Im dritten und letzten Teil werde ich das Sidecar fit für die Zukunft machen und schließlich testen. Wird es nach all der Zeit und Geduld, die ich in die Reparatur gesteckt habe, funktionieren?
Gotek-Laufwerk
Ich besitze wahrscheinlich nur noch eine einzige 5¼-Zoll-Diskette, und die stammt aus meiner Schulzeit. Da das Sidecar ohne Disketten aber nicht viel macht, werde ich ein Gotek-Laufwerk hinzufügen.
Die Modifikation soll vollständig reversibel sein, und ich möchte auch das ursprüngliche Aussehen des Sidecars mit seinem Diskettenlaufwerk beibehalten. Deshalb habe ich eine Gotek-Halterung für den Erweiterungssteckplatz sowie ein Bedienfeld mit OLED-Display und Encoder entworfen. Das Panel wird an das vordere Lüftungsgitter geschraubt, sodass keine Löcher in das Gehäuse gebohrt werden müssen.
Um das Gotek-Laufwerk und das Diskettenlaufwerk mit dem Mainboard zu verbinden, habe ich ein neues Floppy-Flachbandkabel gefertigt. Das Gotek-Laufwerk soll Laufwerk A: sein, das Diskettenlaufwerk B:. Beide Laufwerke können über Jumper entsprechend konfiguriert werden, sodass kein Flachbandkabel mit teilverdrehten Strängen erforderlich ist.
Erster Testlauf
Für den ersten Testlauf habe ich das Sidecar noch nicht an den Amiga angeschlossen. Falls am Sidecar etwas größeres beschädigt ist, würde es meinen wertvollen Amiga nicht zerstören.
Ich schaltete den Strom ein. Der Lüfter lief an, die Power-LED leuchtete auf, aber sonst passierte nichts. Nun, das Sidecar war nie als eigenständiger PC gedacht, also ist das wahrscheinlich normal. Wenigstens gab es keinen Rauch und keinen Geruch nach schmorender Elektronik. Ich nutzte die Gelegenheit, die Spannungen zu überprüfen. Sie waren alle korrekt und stabil.
Soweit sah alles ziemlich gut aus.
Erstellen einer Janus Workbench
Das Sidecar wird vom Amiga gesteuert. Es hat keine Anschlüsse für einen Monitor oder eine Tastatur. Glücklicherweise findet man die Treiberdiskette noch im Internet. Für die Installation musste ich zunächst eine Kopie der originalen Workbench 1.2-Diskette erstellen und dann das Installationsprogramm von der Installationsdiskette ausführen.
Auf meinem Amiga 1000 schlug die Installation jedoch fehl, weil der RAM-Disk der Speicher ausging. Mein Amiga ist mit den damals maximalen 512 KB Chip-RAM ausgestattet, also hätte es eigentlich funktionieren müssen. Ich habe es mehrmals versucht, bekam aber immer diesen seltsamen Fehler.
Ich gab auf und richtete eine UAE-Instanz eines Amiga 500 mit Kickstart 1.2 und 2 MB Fast-RAM ein. Auf dieser virtuellen Maschine konnte ich die Installation dann abschließen.
Das Installationsprogramm ist etwas seltsam und basiert nicht auf dem Amiga-Installer-Tool, das später kam. Am besten wählt man einfach die Standardoptionen und wartet geduldig, bis jeder Schritt abgeschlossen ist.
Testläufe und Fehlerbehebungen
Endlich ist es Zeit für einen echten Testlauf.Das Zusammenstecken der beiden Geräte ist nicht einfach und kann die Hardware beschädigen, wenn es falsch gemacht wird. Zuerst habe ich die Netzkabel vom Sidecar und vom Amiga abgezogen. Dann habe ich das Sidecar an den Erweiterungsport des Amiga angeschlossen. Es ist etwas knifflig, die richtige Position zu finden, aber die Joystick- und Mausanschlüsse sind eine gute Orientierungshilfe. Gewalt sollte man nicht anwenden.
Das Sidecar hat ein eingebautes Verlängerungskabel. Das wird in den Amiga gesteckt, der Netzschalter des Amiga bleibt immer eingeschaltet. Beide Geräte können nun über den Netzschalter des Sidecars ein- und ausgeschaltet werden.
ACHTUNG: Du darfst das Sidecar niemals einschalten, während der angesteckte Amiga noch abgeschaltet ist. Andernfalls beschädigst du deinen Amiga! Du kannst diese Gefahr vermeiden, indem du das Verlängerungskabel für die Stromversorgung verwendest und sicherstellst, dass der Netzschalter des Amiga immer eingeschaltet ist.
Jetzt kam der Moment der Wahrheit. Ich bootete die Janus Workbench, die ich oben vorbereitet hatte, bekam aber während des Starts eine Guru Meditation. Ich habe andere Treiberversionen und Disketten-Images ausprobiert, die ich finden konnte, doch es endete immer mit dem blinkenden roten Rechteck.
Glücklicherweise sind die Hardware-Register im A500/A2000 Technical Reference Manual, Abschnitt 4.1 gut beschrieben. Die Beschreibung bezieht sich zwar auf das A2088XT-Bridgeboard, das ist dem Sidecar aber technisch sehr ähnlich.
Ich habe schnell ein paar kleine Diagnosetools zusammengehackt. Sie bestätigten, dass das 128 KB Bridge-RAM und die sechs ausgetauschten Bustreiber einwandfrei funktionierten.
Ich stellte auch fest, dass der PC-Reset nicht funktionierte. Ich schaffte es nur ein einziges Mal, den PC tatsächlich zurückzusetzen. Er spielte ein akustisches Signal ab und griff dann tatsächlich auf die MS-DOS-Diskette zu, die ich im Gotek-Laufwerk hatte. Das bedeutet, dass die PC-Seite im Grunde funktioniert, das Bridgeboard jedoch Probleme hat.
Es gibt vier PALs und drei FPLAs auf der oberen Platine. Die PALs haben eine spezifizierte “Lebenszeit” von etwa 20 Jahren, die längst vorbei sind. Ich erinnerte mich, dass die PALs auf meinem MaestroPro aufgrund ihres Alters auch schon Speicherprobleme hatten.
Die Fusemaps der PALs sind im Amiga Wiki zu finden. Ich habe die vier PALs durch moderne ATF16V8C-7PU GALs ersetzt.
Danach konnte ich das Gerät zuverlässig zurücksetzen. Die Guru Meditation war auch verschwunden, als ich die Janus Workbench bootete. Aber das Sidecar weigerte sich nach wie vor, aus dem Ruhestand aufzuwachen. Was ich stattdessen bekam, war Buchstabensalat auf dem PC-Bildschirm.
Aber ich war auf dem richtigen Weg! Auf der unteren Platine befindet sich ebenfalls ein PAL (und zwei FPLAs). Ich habe dieses PAL ersetzt und bei der Gelegenheit auch die Flachbandkabel getauscht, die beide Platinen verbinden. Die Originalkabel sahen zwar noch gut aus, aber die Drähte im Inneren könnten gebrochen oder korrodiert sein. Ein Austausch war außerdem verhältnismäßig leicht.
Nächster Versuch. Und diesmal war er erfolgreich! Ich habe die Maschine etwa eine Stunde lang getestet, einige Disketten formatiert, die ich zwischenzeitlich irgendwo gekauft hatte, Turbo Pascal gestartet. Alles funktionierte zuverlässig, und es war wunderschön anzusehen, wie MS-DOS in einem Amiga-Fenster lief und man gleichzeitig das Amiga-Multitasking nutzen konnte, um Amiga-Software laufen zu lassen.
Ich hatte Glück. Die PALs ließen sich leicht austauschen, da heute noch kompatible GALs hergestellt werden. Die FPLAs können früher oder später ebenfalls ihre Programmierung verlieren, aber für sie gibt es keinen direkten Ersatz. Mattis Lind hat eine Ersatzplatine entworfen, die ein modernes CPLD verwendet. Leider fand ich keine JED-Dateien, um sie zu programmieren.
Und da ist es, mein vollständig restauriertes und modernisiertes Commmodore A1060 Sidecar!
Die Restaurierung war schwieriger, als ich erwartet hatte. Es warteten viele böse Überraschungen auf mich, und mehr als einmal war ich kurz davor, alles hinzuwerfen und auf später zu verschieben.
Dieses Biest ist schwer zu reparieren. Zunächst einmal wegen seiner Größe. Der Amiga 1000 und Sidecar waren zu groß für den Tisch in meiner winzigen Werkstatt, also konnte ich mein Oszilloskop nicht benutzen. Außerdem hat es wenig Sinn, das Sidecar alleine zu betreiben, sodass zur Fehlerbehebung immer ein laufender Amiga 1000 benötigt wird. Drittens ist es schwer, einen Platz zu finden, um das Netzteil des Sidecars abzulegen, während man an den Platinen misst. Die relativ offene Bauweise des Netzteils birgt zudem die Gefahr eines Stromschlags, wenn es versehentlich berührt wird. Alles in allem war es eine interessante Erfahrung und ich habe viel über Commodore-Bridgeboards im Allgemeinen und das Sidecar im Speziellen gelernt, aber ich würde es wahrscheinlich nicht noch einmal machen.
Nützliche Links
Im ersten Teil habe ich das Sidecar zerlegt. In diesem zweiten Teil werde ich alle defekten Teile reparieren und das Sidecar wieder in seinem Originalzustand zusammenbauen.
Fangen wir mit der Mechanik an. Der Rahmen für Diskettenlaufwerk und Netzteil hatte einige Roststellen. Mit einer Schleifmaschine entfernte ich den Rost. Mit Zinkspray schützte ich das Metall gegen neue Korrosion und stellte das ursprüngliche Aussehen wieder her. Das Ergebnis ist besser als erwartet. Der Rahmen sieht jetzt praktisch neu aus.
Das überholte Netzteil bekam ich zurück. @DingensCGN, der bereits mein Amiga 1000 Netzteil überholt hat, hat wieder hervorragende Arbeit geleistet. Er hat alle Elektrolytkondensatoren und den Netzfilter ausgetauscht, die Lüsterklemmen entfernt und eine neue Zugentlastung eingesetzt. Ich habe ihn auch gebeten, einen zusätzlichen Anschluss für einen 12V-Lüfter zu legen. Der Originallüfter war ein 230V-Modell und soll furchtbar laut gewesen sein. Ich mochte noch nie laute Computer, also werde ich ihn durch einen modernen 80mm Noctua-Lüfter ersetzen.
Ich bin immer erleichtert, wenn ich weiß, dass ein Netzteil sicher und richtig geerdet ist, und so weder den angeschlossenen Computer beschädigt noch mir einen Stromschlag verpasst. 🙂
Mit Glück fand ich bei einer Online-Auktion ein Chinon FZ-502. Dieser Diskettenlaufwerkstyp wurde häufig in einem Sidecar verwendet und dürfte das ursprüngliche Aussehen der Vorderseite wiederherstellen.
Normalerweise sollte noch eine Metallabschirmung um das Diskettenlaufwerk herum sein, aber die ging leider verloren. Das Teil ist jedoch für den Betrieb nicht erforderlich. Wenn das Gehäuse erst einmal geschlossen ist, wird niemandem auffallen, dass es fehlt.
Nächstes Problem: Die Beinchen der Power-LED waren abgebrochen und die LED war festgeklebt. Mir blieb nichts anderes übrig, als rohe Gewalt anzuwenden. Ich habe die LED und den Stopfen, der sie an Ort und Stelle hielt, herausgebohrt. Ich musste dabei sehr vorsichtig vorgehen. Wenn ich zu tief bohre, würde ich die Optik der Vorderseite ruinieren.
Eine rechteckige rote Standard-LED ersetzt sie nun. Ein 3D-gedruckter Stopfen hält sie ohne Klebstoff an Ort und Stelle. Die neue LED sitzt fest an ihrem Platz, könnte aber trotzdem entfernt werden, indem man sie von der Vorderseite vorsichtig mit einem Schraubendreher herausdrückt.
Der mechanische Teil ist damit erledigt. Zeit für die Elektronik.
Auf der oberen Platine musste nur ein einziger Elektrolytkondensator ausgetauscht werden. Viel mehr Entlötarbeit war erforderlich, um den defekten Zorro-Stecker und die sechs Bus-Treiberchips zu entfernen. Der ursprüngliche Zorro-Stecker wurde von zwei Nieten gehalten. Ich hatte keine andere Wahl, als sie herauszubohren. Dabei erlitt die Platine zum Glück nur leichte kosmetische Schäden. Als alles fertig war, habe ich die Platine gründlich mit Isopropanol gereinigt.
Ich entdeckte einen Tantal-Kondensator und ersetzte ihn durch einen neuen Elektrolytkondensator. Das ist nicht wirklich notwendig, aber ich traue alten Tantal-Kondensatoren nicht. Sie können zwar nicht auslaufen wie Elektrolytkondensatoren, aber sie können Feuer fangen oder explodieren, und der Platine damit einen größeren Schaden zufügen als auslaufendes Elektrolyt.
Auf der unteren Platine waren zehn Elektrolytkondensatoren fällig für den Austausch. Ich habe auch den verrosteten Piezo-Summer ausgetauscht, was etwas schwierig war, weil sich der neue als überraschend hitzeempfindlich herausstellte.
Ich mag keine leeren Sockel, also habe ich mir eine 8087 FPU besorgt. Acht 41256 DRAM-Chips werden die Maschine auf die maximal möglichen 512 KB RAM aufrüsten. (Die berühmten 640 KB können allerdings nur mit einer RAM-Erweiterungskarte erreicht werden.)
Die bereits installierte Sidecar V2.06 Firmware war die neueste Version, die ich finden konnte. Ich habe dem originalen EPROM aber ein neues Etikett verpasst, da das alte abgefallen war, weil der Kleber ausgetrocknet war.
Die Platine benötigt nach der Änderung eine neue Konfiguration. Glücklicherweise gibt es noch eine Kopie vom Originalhandbuch.
Zuletzt ersetzte ich alle Schrauben durch neue.
Und schon ist es es Zeit für den Zusammenbau. Wahrscheinlich zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurde das Gehäuse des Sidecars wieder geschlossen.
Ist das gute Stück nicht eine Schönheit? 😍
Das war der zweite Teil. Wenn du ihn aufmerksam gelesen hast, ist dir sicher aufgefallen, dass ich die Maschine bisher noch nicht eingeschaltet habe. Das stimmt. Alte Computer schalte ich generell nicht ein, bevor das Netzteil überprüft wurde. Es besteht das Risiko, dass das Netzteil (nach Jahrzehnten der Lagerung) defekt ist, in Rauch aufgeht oder die Maschine beschädigt.
Im dritten und letzten Teil werde ich das Sidecar an meinen Amiga anschließen und endlich herausfinden, ob es funktioniert.
Liste der Kondensatoren
Untere Platine:
- 2x 100µF 16V radial
- 8x 47µF 25V radial
Obere Platine:
- 1x 100µF 16V radial
- 1x 47µF 25V radial (als Ersatz für den Tantal-Kondensator bei C57)
Was ist ein Sidecar überhaupt? Als Commodore den Amiga 1000 veröffentlichte, waren seine Grafik- und Soundfähigkeiten in dieser Preisklasse unübertroffen. Da die Maschine auf dem Motorola 68000 Prozessor basierte, konnte man aber keine MS-DOS-Software darauf ausführen, die es damals reichlich gab.
Das deutsche Commodore-Werk in Braunschweig versuchte, dieses Problem mit dem Amiga 1060 zu lösen. Die Maschine wurde an den Amiga 1000 angeschlossen und bot einen vollwertigen IBM-kompatiblen PC. Eigentlich handelte es sich um einen eigenständigen Computer, aber er hatte keine Video- und Tastaturanschlüsse, sondern wurde vollständig vom Amiga gesteuert. Weil er an die rechte Seite des Amiga angeschlossen wurde, sah er aus wie der Beiwagen (englisch: Sidecar) eines Motorrads, was ihm seinen Spitznamen einbrachte.
Das Sidecar kam relativ spät auf den Markt, konnte nur mit dem Amiga 1000 verwendet werden und war ziemlich teuer. Aus dem Grund wurde nur eine kleine Stückzahl produziert. Ich konnte keine offiziellen Zahlen finden, aber laut Dr. Peter Kittel (einem Ingenieur bei Commodore Braunschweig) wurden in Deutschland lediglich zwischen 3.000 und 5.000 Exemplare verkauft, in der restlichen Welt sicherlich noch weniger.
Mein A1060 kam mit einem offenen Gehäusedeckel. Der Grund war, dass das 5¼"-Diskettenlaufwerk entfernt und durch eine Festplatte in voller Bauhöhe ersetzt worden war. Sie war so hoch, dass sie nicht in das Gehäuse passte. Zudem war sie überraschend schwer.
Viele Schrauben fehlten oder waren oxidiert. Davon abgesehen befand sich die Maschine in einem gebrauchten, aber akzeptablen optischen Zustand. Der Vorbesitzer hatte vorne einen Reset-Knopf und hinten einen zweiten D-Sub-Anschluss hinzugefügt (der sich später als weiterer Anschluss für ein Diskettenlaufwerk herausstellte, warum auch immer).
Ich beschloss, die gesamte Maschine erst einmal zu zerlegen. Mein Plan ist, sie in ihren Originalzustand zurückzuversetzen. Das bedeutet auch, die riesige Festplatte und ihre Controller-Platine zu entfernen.
Es gibt einen Rahmen, der das Diskettenlaufwerk und das Netzteil trägt. Ich fand viel seltsamen Rost darauf, der ein wenig nach Feuchtigkeitsschaden aussah, was aber die Form der Flecken nicht erklärte.
Das Netzteil sah einigermaßen okay aus. Für den Stromanschluss des Diskettenlaufwerks wurden Lüsterklemmen verwendet. Die Zugentlastung für das Amiga-Netzkabel fehlte, stattdessen fand ich einen Knoten im Kabel.
Ich gab das Netzteil zur Überholung an einen erfahrenen Techniker im a1k.org Amiga-Forum.
Außerdem stellte ich fest, dass die Pins der Power-LED abgebrochen waren. Die LED selbst wurde durch einen mit Sekundenkleber befestigten Kunststoffstopfen an Ort und Stelle gehalten. Es war unmöglich, sie ohne Gewalt zu entfernen. Eine Ersatz-Power-LED hing einfach lose im Gehäuse.
Graben wir tiefer. Der Computer besteht aus zwei Platinen. Die untere Platine ist der PC, mit drei XT-Bus-Steckplätzen, einem Sockel für die FPU und acht Sockeln für weitere 256 KB RAM. Die obere Platine dient als Brücke zwischen der Amiga- und der PC-Seite. Beide Platinen sind durch zwei Flachbandkabel miteinander verbunden.
Auf den ersten Blick sah die obere Platine zwar schmutzig, aber in Ordnung aus. Auf der Unterseite fand ich viele Fädeldrähte, zusätzliche Widerstände und durchtrennte Leiterbahnen. Zuerst dachte ich, dass diese Modifikation vom Vorbesitzer vorgenommen wurde, aber dann fand ich ähnliche Fotos im Internet. Wie es aussieht, wurden die Änderungen also schon im Werk vorgenommen.
Dann bemerkte ich, dass sechs 74HC245 Bustreiber durch 74LS245 ersetzt worden waren. Der Austausch war etwas “kreativ”. Die alten Chips wurden Beinchen für Beinchen von der Platine abgeknipst und die neuen Chips dann an die Reste der alten Beinchen gelötet. Das war definitiv nicht ab Werk so.
Einerseits war ich froh, dass der Vorbesitzer nicht versuchte, die Chips auszulöten, da er die Platine hätte beschädigen können. Andererseits sah es sehr nach Bastelei aus. Das Chaos werde ich später aufräumen.
Der Austausch der 74HC245 gegen 74LS245 war ein gängiger Fix, um das Sidecar kompatibler mit Amiga-Speichererweiterungen zu machen. Ich entschloss mich, es deshalb bei den 74LS245 zu belassen, aber Sockel zu verwenden, damit die Modifikation leicht rückgängig gemacht werden kann.
Der Zorro-Stecker war irreparabel beschädigt. Zwei Pins waren abgebrochen und ein weiterer so verbogen, dass er einen Kurzschluss verursachen könnte.
Ich konnte keinen passenden 88-Pin-Platinenstecker als Ersatz finden, der an die Platine genietet werden konnte. Ich fand nur einen neuen Stecker ohne die Nietlöcher. Der wird reichen müssen.
Die untere Platine war noch schmutziger, schien aber ansonsten unmodifiziert und unbeschädigt zu sein. Der Piezo war verrostet, den würde ich ersetzen müssen.
Unterm Strich wird es eine Menge Arbeit zu erledigen geben:
- Gehäuse reinigen, Rost entfernen, alle Schrauben ersetzen
- Power-LED reparieren
- Netzteil überholen lassen
- Alle Elektrolytkondensatoren, den Buzzer und den Zorro-Stecker ersetzen
- Die sechs Bustreiber auf der oberen Platine versäubern
- Ein neues Diskettenlaufwerk finden
Mehr dazu im zweiten Teil dieses Artikels!
Im ersten Teil reparierte ich das Mainboard eines Amiga CD³², der durch auslaufende Kondensatoren und einen vermurksten Restaurierungsversuch beschädigt wurde. In diesem Teil ersetze ich nun die Lasereinheit und kalibriere das CD-Laufwerk.
Die alte Lasereinheit der meisten CD³² dürfte aufgrund von Alter und Nutzung verschlissen sein. Ein häufiges Symptom ist, dass das CD³² keine CD-R-Medien mehr abspielt oder nur noch Musik-CDs erkennt. CD-RW-Medien erkennt das CD³² übrigens generell nicht, da diese einen Farbstoff anstelle von Pits verwenden, der zu wenig Licht reflektiert. Das lässt sich auch mit einer neuen Lasereinheit nicht beheben.
Bevor wir anfangen, vorab dies:
ACHTUNG: Die Lasereinheit ist sehr empfindlich gegenüber elektrostatischer Entladung. Treffe stets Schutzvorkehrungen, z. B. durch Tragen eines Antistatik-Armbands.
Stelle sicher, dass der Laser immer abgedeckt ist, wenn der Computer eingeschaltet ist (z. B. mit einer CD oder einem Blatt Papier). Schaue nicht in den Laserstrahl.
Ich möchte an dieser Stelle außerdem erwähnen, dass ich kein ausgebildeter Techniker bin. Ich habe Anleitungen zur Kalibrierung von CD-Laufwerken gelesen, und bei mir hat es funktioniert. Ich behaupte allerdings nicht, dass das hier die beste oder professionellste Art ist, eine Kalibrierung durchzuführen.
Für den Austausch des Pickups wird ein Lötkolben und definitiv auch ein Oszilloskop für die anschließende Kalibrierung benötigt. Möglicherweise geht es auch ohne Kalibrierung, aber das Ergebnis wird nicht optimal sein.
Austausch der Lasereinheit
Zuerst baute ich das CD-Laufwerk aus dem Gehäuse aus. Dann trennte ich vorsichtig die mechanische Einheit vom Controller, und entfernte die vier Schrauben, die den Rahmen der mechanischen Einheit halten. Die Metallabschirmung, die den Pick-Up abdeckt, muss ebenfalls entfernt werden.
Der Pick-Up ist eine Sony KSS210A. Er wird schon lange nicht mehr produziert, aber Nachbauten werden in Online-Märkten für ein paar Euro angeboten. Um die alte Einheit zu entfernen, habe ich zuerst das weiße Zahnrad abgenommen und dann die Metallstange herausgezogen (sie wird nur von einem Plastikclip gehalten, der zur Seite geschoben werden kann). Bei der Gelegenheit entfernte ich das alte Fett von der Stange und den Zahnrädern, und trug danach ein wenig Silikonfett auf. Danach habe ich die neue Einheit montiert und das CD-Laufwerk in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengebaut.
Wichtig: Gleich nachdem die neue Lasereinheit an den Controller angeschlossen wurde, muss ein Löttropfen auf der Lasereinheit entfernt werden! Er schützt den Laser vor Elektrostatik, würde aber den Laufwerks-Controller irreparabel beschädigen, wenn er beim Einschalten noch vorhanden ist.
Wenn du das originale Lasermodul behalten möchtest, solltest du dort auch einen Löttropfen auftragen, bevor du es abklemmst.
Vorbereitung
Ich entfernte die Metallabschirmung des Laufwerk-Controllers, um die Kalibrierung vorzunehmen. Dort fand ich eine Überraschung: Eine winzige Platine, die auf die Hauptplatine geklebt und mit sieben Drähten angeschlossen war.
Ich nahm zuerst an, dies könnte ein Mod sein, um Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen. Das CD³² hatte allerdings kein ausgeklügeltes Kopierschutzsystem, das es zu umgehen galt. Später fand ich die Antwort in einem YouTube-Video: Diese Modifikation unterbricht die Stromzufuhr zum Laser und zum Spindelmotor, sobald der Deckel des CD-Laufwerks geöffnet wird. Ich konnte allerdings auch viele Fotos der Controller-Platine ohne die Modifikation finden. Ich nehme an, es war eine Anforderung zur Produktsicherheit, damit das CD³² auf dem deutschen oder europäischen Markt verkauft werden durfte.
Okay, zurück zur Kalibrierung. Als Vorbereitung lötete ich Drähte an die Testpunkte VF, RFO, TEO-1 und FEO-1. Ich empfehle, dafür verschiedene Farben zu verwenden, das erleichtert die Kalibrierung. Leider hatte ich nur roten Draht zur Hand, also musste ich jedes Mal nachschauen, welcher Draht wohin führte.
Danach maß ich die aktuellen Einstellungen der vier Potis auf der Controller-Platine und des Potis auf dem Lasermodul mit einem Ohmmeter, und schrieb diese auf. Falls die Kalibrierung aus irgendeinem Grund schiefgehen sollte, könnte ich jederzeit diese Einstellungen wiederherstellen. Ein Foto der Poti-Positionen wäre übrigens viel zu ungenau, lieber messen!
Für die Kalibrierung muss das Laufwerk wieder an das Mainboard angeschlossen werden. Die Gehäuseoberseite (mit den LEDs, dem Reset-Knopf etc.) muss ebenfalls angeschlossen werden, da das CD³² nichts macht, solange der Laufwerksdeckel geöffnet ist. Die Lasereinheit bewegt sich während des Betriebs und sollte dafür ausreichend Platz haben.
Um die CD an der Spindel zu halten, habe ich die Spindelklemme von der Innenseite des Deckels entfernt und das lose Teil in der Mitte mit ein wenig Klebeband fixiert. Ein Magnet hält die Klemme an der Spindel fest und sorgt dafür, dass die CD nicht durchrutscht.
Kalibrierung
Der eigentliche Kalibrierungsprozess wird in diesem Blogartikel von TSB erklärt. Meine Versuche, ihn zu erklären, wären weitaus schlechter. 😉
Es stellte sich bei meinem Laufwerk heraus, dass der Prozess so nicht funktionierte. Nachdem ich die ersten Schritte der Kalibrierung durchgeführt hatte, streikte das Laufwerk plötzlich und las gar nichts mehr. Zum Glück hatte ich die Poti-Positionen notiert, ich konnte also die ursprünglichen Einstellungen wiederherstellen und von vorne beginnen.
Danach kalibrierte ich zuerst das TEB-Poti, bis zwischen TEO-1 und VF etwa 0 mV lagen. Das Laufwerk lief danach noch. Erst als ich FEB wie dokumentiert kalibrierte, streikte es wieder. Ich machte diese Änderung rückgängig und fuhr mit der Kalibrierung der Laserleistung fort.
ACHTUNG: Sei äußerst vorsichtig mit dem Poti auf dem Lasermodul und drehe es nur in sehr kleinen Schritten. Andernfalls kann der Laser dauerhaft beschädigt werden.
Auf dem Poti befindet sich möglicherweise ein Tropfen Lack. Es ist ratsam, das Poti zuerst im ausgeschalteten Zustand zu drehen, um den Lack aufzubrechen, und danach mit dem Ohmmeter auf die notierte Werkseinstellung zurückzustellen.
Um die Laserleistung zu kalibrieren, verband ich das Oszilloskop mit RFO und Masse. Danach legte ich eine Musik-CD auf die Spindel und startete Track 1. Das Oszilloskop sollte nun ein sogenanntes “Augenmuster” zeigen:

Der knifflige Teil ist, das Poti am Lasermodul zu verstellen, während die CD abgespielt wird. Ich verstellte es sehr vorsichtig, bis ich eine Spitze-Spitze-Spannung von etwa 900 mV erreichte. 1200 mV sollten niemals überschritten werden.
Danach habe ich das FEB-Poti auf der Controller-Platine so eingestellt, bis ich eine maximale Amplitude im Augenmuster erreichte.
Die letzten beiden Potis, FEG und TEG, werden kalibriert, indem die Testpunkte FEO-1 und TEO-1 jeweils gegen Masse gemessen werden. Das Laufwerk sollte Track 1 einer Audio-CD abspielen und sich während der Kalibrierung im Pause-Modus befinden.
Ich habe versucht, den idealen Punkt zu finden, an dem das Signal auf dem Oszilloskop möglichst gatt und die Korrekturgeräusche der Laseroptik möglichst leise sind. Es gilt, dabei einen möglichst guten Kompromiss zu finden. Das beste Ergebnisse bekommt man vermutlich, wenn man auf die Geräusche der Lasereinheit hört und seinem Bauchgefühl folgt.
Die Kalibrierung ist danach abgeschlossen und das CD³² kann wieder zusammengebaut werden.
Tipp: Brenne CD-Rs für das CD³² mit der niedrigsten Geschwindigkeit, die dein Brenner unterstützt. Das erhöht den Kontrast der Daten auf der CD. Bevorzuge außerdem CD-Rs, die nicht transparent sind, wenn man sie gegen das Licht hält.
Ich fand diesen CD³² zu einem fairen Preis. Die Maschine fehlt noch in meiner Sammlung, also schlug ich zu. Der optische Zustand des Gehäuses ist recht gut. Es gibt ein paar sichtbare Kratzer. Der Vorbesitzer versuchte, sie auszubessern, aber machte es damit nur noch schlimmer. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass dies das Hauptthema der gesamten Restaurierung sein wird.
Zusammen mit der Spielkonsole bekam ich ein Netzteil und eine Edutainment-CD für Mathematik. Das Netzteil war nicht original, sondern so ein typischer “Ziegel” für externe Festplatten mit einem angelötetem CD³²-Stecker. Das Gamepad fehlte leider, aber ich fand etwas später zum Glück ein praktisch neuwertiges Honey Bee Joypad als Ersatz.
Werfen wir mal einen Blick in das Innere.
Der Zustand
Verkauft wurde der Amiga als defekt, weil er kein Bild anzeigte.
Die Platine erzählte mir eine völlig andere Geschichte. Es wurde bereits versucht, die Kondensatoren auszutauschen. Nach dem Austausch der TH- und 100µF-SMD-Kondensatoren wurde der Versuch dann abgebrochen. Vermutlich, weil danach das Bild weg war.
Ich fand außerdem etliche grüne Lackflecken, wahrscheinlich einfacher Nagellack. Er befand sich unter den ausgetauschten SMD-Kondensatoren, auf Lötstellen sowie einigen Durchkontaktierungen. Der Lack ergab an den Stellen bestenfalls kosmetischen Sinn.
Und dann fand ich noch das hier:
An der Stelle kann ich nur mutmaßen: Als mitten im Recapping plötzlich das Bild weg war, nahm der Vorbesitzer an, dass der Video-Encoder-Chip beschädigt wurde. Ein SMD-Chip lässt sich nur mit einem Heißluft-Rework-Gerät entfernen, das er wohl nicht zur Verfügung hatte. Also versuchte er stattdessen, den Chip Beinchen für Beinchen von der Platine zu schneiden. Zum Glück brach er den Versuch schon nach einem Bein ab.
Weitere Spuren der “Misshandlung” fand ich auf dem armen Board zum Glück nicht. Es wird schon genug Arbeit sein, das vorhandene Chaos zu beseitigen.
Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich verärgert darüber. Es macht ein Unterschied, ob die Maschine nach Jahrzehnten im Keller einfach kein Bild mehr anzeigt, oder weil jemand auf der Platine herumgepfuscht hat. Der Verkäufer hätte auf diesen Umstand hinweisen müssen, freilich mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Preis.
Reparatur des Mainboards
An der Stelle machte es für mich am meisten Sinn, erst einmal das Bild wiederherzustellen. Also tauschte ich den Video-Encoder aus, ebenso einen bereits getauschten Elektrolytkondensator gleich daneben, der verdächtig aussah. Damit waren alle sichtbaren Defekte beseitigt. Leider brachte es das Videosignal nicht zurück.
Warum blieb das Bild schwarz? Waren weitere Fehler im Videobereich, oder startete die Maschine eventuell gar nicht erst?
Um das herauszufinden, setzte ich ein DiagROM ein und schloss das CD³² an meinen PC an. Das DiagROM startete problemlos und protokollierte keine Fehler auf der Konsole. Eine gute Nachricht: Das Problem musste alleine im Videobereich liegen.
Also war aufräumen angesagt. Ich entfernte alle Elektrolytkondensatoren, auch die bereits getauschten. Danach kam der grüne Nagellack ab, mit Nagellackentferner und Isopropanol.
Auf der Unterseite fand ich einen seltsamen Lötklumpen, der von einer dicken Lackschicht bedeckt war. Als ich ihn entfernen wollte, stieg ein verräterisch fischiger Geruch von ausgelaufenem Elektrolyt auf. Kein gutes Zeichen. Es bedeutete, dass ein Elko auslief und die Stelle nicht ordentlich gereinigt wurde. Ich entfernte großzügig die SMD-Teile auf beiden Seiten in diesem Bereich, reinigte die Platine gründlich und überprüfte die Leiterbahnen und Vias.
Leider habe ich dabei ein paar Pads an den 100µF-Kondensatoren abgerissen. Ich vermute, das ausgelaufene Elektrolyt und die thermische Belastung von zwei Recappings waren einfach zu viel für sie. So etwas ist ärgerlich, aber kein Weltuntergang.
Danach lötete ich neue Bauteile ein und reparierte die abgerissenen Pads mit Fädeldraht. Für zwei SMD-Kondensatoren bot die Platine alternativ eine Verwendung von TH-Kondensatoren an, was mir sehr entgegenkam. Optisch macht diese Ecke jetzt nicht mehr viel her, aber sie müsste wieder funktionieren.
Als ich die Leiterbahnen und Vias an den anderen 100µF-SMD-Kondensatoren durchklingelte, fand ich weitere Unterbrechungen an C236 und C237. Sie führen das Luma- und Composite-Videosignal und wären eine Erklärung dafür, dass das Bild schwarz bleibt.
Ich fand außerdem ein kaputtes Via in der Nähe von C409, welches das CSYNC-Signal führt. Dadurch fehlt das Video-Sync-Signal an den Ausgängen. Ich reparierte es, indem ich das Via aufbohrte, die damit verbundenen Leiterbahnen auf beiden Seiten freilegte, dann einen dünnen Draht durch das Loch fädelte und an die Leiterbahnen anlötete. (Achtung: Das geht nur, wenn das Via keine Verbindung zu einem der inneren Layer der Platine hat, was hier der Fall war.)
Insgesamt gab es also gleich mehrere Gründe, warum die Maschine kein Videobild mehr zeigte.
Zwei TH-Kondensatoren auf dem Board haben übrigens eine Besonderheit. Bei C408 und C811 zeigt der Bestückungsdruck den Pluspol auf der falschen Seite an. Das führte dazu, dass sogar Commodore die Kondensatoren ab Werk falsch herum eingelötet hat, weshalb man etliche CD³² mit aufgeblähten Kondensatoren an dieser Stelle finden wird. Ich beschloss, auch dort SMD-Kondensatoren einzulöten, die wie auf dem Bestückungsdruck gezeigt eingelötet werden können.
So, Spannung drauf, und zu meiner Überraschung funktionierte der Amiga wieder.

Ich überprüfte alle Video- und Audioausgänge und fand überall ein Signal. Die Maschine lief auch stabil. Das Mainboard war damit repariert und überholt.
Auch wenn es eine unerwartet schwierige Angelegenheit war, bin ich froh, dass ich die Maschine reparieren konnte.
Im nächsten Teil werde ich das Lasermodul austauschen und das CD-Laufwerk kalibrieren.
















































