Amiga

Amiga 1200 Black Edition

Als ich diesen Amiga 1200 sah, hatte ich Mitleid mit ihm. Das Gehäuse und die Tastatur waren stark vergilbt, aber noch schlimmer war der vermurkste Versuch, ein Gotek-Laufwerk in das Gehäuse einzubauen. Der Vorbesitzer hat offensichtlich versucht, den Diskettenlaufwerksbereich mit einer Art Seitenschneider zu öffnen, und damit das Gehäuse komplett ruiniert.

Eigentlich wollte ich das Gehäuse und die Tastatur bleichen, den verpfuschten Schnitt am Diskettenlaufwerk mit einem Rotationswerkzeug versäubern und es dann mit einem 3D-gedruckten Teil verschließen. Aber dann hatte ich eine bessere Idee. 😁

Das Mainboard

Werfen wir zuerst einen Blick hinein. Verbaut ist ein Rev 1D.4 Board in gutem optischen Zustand. Ich tauschte die Elektrolytkondensatoren aus und machte schon mal ein Update auf AmigaOS 3.2.1.

Auf der Unterseite der Platine fand ich einen Kupferdraht für einen sogenannten “Floppy Fix”. Als Escom die letzten Amiga 1200 produzierte, waren Amiga-Diskettenlaufwerke nicht mehr verfügbar. Sie mussten einen Weg finden, wie sie stattdessen normale PC-Diskettenlaufwerke verbauen konnten. Auf Rechnern mit dieser Modifikation laden allerdings viele Spiele und Demos nicht.

Das originale Diskettenlaufwerk dieses Computers war nicht mehr vorhanden, und Gotek-Laufwerke können Amiga-Diskettenlaufwerke perfekt emulieren. Also entschied ich mich, den Floppy-Fix rückgängig zu machen, indem ich den Fädeldraht entfernte. Um das ursprüngliche RDY-Signal wiederherzustellen, lötete ich stattdessen einen Draht von Pin 34 des internen Diskettenanschlusses an Pin 1 des externen Anschlusses.

Da ich sowieso gerade mit der Unterseite der Platine beschäftigt war, wollte ich auch gleich E123C und E125C entfernen, um die Stabilität von Turbokarten zu verbessern. Auf dieser Platine waren diese Kondensatoren jedoch nicht bestückt, also hatte sich das schon erledigt.

Damit war es Zeit für einen ersten gründlichen Testlauf. Soweit lief alles gut, bis ich feststellte, dass die rechte Maustaste an beiden Ports nicht funktionierte. Ich habe einen separaten Blogartikel zur Ursache und der Lösung geschrieben. Kurz: Man muss vier Widerstände durch Ferrite ersetzen.

Meine Arbeit an der Platine war danach abgeschlossen. Sie bestand nun alle Tests.

Die Extras

Wie bei meinen anderen Restaurierungen überhole ich die Maschine nicht nur, sondern mache sie auch mit einigen Extras zukunftssicher.

Als Erstes: Das vergilbte Gehäuse mit dem hässlichen Schnitt. Mir war klar, dass das Gehäuse selbst bei einem gelungenen Restaurierungsversuch nie wieder wirklich schön aussehen würde. Außerdem wollte ich schon immer einen schwarzen Amiga haben, also habe ich die Maschine stattdessen in ein brandneues, schwarzes a1200.net Replica-Gehäuse umgesiedelt.

Das Diskettenlaufwerk fehlte. Anstelle des Gotek-Laufwerks, das ursprünglich als Ersatz gedacht war, wählte ich ein Centuriontech GoEX-Laufwerk. Es verwendet eine SD-Karte anstelle eines USB-Sticks und besitzt einen Drehschalter, der die Auswahl eines Disketten-Images vereinfacht. Es gibt auch passende OLED-Displays dafür, aber für meinen neuen Amiga wollte ich ein winziges Display, das nicht so auffällt.

Das Display ist eines dieser 0,91" OLEDs, die man in praktisch jedem Maker-Shop finden kann. Es ist jedoch wichtig, Pin 1 und 2 zu vertauschen, wenn man Kabel anlötet, da die Strompins bei diesem Displaytyp im Vergleich zum originalen GoEX-Displaymodul vertauscht sind.

Ich druckte ein A600 Display-Modul-Gehäuse, das zum Glück auch auf einen A1200 passt. Die Einzelteile habe ich mit Heißkleber zusammengefügt. Im Nachhinein hätte ich stattdessen normalen Kleber verwenden sollen, da der Heißkleber das PLA des Drucks aufweichte. Das Modul wird danach einfach in die Kühlschlitze des Amiga geklemmt, kleben ist hier nicht erforderlich.

Um diese OLED-Größe zu verwenden, muss eine Datei namens FF/FF.CFG mit dieser Zeile auf der SD-Karte erstellt werden:

display-type = oled-128x32

Außerdem baute ich eine Indivision AGA MK3 für ein pixelgenaues Bild über HDMI ein. Dabei fand ich heraus, dass das a1200.net Replica-Gehäuse minimal andere Maße hat als das Originalgehäuse. Ich entwarf eine modifizierte Klappe und Halterung für diesen Gehäusetyp.

Der Computer hatte eine Marpet Developments M1207 RAM-Erweiterung im Erweiterungsschacht. Sie bekam eine frische Knopfzelle spendiert und versorgt die Maschine nun mit 4 MB zusätzlichem Fast-RAM, einer 68882 FPU und einer Echtzeituhr.

Zusammenbau

Was fehlt noch? Die schwarzen Tastenkappen, die zum schwarzen Gehäuse passen! Nach vielen Jahren des Wartens waren sie endlich verfügbar, und ich bekam rechtzeitig vor Weihnachten ein Set geliefert.

Das schwarze Gehäuse enthält keine passende Plakette. Zum Glück hatte Badgeman eine schwarze auf Lager.

Danach war der Amiga endlich bereit für den finalen Zusammenbau.

Wenn Commodore uns in den 1990ern die Wahl der Gehäusefarbe gelassen hätte, hätte ich mich für einen schwarzen Amiga entschieden. Und nun steht er hier, ein komplett schwarzer Amiga 1200 mit völlig neuem Äußeren und modernisiertem Inneren.

Amiga mit Linux debuggen

Das AmigaOS bietet eine Debug-Konsole als einfachen Weg zur Fehlersuche. Log-Daten können über die linkbare Debug.lib geschrieben werden, welche auch von allerlei Tools wie MuForce, Mungwall oder PatchWork genutzt wird. AmigaOS stellt einen einfachen internen Debugger namens ROMWack bereit (der in späteren Versionen durch das noch einfachere SAD ersetzt wurde). Aber auch DiagROM schreibt Diagnosedaten über die serielle Schnittstelle, was praktisch ist, wenn ein RAM-Chip oder etwas im Videobereich defekt ist.

Die Log-Ausgabe wird an die serielle Schnittstelle gesendet und kann von einem daran angeschlossenen Terminal gelesen werden. In den guten alten Zeiten konnten sich nicht so viele Bastler ein echtes Terminal oder einen zweiten Computer dafür leisten, also wurden Tools wie Sushi oder Sashimi genutzt, um die Debug-Ausgabe in ein Shell-Fenster umzuleiten. Das funktionierte gut, solange das System nicht komplett abgestürzt war.

Heute kann man davon ausgehen, dass fast jeder Amiga-Besitzer einen zweiten Computer zu Hause hat, und wenn es nur ein zweiter Amiga ist. 😉 Dieser Blogartikel handelt davon, wie man seinen Amiga mit deinem Linux-PC verbindet und die Debug-Ausgabe erhält.

Hardwareseitig benötigt man einen Adapter mit einem weiblichen DB25-Anschluss an dem einen Ende und einem USB-Stecker an dem anderen Ende. Ich benutze einen dieser USB-zu-Seriell-Konverter, die in Hardware-Shops für wenig Geld zu finden sind. Sie sind oft mit einem männlichen DB9-Stecker ausgestattet, weil sie dafür gedacht sind, an Peripheriegeräte (wie Modems) angeschlossen zu werden. Um sie mit einem Computer zu verbinden, wird ein sogenanntes Nullmodem benötigt. Das ist ein kleiner Adapter, der es ermöglicht, zwei Computer direkt miteinander zu verbinden, indem die Sende- und Empfangsleitungen gekreuzt werden. Zuletzt brauchen wir noch einen DB9-zu-DB25-Stecker, um das andere Ende des Nullmodems mit dem Amiga zu verbinden.

Dieser Hardware-Stack wird auf der einen Seite an die serielle Schnittstelle des Amiga und auf der anderen Seite an einen USB-Anschluss des PCs angeschlossen. Denke daran, den Amiga abzuschalten, bevor du etwas an die serielle Schnittstelle anschließt. Im Gegensatz zu USB sind die Anschlüsse alter Computer nicht dafür ausgelegt, Geräte anzuschließen oder zu trennen, während das System eingeschaltet ist. Das könnte die Hardware beschädigen!

Softwareseitig müssen wir auf dem Amiga keine Treiber installieren. Die Debug- oder Diagnoseausgaben werden einfach an den seriellen Anschluss gesendet. Unter Linux können wir jeden Terminal-Emulator verwenden. Der bekannteste ist sicherlich minicom.

Die Standardeinstellungen für die serielle Schnittstelle sind 9600-8N1 (9.600 bps, 8 Bits pro Zeichen, keine Parität, 1 Stoppbit). Allerdings wird die Debug-Ausgabe einfach direkt an den seriellen Anschluss gesendet. Wenn du die seriellen Parameter auf der Amiga-Seite geändert hast oder das serial.device für etwas anderes verwendest, nutzt die Debug-Ausgabe die aktuellen Einstellungen einfach mit. Der Handshake muss jedoch in jedem Fall abgeschaltet sein.

Der vielleicht einfachste Weg ist, eine Datei namens ~/.minirc.amiga mit folgendem Inhalt zu erstellen (ändere den Wert pu port zu deinem tatsächlichen TTY-USB-Gerät):

pu port             /dev/ttyUSB0
pu baudrate         9600
pu bits             8
pu parity           N
pu stopbits         1
pu rtscts           No
pu xonxoff          No

Bei vielen Linux-Distributionen muss der Benutzer außerdem zur Gruppe dialout hinzugefügt werden, um auf ein serielles Gerät zugreifen zu können:

sudo usermod -aG dialout $(whoami)

Starte danach einfach minicom mit dem amiga-Profil:

minicom amiga

Jetzt solltest du die gesamte von AmigaOS erzeugte Debug-Ausgabe in dem minicom-Fenster sehen. Für interaktive Debugger wie ROMWack kannst du außerdem Befehle in die Konsole eingeben.

Um minicom zu verlassen, drücke STRG-A und dann Q. 😉

Amiga CD32

Im Gegensatz zu anderen Amiga-Modellen hat das CD32 keinen dedizierten RS-232-Anschluss. Stattdessen bietet es eine einfache serielle Schnittstelle am Aux-Anschluss, die intern mit Paulas UART-Pins verbunden ist.

Um einen Adapter zu bauen, benötigst du ein PS/2-Kabel (z.B. von einem Verlängerungskabel oder einem alten PS/2-Eingabegerät) und einen auf MAX3232 basierenden TTL-zu-DB9-Pegelwandler. Diese Wandler gibt es für wenige Euro auf Online-Marktplätzen.

Schneide ein Ende des Kabels ab und verbinde die Adern wie folgt mit dem Konverter:

  • Pin 2: TXD
  • Pin 3 (und die Abschirmung): GND
  • Pin 4: VCC
  • Pin 6: RXD

Lass die verbleibenden zwei Adern unverbunden und überprüfe die richtige Polarität, bevor du die Adern an den Konverter anschließt!

Das CD32 bietet keine Steuer- und Handshake-Signale, aber glücklicherweise werden diese für Debugging- und Diagnosezwecke nicht benötigt.

Amiga 1200 Maustasten-Fix

Während ich einen Amiga 1200 restaurierte, ist mir aufgefallen, dass an diesem Rechner die rechten und mittleren Maustasten an beiden Ports nicht reagierten. Bei genauerer Untersuchung stellte sich heraus, dass es mit einer originalen Amiga-Maus ging, mit meinem YAMI-Maus-Interface dagegen nicht. Das Maus-Interface konnte jedoch nicht die Ursache sein, da es eigentlich seit Jahrzehnten zuverlässig an allen möglichen Amigas, einschließlich eines anderen Amiga 1200, funktioniert.

Das Problem ist der Community bereits bekannt und scheint auch andere Maus-Interfaces zu betreffen. Die Lösungsansätze, die ich bisher finden konnte, waren:

  • Einfach die originale Amiga-Maus verwenden. 😉
  • Das Maus-Interface modifizieren. Für einige davon gibt es eine “gefixte” Version.
  • Ein “FixRMB”-Tool verwenden. Dieses Tool muss jedoch erst gestartet werden, funktioniert also nicht in Spielen oder um das Bootmenü zu erreichen. Es erfordert außerdem ein Maus-Interface mit internen Pull-up-Widerständen. (YAMI hat diese zum Beispiel nicht.)
  • Einige sagten, sie hätten Glück mit dem Austausch des Paula-Chips gehabt, aber das erfordert Erfahrung im Löten.

Keine dieser Optionen finde ich wirklich ansprechend. Ich möchte, dass dieser Amiga wie alle anderen funktioniert. Also habe ich versucht herauszufinden, was das eigentliche Problem ist und wie man es beheben kann.

Die mittlere und rechte Maustaste sind mit den POT-Pins von Paula verbunden. Diese Eingänge sind eigentlich für analoge Joysticks gedacht und verwenden einen sehr einfachen ADC. Der analoge Joystick lädt einen Kondensator auf, während ein Zähler in Paula die Zeit misst. Sobald die Spannung des Kondensators ein bestimmtes Niveau erreicht, wird der Zähler gestoppt. Die Position des Joysticks kann dann anhand der Zeit bewertet werden, die zum Aufladen des Kondensators benötigt wurde.

Es gibt auch einen digitalen Modus, der für Maustasten verwendet wird. Wenn dieser aktiviert ist, zieht ein Widerstand in Paula die POT-Leitung hoch. Wenn die Maustaste gedrückt wird, legt der Schalter die Leitung auf LOW, was dann aus den Paula-Registern ausgelesen werden kann.

Als eine originale Maus angeschlossen war, wurde die POT-Leitung bei gedrückter Taste auf 0,9 V gezogen. Mit dem Maus-Interface wurde die Leitung jedoch nur auf 1,1 V gezogen. Es scheint ein winziger Unterschied zu sein, aber für diesen Paula-Chip macht es bereits den Unterschied zwischen “Taste gedrückt” und “Taste losgelassen”.

Nur eine bestimmte Charge von Paula-Chips scheint betroffen zu sein. Das ist der Grund, warum dieses Problem nicht bei allen Amiga 1200 auftritt, sondern vermutlich nur bei einigen 1D.4-Boards. Dies ist auch der Grund, warum der Austausch des Chips das Problem behebt. Auf meinem Board ist ein “CSG 8364R7PL” mit dem Datumscode 4193 verbaut. Ich habe auch von einem weiteren Fall mit einem Paula-Chip aus derselben Produktionswoche gehört.

Nächste Frage: Warum scheinen nur Amiga 1200-Modelle von diesem Problem betroffen zu sein, obwohl es wahrscheinlich ist, dass die betroffene Paula-Charge auch in der Amiga 4000-Produktion verwendet wurde? Wenn man die Schaltpläne beider Maschinen vergleicht, gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied. Dies ist eine vereinfachte Darstellung des Joystick- oder Mausanschlusses:

SVG Picture created as paula-pot.svg date 2022/10/10 11:01:53Picture generated by Eeschema-SVG112233445566778899POTYPOTYPOTXPOTX

Der Unterschied liegt in den mit einem roten Kreis markierten Bauteilen. Sie werden als EMI-Filter verwendet. Im Amiga 4000 hat Commodore dort Ferrite verwendet. Es ist im Grunde nur ein Draht in einer Ferritperle, was bei niedrigen Frequenzen einen Widerstand von 0 Ω ergibt. Im Amiga 1200 (und Amiga 600) verwendete Commodore jedoch 68 Ω-Widerstände, vermutlich um Kosten zu sparen.

Zusammen mit dem Pull-up-Widerstand in Paula arbeitet dieser Widerstand als Spannungsteiler. Der Schalter in einer klassischen Amiga-Maus zieht diesen Teiler auf Masse, was 0,9 V am POT-Eingang ergibt, gerade genug, um als LOW erkannt zu werden.

SVG Picture created as paula-pot.svg date 2022/10/10 19:43:20Picture generated by Eeschema-SVGMouse Button68ΩPOTPaula Pullup0.9V5V0V68ΩMouse ButtonPOTPaula Pullup

Das Maus-Interface hat jedoch keinen echten Schalter, sondern einen logischen Ausgang. Zum Beispiel liefert der PIC16F84, der im YAMI-Interface verwendet wird, eine LOW-Spannung von 0,6 V. Nun liefert der Spannungsteiler 1,1 V am POT-Eingang, was von Paula als HIGH interpretiert wird.

SVG Picture created as paula-pot.svg date 2022/10/10 19:43:20Picture generated by Eeschema-SVGMouse InterfacePaula PullupPOT68Ω5V0.6V1.1VPaula PullupPOT68ΩMouse Interface

Ich konnte nicht herausfinden, ob der Pull-up-Widerstand in Paula in dieser Charge einen niedrigeren Widerstand hat oder ob es einen anderen Schwellenwert für die Erkennung von LOW-Pegeln gibt. Beides wäre möglich.

Um das Problem an meinem Amiga 1200 zu beheben, habe ich die 68-Ω-Widerstände E353R, E354R, E363R und E364R durch SMD 1206-Ferrite ersetzt, wie sie im Amiga 4000 verwendet werden. Sie sind etwas größer als die 0804-Widerstände, können aber trotzdem direkt auf die Pads gelötet werden.

Dies ist nur eine kleine Änderung an der Hardware, die auch von Löt-Anfängern durchgeführt werden könnte (zumindest eher, als einen PLCC-Chip auszulöten). Nach dieser Änderung funktionierte auch das Maus-Interface.

Achte darauf, die Widerstände durch Ferrite zu ersetzen, nicht die Kondensatoren daneben! (Kaputt geht zwar nichts, aber die rechte und mittlere Taste würde dann ständig gedrückt sein.)

PS: Wenn du diesen Artikel gefunden hast, weil dein Amiga ebenfalls das Problem hat, schick mir bitte den Datumscode deines Paula-Chips. Vielleicht finden wir ein Muster von “schlechten” Datumscodes. Danke!

PPS: Commodore hat den gleichen Trick bei Amiga 600-Rechnern angewendet. Wenn du also Probleme mit der rechten Maustaste an deinem A600 hast, ist es einen Versuch wert, E353R, E354R, E363R und E364R zu ersetzen.

Amiga 1000 Restaurierung, Teil 3

Im vorherigen Teil habe ich die Tastatur des Amiga 1000 überholt. Sie war in einem schlechten Zustand und verdiente wirklich einen eigenen Teil. Nun werde ich das Diskettenlaufwerk durch einen Centuriontech GOEX on pills Floppy-Simulator ersetzen und dann alles wieder zusammenbauen.

Floppy-LED

Die Floppy-LED des Amiga 1000 ist nicht mit dem Mainboard verbunden, sondern mit dem Diskettenlaufwerk. Das GOEX-Laufwerk bietet keinen vergleichbaren Anschluss, also musste ich mir eine Lösung einfallen lassen. Glücklicherweise machte es mir der Amiga ziemlich einfach.

Bei allen Amiga-Modellen repräsentiert die Floppy-LED den Status des Laufwerksmotors. Sie leuchtet, solange der Motor mit Strom versorgt wird. Beim Amiga 1000 wird der Motor des internen Laufwerks durch ein MTR0-Signal an Pin 16 des Floppy-Anschlusses gesteuert. Wenn es LOW ist, wird der Motor mit Strom versorgt und die Floppy-LED sollte leuchten. Der 7438-Puffer im Amiga hat einen maximalen Ausgangsstrom von 48mA, während die LED einen Durchlassstrom von 30mA hat, also könnte theoretisch die LED (und ein 120Ω Vorwiderstand) direkt an die MTR0-Leitung und +5V angeschlossen werden. Aber ich wollte auf der sicheren Seite sein, also fügte ich einen invertierenden Schalter mit einem Standard-PNP-Transistor und drei Widerständen hinzu.

SVG Picture created as drive-led.svg date 2022/10/31 09:06:35Picture generated by Eeschema-SVG+5V+5V10K10K1M1MBC557BC557Drive LEDDrive LED120R120R~{MTR0}~{MTR0}161610K10KBC557BC557Drive LEDDrive LED120R120R

Ich verwendete einen BC557, aber es eignet sich jeder Standard-PNP-Schalttransistor. Bei der LED zog ich eine grüne Floppy-LED der originalen roten vor. Ich verwendete eine Dialight 521-9266, die die gleichen Abmessungen wie die Original-LED hat. Eigentlich soll ein Pullup-Widerstand an der MTR0-Leitung sein, aber es funktioniert auch ohne, also habe ich den 1MΩ-Widerstand bei meinem System aus Platzgründen weggelassen.

Auf dem GOEX-Board finden sich +5V an einem ungenutzten Pad neben dem Spannungsregler. GND findet sich an einem ungenutzten Header für einen optionalen Encoder.

On Screen Display

Das GOEX-Laufwerk benötigt ein Display, um die aktuell ausgewählte Disketten-Datei und andere Optionen anzuzeigen. Zuerst wollte ich dafür ein winziges OLED-Display an die Gehäusefront kleben.

Allerdings hat das „GOEX on pills“-Modell einen OSD-Anschluss. Er liest das CSYNC-Signal vom Amiga und generiert ein Pixel-Signal, das dem RGB-Signal des Amiga überlagert wird. Je nachdem, an welche Farbkomponente das Pixel-Signal angeschlossen wird, ist der OSD-Text entweder rot, grün oder blau (mit der entsprechenden Komplementärfarbe als Hintergrund).

Das CSYNC-Signal kann von Pin 12 von U6A abgegriffen werden. Das Pixel-Signal wird mit einem der 75Ω-Widerstände verbunden: R25 (rot), R24 (grün) oder R23 (blau). Das Kabel muss an das Ende des Widerstands gelötet werden, das dem Monitoranschluss näher ist, sonst ist das OSD-Overlay auf weißen Bildschirmen nicht sichtbar.

Die anderen Enden der beiden Kabel werden mit den entsprechenden CSYNC- und RGB-Pins des OSD-Headers des GOEX-Laufwerks verbunden. Es ist auch möglich, das GOEX-Laufwerk über die Amiga-Tastatur zu steuern, aber ich wollte keine weiteren Hardware-Modifikationen durchführen und Kabel direkt an einen der CIAs anlöten. Ich finde es schöner, dass ich zum Wechseln der Disketten immer noch den Floppy-Schacht berühren muss, auch wenn es nur virtuell ist.

Zusammenbau

Ein geschulter Techniker sollte definitiv das Netzteil überholen, um Schäden an der Hardware oder spektakuläre Explosionen von Sicherheitskondensatoren zu vermeiden. @DingensCGN aus dem a1k.org-Forum hat da hervorragende Arbeit geleistet. Er hat alle Elektrolytkondensatoren ausgetauscht und einen vollständigen Lasttest durchgeführt, einschließlich der Überprüfung der Komponententemperaturen mit einer Wärmebildkamera. Ein großes Dankeschön an ihn!

Dieser Amiga hat ein separates Piggyback-Board, das ich zur Reinigung und zum Austausch der Kondensatoren (Re-Capping) entfernt hatte. Es ist an verschiedenen Stellen über einige Header mit dem Mainboard verbunden, was das Wiedereinsetzen etwas knifflig macht. Es ist wichtig, dass alle Header richtig verbunden sind.

Für das GOEX-Laufwerk habe ich einen 3D-gedruckten Rahmen für den Amiga 1000 entworfen. Er hält das Laufwerk in der richtigen Position und nimmt auch den originalen Auswurfknopf auf, damit das Loch in der Front verschlossen ist. Meine Absicht war, dass das GOEX-Laufwerk so unsichtbar wie möglich sein sollte, damit der originale Look des Amiga 1000 erhalten bleibt. Ich denke, das ist mir gelungen.

Und das war’s. Das System ist jetzt vollständig zusammengebaut.

Ich habe die obere Abschirmung montiert, die Frontplatte befestigt, das Gehäuse geschlossen und die 256KB-Speichererweiterung in den vorderen Steckplatz gesteckt.

Und dann kam der Moment der Wahrheit. Ich legte den Netzschalter um. Das System fuhr hoch. Ich hatte erwartet, dass der 230V-Netzteillüfter ziemlich laut sein würde, und war sehr überrascht, dass er fast unhörbar ist und problemlos mit modernen, ultra-leisen 12V-Lüftern der gleichen Größe mithalten könnte.

Dann erschien der berühmte Kickstart-Bildschirm, zusammen mit dem FlashFloppy OSD.

Ich habe die Kickstart-ADB-Datei vom GOEX-Laufwerk geladen, und danach wechselte ich zur ersten Diskette der berühmten Red Sector Megademo. Der Amiga hat sie einfach brav geladen.

Alles lief reibungslos! Die grüne Farbe des OSD trägt sicherlich viel zum 1980er-Retro-Gefühl dieser Maschine bei. Es sieht ziemlich genau so aus wie diese OSDs auf alten Fernsehern oder Videorekordern. 😆

FlashFloppy konfigurieren

Es gab zwei Dinge, die mich störten. Das erste war, dass ich einen Kaltstart der Maschine so einfach wie möglich durchführen möchte, also sollte das GOEX-Laufwerk beim Einschalten des Systems immer zuerst das Kickstart-ADF auswählen. Das zweite war, dass das OSD viel zu lange auf dem Bildschirm angezeigt wurde. Es sollte wenige Sekunden nach Laufwerksinaktivität verschwinden.

Beides lässt sich einfach konfigurieren. Zuerst muss ein Verzeichnis namens FF auf der SD-Karte erstellt werden. Dann muss eine Datei FF/FF.CFG mit folgendem Inhalt erstellt werden:

image-on-startup = static
display-off-secs = 5

Eine zweite Datei namens FF/IMAGE_A.CFG enthält den Dateinamen der Kickstart-ADF-Datei auf der SD-Karte.

Willkommen!

Und das war’s! Ich bin und war schon immer ein großer Fan des Amiga. Ich habe auf meinen Amigas viel gelernt, und sie waren das Fundament meiner Karriere als professioneller Softwareentwickler.

Ich habe den Amiga 1000 immer als die Perle meiner Amiga-Sammlung betrachtet, und ich bin glücklich und stolz, dass ich nun die Chance bekommen habe, so eine wunderschöne Maschine zu besitzen.

Amiga 1000 Restaurierung, Teil 2

In diesem zweiten Teil werde ich mich um die Tastatur kümmern. Ich hatte erwartet, dass es die übliche Prozedur sein würde: Die Tastenkappen und das Gehäuse reinigen, die vergilbten Teile aufhellen, den Tastaturrahmen abstauben.

Dieses Mal war es jedoch nicht so einfach.

Der Ärger fing an, als ich die Tastenkappen abzog, dabei aber auch die Stößel von drei Tasten mit herauszog. Zum Glück lässt sich das reparieren, da die Schalter leicht zu warten sind. Mehr dazu weiter unten.

Tastaturreinigung

Die Tastenkappen wurden in einem Ultraschallbad mit einem Tropfen Klarspüler gereinigt und anschließend mit einer weichen Zahnbürste gebürstet.

Unter den Tastenkappen befindet sich der Tastaturrahmen, auf dem die Schalter montiert sind. Ich fand den üblichen Dreck, den man dort nach fast 40 Jahren erwarten würde, aber da war auch Flugrost, eine verkrustete Schmutzschicht und… tote Insekten. Ich ging nach draußen und bürstete die Insekten und den ganzen anderen losen Schmutz ab. Dann ging ich wieder hinein und besprühte den Rahmen mit Isopropanol, in dem Versuch, die Kruste abzuwaschen. Der Raum füllte sich sofort mit einem ungesunden Gestank nach Staub, Schmutz und Insektenkot. 🤢 Auch meine Versuche, den Flugrost mit einem Glasfaserstift zu entfernen, waren nicht wirklich erfolgreich. Es war einfach zu viel davon.

Ich wollte vermeiden, den Rahmen aufarbeiten zu müssen, da er erst ausgebaut werden kann, nachdem alle 91 Schalter (und eine LED) entlötet wurden. Aber es führte kein Weg daran vorbei. Also entlötete ich alles und entfernte den Rahmen. Auf der Platine fand ich eingetrocknete Flecken von einer Flüssigkeit (vielleicht von einem Erfrischungsgetränk, das über der Tastatur verschüttet worden war) und noch mehr tote Insekten. Es bestätigte, dass es die richtige Entscheidung war, aufs Ganze zu gehen.

Ich schliff den alten Lack und die Schmutzkruste vom Rahmen ab (draußen und mit einer guten Filtermaske). Dann lackierte ich ihn mit mattem Schwarz aus der Sprühdose. Er sieht jetzt sehr viel besser aus.

Aufarbeitung der Schalter

Die nächste böse Überraschung kam, als ich die Tastatur wieder zusammenbauen wollte. Ich testete alle 91 Schalter auf Durchgang im geschlossenen Zustand, stellte aber fest, dass nur etwa 40 von ihnen tatsächlich funktionierten. Wenn ich die anderen Tasten drückte, schlossen sie entweder den Kontakt nicht, oder der Stößel blieb stecken, oder beides.

Die Schalter, die in der Amiga 1000 Tastatur verwendet werden, sind Mitsumi Typ 2 Tactile Switches. Sie werden heute nicht mehr produziert, aber sie sind leicht zu warten. Nachdem ich an ein paar Schaltern die beste Vorgehensweise ausprobiert hatte, fand ich das folgende Verfahren am erfolgreichsten.

Der Schalter kann geöffnet werden, indem man eine Art Klinge (wie den Kopf eines Schlitzschraubendrehers oder eine flache Pinzette) auf beiden Seiten in die Verriegelung drückt und dann vorsichtig die Kappe mit einer Klinge oder einem weiteren Schraubendreher abhebt. Der Schalter besteht aus vier Teilen: Der Kappe, dem Stößel, der Schaltkontakt und dem Sockel.

Ich habe die Schaltkontakt mit Kontaktspray gereinigt. Außerdem habe ich die Beinchen des Hebels ein kleines bisschen nach oben gebogen, damit er beim Drücken der Taste etwas mehr Druck auf den Schalter ausübt.

Schließlich habe ich ein wenig Silikonfett auf die beiden schmalen Seiten des Stößels aufgetragen. Es ist wichtig, eine sehr, sehr winzige Menge zu verwenden! Wenn man zu viel nimmt, fühlt sich die Taste träge an oder könnte sogar stecken bleiben. Im Zweifelsfall sollte man diesen Schritt besser überspringen.

Danach wurde der Schalter wieder zusammengebaut und erneut getestet. Wenn er immer noch stecken blieb oder den Kontakt nicht richtig schloss, wurde der Vorgang wiederholt.

Es war eine Menge Arbeit und eine eintönige Aufgabe, aber am Ende konnte ich alle Schalter wieder zum Laufen bringen.

Aufhellen

Das Tastaturgehäuse wurde in Seifenwasser gereinigt. Danach wurden das Gehäuse (und die vergilbte Leertaste) zum Aufhellen in die Julisonne gelegt.

Das Ergebnis ist ziemlich gut, aber an einigen Stellen ist immer noch ein wenig Gilb zu sehen. Ich schätze, es gäbe ein noch besseres Ergebnis, wenn ich Wasserstoffperoxid verwenden würde, aber damit habe ich keine Erfahrung und ich bin auch nicht besonders scharf darauf, sie mit dieser seltenen Tastatur zu sammeln.

Die Beschriftungen auf einigen Tasten sind immer noch gelb und wurden in der Sonne auch nicht weißer. Ich schätze, dass ich sie eines Tages durch neue Beschriftungen ersetzen muss.

Zusammenbau

Nachdem alle Teile gereinigt und aufgehellt waren, war die Tastatur bereit für den Zusammenbau. Ich drückte die Tastenkappen wieder auf die Tasten, montierte die Abschirmung und setzte dann den Tastaturrahmen wieder ins Gehäuse ein.

Pass auf, wenn du das Gehäuse schließt: Eine der vier Schrauben ist etwas kürzer und hat vielleicht auch eine andere Farbe. Diese einzelne Schraube muss für das obere rechte Loch verwendet werden.

Die Restaurierung der Tastatur ist nun abgeschlossen!

Im nächsten Teil werde ich die Haupteinheit wieder zusammenbauen und einen ersten Test machen. Funktioniert der Amiga noch?