Sidecar-Restaurierung, Teil 3

Im dritten und letzten Teil werde ich das Sidecar fit für die Zukunft machen und schließlich testen. Wird es nach all der Zeit und Geduld, die ich in die Reparatur gesteckt habe, funktionieren?

Gotek-Laufwerk

Ich besitze wahrscheinlich nur noch eine einzige 5¼-Zoll-Diskette, und die stammt aus meiner Schulzeit. Da das Sidecar ohne Disketten aber nicht viel macht, werde ich ein Gotek-Laufwerk hinzufügen.

Die Modifikation soll vollständig reversibel sein, und ich möchte auch das ursprüngliche Aussehen des Sidecars mit seinem Diskettenlaufwerk beibehalten. Deshalb habe ich eine Gotek-Halterung für den Erweiterungssteckplatz sowie ein Bedienfeld mit OLED-Display und Encoder entworfen. Das Panel wird an das vordere Lüftungsgitter geschraubt, sodass keine Löcher in das Gehäuse gebohrt werden müssen.

Um das Gotek-Laufwerk und das Diskettenlaufwerk mit dem Mainboard zu verbinden, habe ich ein neues Floppy-Flachbandkabel gefertigt. Das Gotek-Laufwerk soll Laufwerk A: sein, das Diskettenlaufwerk B:. Beide Laufwerke können über Jumper entsprechend konfiguriert werden, sodass kein Flachbandkabel mit teilverdrehten Strängen erforderlich ist.

Erster Testlauf

Für den ersten Testlauf habe ich das Sidecar noch nicht an den Amiga angeschlossen. Falls am Sidecar etwas größeres beschädigt ist, würde es meinen wertvollen Amiga nicht zerstören.

Ich schaltete den Strom ein. Der Lüfter lief an, die Power-LED leuchtete auf, aber sonst passierte nichts. Nun, das Sidecar war nie als eigenständiger PC gedacht, also ist das wahrscheinlich normal. Wenigstens gab es keinen Rauch und keinen Geruch nach schmorender Elektronik. Ich nutzte die Gelegenheit, die Spannungen zu überprüfen. Sie waren alle korrekt und stabil.

Soweit sah alles ziemlich gut aus.

Erstellen einer Janus Workbench

Das Sidecar wird vom Amiga gesteuert. Es hat keine Anschlüsse für einen Monitor oder eine Tastatur. Glücklicherweise findet man die Treiberdiskette noch im Internet. Für die Installation musste ich zunächst eine Kopie der originalen Workbench 1.2-Diskette erstellen und dann das Installationsprogramm von der Installationsdiskette ausführen.

Auf meinem Amiga 1000 schlug die Installation jedoch fehl, weil der RAM-Disk der Speicher ausging. Mein Amiga ist mit den damals maximalen 512 KB Chip-RAM ausgestattet, also hätte es eigentlich funktionieren müssen. Ich habe es mehrmals versucht, bekam aber immer diesen seltsamen Fehler.

Ich gab auf und richtete eine UAE-Instanz eines Amiga 500 mit Kickstart 1.2 und 2 MB Fast-RAM ein. Auf dieser virtuellen Maschine konnte ich die Installation dann abschließen.

Das Installationsprogramm ist etwas seltsam und basiert nicht auf dem Amiga-Installer-Tool, das später kam. Am besten wählt man einfach die Standardoptionen und wartet geduldig, bis jeder Schritt abgeschlossen ist.

Testläufe und Fehlerbehebungen

Endlich ist es Zeit für einen echten Testlauf.

Das Zusammenstecken der beiden Geräte ist nicht einfach und kann die Hardware beschädigen, wenn es falsch gemacht wird. Zuerst habe ich die Netzkabel vom Sidecar und vom Amiga abgezogen. Dann habe ich das Sidecar an den Erweiterungsport des Amiga angeschlossen. Es ist etwas knifflig, die richtige Position zu finden, aber die Joystick- und Mausanschlüsse sind eine gute Orientierungshilfe. Gewalt sollte man nicht anwenden.

Das Sidecar hat ein eingebautes Verlängerungskabel. Das wird in den Amiga gesteckt, der Netzschalter des Amiga bleibt immer eingeschaltet. Beide Geräte können nun über den Netzschalter des Sidecars ein- und ausgeschaltet werden.

ACHTUNG: Du darfst das Sidecar niemals einschalten, während der angesteckte Amiga noch abgeschaltet ist. Andernfalls beschädigst du deinen Amiga! Du kannst diese Gefahr vermeiden, indem du das Verlängerungskabel für die Stromversorgung verwendest und sicherstellst, dass der Netzschalter des Amiga immer eingeschaltet ist.

Jetzt kam der Moment der Wahrheit. Ich bootete die Janus Workbench, die ich oben vorbereitet hatte, bekam aber während des Starts eine Guru Meditation. Ich habe andere Treiberversionen und Disketten-Images ausprobiert, die ich finden konnte, doch es endete immer mit dem blinkenden roten Rechteck.

Glücklicherweise sind die Hardware-Register im A500/A2000 Technical Reference Manual, Abschnitt 4.1 gut beschrieben. Die Beschreibung bezieht sich zwar auf das A2088XT-Bridgeboard, das ist dem Sidecar aber technisch sehr ähnlich.

Ich habe schnell ein paar kleine Diagnosetools zusammengehackt. Sie bestätigten, dass das 128 KB Bridge-RAM und die sechs ausgetauschten Bustreiber einwandfrei funktionierten.

Ich stellte auch fest, dass der PC-Reset nicht funktionierte. Ich schaffte es nur ein einziges Mal, den PC tatsächlich zurückzusetzen. Er spielte ein akustisches Signal ab und griff dann tatsächlich auf die MS-DOS-Diskette zu, die ich im Gotek-Laufwerk hatte. Das bedeutet, dass die PC-Seite im Grunde funktioniert, das Bridgeboard jedoch Probleme hat.

Es gibt vier PALs und drei FPLAs auf der oberen Platine. Die PALs haben eine spezifizierte “Lebenszeit” von etwa 20 Jahren, die längst vorbei sind. Ich erinnerte mich, dass die PALs auf meinem MaestroPro aufgrund ihres Alters auch schon Speicherprobleme hatten.

Die Fusemaps der PALs sind im Amiga Wiki zu finden. Ich habe die vier PALs durch moderne ATF16V8C-7PU GALs ersetzt.

Danach konnte ich das Gerät zuverlässig zurücksetzen. Die Guru Meditation war auch verschwunden, als ich die Janus Workbench bootete. Aber das Sidecar weigerte sich nach wie vor, aus dem Ruhestand aufzuwachen. Was ich stattdessen bekam, war Buchstabensalat auf dem PC-Bildschirm.

Aber ich war auf dem richtigen Weg! Auf der unteren Platine befindet sich ebenfalls ein PAL (und zwei FPLAs). Ich habe dieses PAL ersetzt und bei der Gelegenheit auch die Flachbandkabel getauscht, die beide Platinen verbinden. Die Originalkabel sahen zwar noch gut aus, aber die Drähte im Inneren könnten gebrochen oder korrodiert sein. Ein Austausch war außerdem verhältnismäßig leicht.

Nächster Versuch. Und diesmal war er erfolgreich! Ich habe die Maschine etwa eine Stunde lang getestet, einige Disketten formatiert, die ich zwischenzeitlich irgendwo gekauft hatte, Turbo Pascal gestartet. Alles funktionierte zuverlässig, und es war wunderschön anzusehen, wie MS-DOS in einem Amiga-Fenster lief und man gleichzeitig das Amiga-Multitasking nutzen konnte, um Amiga-Software laufen zu lassen.

Ich hatte Glück. Die PALs ließen sich leicht austauschen, da heute noch kompatible GALs hergestellt werden. Die FPLAs können früher oder später ebenfalls ihre Programmierung verlieren, aber für sie gibt es keinen direkten Ersatz. Mattis Lind hat eine Ersatzplatine entworfen, die ein modernes CPLD verwendet. Leider fand ich keine JED-Dateien, um sie zu programmieren.

Und da ist es, mein vollständig restauriertes und modernisiertes Commmodore A1060 Sidecar!

Die Restaurierung war schwieriger, als ich erwartet hatte. Es warteten viele böse Überraschungen auf mich, und mehr als einmal war ich kurz davor, alles hinzuwerfen und auf später zu verschieben.

Dieses Biest ist schwer zu reparieren. Zunächst einmal wegen seiner Größe. Der Amiga 1000 und Sidecar waren zu groß für den Tisch in meiner winzigen Werkstatt, also konnte ich mein Oszilloskop nicht benutzen. Außerdem hat es wenig Sinn, das Sidecar alleine zu betreiben, sodass zur Fehlerbehebung immer ein laufender Amiga 1000 benötigt wird. Drittens ist es schwer, einen Platz zu finden, um das Netzteil des Sidecars abzulegen, während man an den Platinen misst. Die relativ offene Bauweise des Netzteils birgt zudem die Gefahr eines Stromschlags, wenn es versehentlich berührt wird. Alles in allem war es eine interessante Erfahrung und ich habe viel über Commodore-Bridgeboards im Allgemeinen und das Sidecar im Speziellen gelernt, aber ich würde es wahrscheinlich nicht noch einmal machen.