Sidecar-Restaurierung, Teil 2

Im ersten Teil habe ich das Sidecar zerlegt. In diesem zweiten Teil werde ich alle defekten Teile reparieren und das Sidecar wieder in seinem Originalzustand zusammenbauen.

Fangen wir mit der Mechanik an. Der Rahmen für Diskettenlaufwerk und Netzteil hatte einige Roststellen. Mit einer Schleifmaschine entfernte ich den Rost. Mit Zinkspray schützte ich das Metall gegen neue Korrosion und stellte das ursprüngliche Aussehen wieder her. Das Ergebnis ist besser als erwartet. Der Rahmen sieht jetzt praktisch neu aus.

Das überholte Netzteil bekam ich zurück. @DingensCGN, der bereits mein Amiga 1000 Netzteil überholt hat, hat wieder hervorragende Arbeit geleistet. Er hat alle Elektrolytkondensatoren und den Netzfilter ausgetauscht, die Lüsterklemmen entfernt und eine neue Zugentlastung eingesetzt. Ich habe ihn auch gebeten, einen zusätzlichen Anschluss für einen 12V-Lüfter zu legen. Der Originallüfter war ein 230V-Modell und soll furchtbar laut gewesen sein. Ich mochte noch nie laute Computer, also werde ich ihn durch einen modernen 80mm Noctua-Lüfter ersetzen.

Ich bin immer erleichtert, wenn ich weiß, dass ein Netzteil sicher und richtig geerdet ist, und so weder den angeschlossenen Computer beschädigt noch mir einen Stromschlag verpasst. 🙂

Mit Glück fand ich bei einer Online-Auktion ein Chinon FZ-502. Dieser Diskettenlaufwerkstyp wurde häufig in einem Sidecar verwendet und dürfte das ursprüngliche Aussehen der Vorderseite wiederherstellen.

Normalerweise sollte noch eine Metallabschirmung um das Diskettenlaufwerk herum sein, aber die ging leider verloren. Das Teil ist jedoch für den Betrieb nicht erforderlich. Wenn das Gehäuse erst einmal geschlossen ist, wird niemandem auffallen, dass es fehlt.

Nächstes Problem: Die Beinchen der Power-LED waren abgebrochen und die LED war festgeklebt. Mir blieb nichts anderes übrig, als rohe Gewalt anzuwenden. Ich habe die LED und den Stopfen, der sie an Ort und Stelle hielt, herausgebohrt. Ich musste dabei sehr vorsichtig vorgehen. Wenn ich zu tief bohre, würde ich die Optik der Vorderseite ruinieren.

Eine rechteckige rote Standard-LED ersetzt sie nun. Ein 3D-gedruckter Stopfen hält sie ohne Klebstoff an Ort und Stelle. Die neue LED sitzt fest an ihrem Platz, könnte aber trotzdem entfernt werden, indem man sie von der Vorderseite vorsichtig mit einem Schraubendreher herausdrückt.

Der mechanische Teil ist damit erledigt. Zeit für die Elektronik.

Auf der oberen Platine musste nur ein einziger Elektrolytkondensator ausgetauscht werden. Viel mehr Entlötarbeit war erforderlich, um den defekten Zorro-Stecker und die sechs Bus-Treiberchips zu entfernen. Der ursprüngliche Zorro-Stecker wurde von zwei Nieten gehalten. Ich hatte keine andere Wahl, als sie herauszubohren. Dabei erlitt die Platine zum Glück nur leichte kosmetische Schäden. Als alles fertig war, habe ich die Platine gründlich mit Isopropanol gereinigt.

Ich entdeckte einen Tantal-Kondensator und ersetzte ihn durch einen neuen Elektrolytkondensator. Das ist nicht wirklich notwendig, aber ich traue alten Tantal-Kondensatoren nicht. Sie können zwar nicht auslaufen wie Elektrolytkondensatoren, aber sie können Feuer fangen oder explodieren, und der Platine damit einen größeren Schaden zufügen als auslaufendes Elektrolyt.

Auf der unteren Platine waren zehn Elektrolytkondensatoren fällig für den Austausch. Ich habe auch den verrosteten Piezo-Summer ausgetauscht, was etwas schwierig war, weil sich der neue als überraschend hitzeempfindlich herausstellte.

Ich mag keine leeren Sockel, also habe ich mir eine 8087 FPU besorgt. Acht 41256 DRAM-Chips werden die Maschine auf die maximal möglichen 512 KB RAM aufrüsten. (Die berühmten 640 KB können allerdings nur mit einer RAM-Erweiterungskarte erreicht werden.)

Die bereits installierte Sidecar V2.06 Firmware war die neueste Version, die ich finden konnte. Ich habe dem originalen EPROM aber ein neues Etikett verpasst, da das alte abgefallen war, weil der Kleber ausgetrocknet war.

Die Platine benötigt nach der Änderung eine neue Konfiguration. Glücklicherweise gibt es noch eine Kopie vom Originalhandbuch.

Zuletzt ersetzte ich alle Schrauben durch neue.

Und schon ist es es Zeit für den Zusammenbau. Wahrscheinlich zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurde das Gehäuse des Sidecars wieder geschlossen.

Ist das gute Stück nicht eine Schönheit? 😍

Das war der zweite Teil. Wenn du ihn aufmerksam gelesen hast, ist dir sicher aufgefallen, dass ich die Maschine bisher noch nicht eingeschaltet habe. Das stimmt. Alte Computer schalte ich generell nicht ein, bevor das Netzteil überprüft wurde. Es besteht das Risiko, dass das Netzteil (nach Jahrzehnten der Lagerung) defekt ist, in Rauch aufgeht oder die Maschine beschädigt.

Im dritten und letzten Teil werde ich das Sidecar an meinen Amiga anschließen und endlich herausfinden, ob es funktioniert.

Liste der Kondensatoren

Untere Platine:

  • 2x 100µF 16V radial
  • 8x 47µF 25V radial

Obere Platine:

  • 1x 100µF 16V radial
  • 1x 47µF 25V radial (als Ersatz für den Tantal-Kondensator bei C57)