziehen.

Und so zog die Episode nach Velencia. Ursprünglich plante ich sogar einen Showdown im Museu de les Ciències, doch das gab der Plot ohne allzu große Verrenkungen nicht mehr her.

Die Figuren

Wie für Film Noir typisch, habe ich einen bunten und sehr unterschiedlichen Strauß an Charakteren aufgeboten.

Dian ist diesmal der typische hard-boiled detective. Nur dass er alles andere als hard-boiled ist. Immer, wenn er versucht, die Kontrolle zu übernehmen, scheitert er an sich selbst oder an den Umständen.

Seine Sekretärin ist Clara Torbellina Montserrat. Die Person im Hintergrund, die den Laden zusammenhält.

Der Auftraggeber? Diesmal nicht die obligatorische femme fatale, sondern das Gegenteil: Ein Alpha-Männchen, das Dian sagt, wo es lang geht.

Und natürlich braucht es einen Cop. Die Rolle ist Miray auf den Leib geschneidert, nicht wahr? Sie findet sich auch überraschend schnell darin zurecht.

Richtig viel Freude machte mir Señor Civera. Ein Verschwörungstheoretiker, der es sich auf die Fahne schreiben kann, die sonst so selbstkontrollierte Miray als erster aus der Fassung gebracht zu haben.

Die Traumwelt

Zur Mechanik der Traumwelten gibt es hier nicht viel Neues.

Höchstens: Von Träne der Wüste vielleicht abgesehen, fanden Dian und Miray in ihren Traumreisen bisher relativ einfach zusammen. Bei Tapas in València mussten sie zum ersten Mal aktiv auf die Suche gehen. Ob die Partnervermittlung da tatsächlich geholfen hätte?

Was habe ich gelernt?

Weniger über den Schreibstil, dafür mehr über das Plotten. Tapas in València war tatsächlich die erste Geschichte, die sich nicht aus einzelnen Szenen herauskristallisierte.

Stattdessen entwarf ich diesmal zuerst einen vollständigen Plot, bevor ich damit begann, die Geschichte selbst zu erzählen. Eine Schwierigkeit bei der kontrollierten Erzählweise ist, dass es den Charakteren weniger Spielraum zur Improvisation bietet und ihre Persönlichkeit “abwürgt”, wenn man es übertreibt. Hier gilt es, sie zwar am Plot entlangzuführen, ihnen aber innerhalb der Szenen genug Freiraum zu lassen.

Klingt schräg? Als ob die Charaktere leben würden, und sich wie ein überbezahlter Filmstar weigern, bestimmte Szenen zu drehen?

Ich habe schon davon gehört, dass es vielen Autorinnen und Autoren so geht. Dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln und manchmal einfach ihr eigenes Ding durchziehen. Tja, es ist tatsächlich so.

Dass sie sogar ganze Episoden boykottieren können, lernte ich auf die harte Tour. Mehr dazu beim nächsten Making-of.