Das hässliche Entlein

Ein Jahr oder so, nachdem ich meinen Amiga 500 bekommen hatte, erweiterte ich ihn mit einem GVP Impact Series II A500-HD+ SCSI-Hostadapter und einer 45MB-Festplatte. Er ging zusammen mit dem Amiga 500 in den Ruhestand und wurde jahrzehntelang im Keller gelagert. Aber während der Amiga die Jahre in einem überraschend guten Zustand überstanden hat, hatte der GVP unter der Feuchtigkeit gelitten. Das Gehäuse war vergilbt, hatte aber auch Stockflecken, und der Metallrahmen hatte etwas Flugrost angesetzt.

Alles in allem schien es in einem schlechten Zustand zu sein, der schwer zu restaurieren war. Aber andererseits wäre es traurig, dieses schöne Stück Hardware abzuschreiben, während die ganzen anderen Amiga-Sachen eine Generalüberholung bekamen.

Ich habe das Gehäuse zur Reinigung und zum Bleichen an das CBM Museum Wuppertal geschickt. Es war ein bisschen peinlich, es in diesem schlechten Zustand einzuschicken, aber sie sagten, es kann gereinigt werden und wird danach wie neu aussehen. Mal sehen, ob sie Wunder vollbringen können.

Flugrost

Der Grundrahmen hatte viel Schmutz und Flugrost von der Lagerung, besonders in den Bereichen, die häufig berührt werden. Ich habe etwas Nigrin Auto-Metallpoliturpaste verwendet, um ihn zu reinigen, aber wahrscheinlich hätte es auch jede Metallpolitur für die Küche getan. Es war ein bisschen Arbeit, aber danach sah es fast wie neu aus.

Selbstversorgung (Self-Powering)

Es gab zwei Dinge, die mich an diesem Controller immer genervt haben. Das eine war der winzige Lüfter, der die Festplatte kühlen sollte, aber eine Menge Lärm machte. Das andere war, dass ein separates externes Netzteil benötigt wurde, um die Festplatte mit Strom zu versorgen.

Ich habe mir immer gewünscht, dass sich der Controller einfach selbst aus dem Amiga versorgt, aber mir war klar, dass die mechanische Festplatte dafür zu viel Strom zog. Das originale Fujitsu-Laufwerk verbrauchte etwa 10W! Mit einem SCSI2SD-Adapter ist der Stromverbrauch deutlich geringer, sodass eine Selbstversorgung machbar ist. Der SCSI2SD V5.2 Adapter zieht nur etwa 10mA, oder 0,05W.

Der Controller kann leicht modifiziert werden, um seinen Strom vom Amiga zu bekommen. Es gibt einen Blogbeitrag von davem2, der das erklärt. Alles, was du tun musst, ist, die Pads CN5 und CN6 mit etwas Lötzinn zu überbrücken.

Da der SCSI2SD-Adapter auch keine aktive Kühlung benötigt, konnte ich den lauten Gehäuselüfter endlich endgültig abgeklemmt lassen.

Achte nach der Modifikation darauf, das GVP-Netzteil nie wieder an den Controller anzuschließen. Es würde den Amiga über den Kartenanschluss mit Strom versorgen, was sehr wahrscheinlich zu Schäden an deiner Hardware führt. Verwende nach der Modifikation auch keine mechanischen Festplatten mehr. Wenn du stattdessen weiterhin das originale Netzteil verwenden möchtest, solltest du es vorher von einem Techniker überprüfen lassen.

Firmware-Upgrade

Durch einen glücklichen Zufall habe ich die neueste Firmware v4.15 in Ralph Babels Amiga-Archiv gefunden. Durch einen weiteren glücklichen Zufall fand ich auch ein 27128 EPROM in meiner Ersatzteilkiste, das einst von einem alten Mainboard abgelötet wurde.

Die originale Firmware hätte auch gut funktioniert, aber wenn es eine Möglichkeit für ein kostenloses Update gibt, warum sollte man sie nicht nutzen?

Wenn du stattdessen ein 27256 EPROM verwendest, achte darauf, das Image zweimal zu brennen, da die Hardware nur auf die obere Hälfte des Speichers zugreift.

Abschließende Arbeiten

Da sich auf dieser Platine keine Elektrolytkondensatoren befinden, gibt es keinen Bedarf für ein Recapping. Eine kleine Modifikation habe ich trotzdem vorgenommen: Ich habe die LEDs durch blaue (Power) und rote (Disk) ersetzt, da das zu einer Art Signaturfarbe für alle meine Computer geworden ist.

Danach habe ich der Platine ein gründliches Bad in IPA gegönnt und den Platinenstecker mit einem Kontaktreiniger gesäubert.

Ich habe auch zwei 1MB/70ns 30-Pin SIMM-Module für ein paar Euro in der Bucht gefunden, sodass ich das verfügbare Fast-RAM auf atemberaubende 4MB insgesamt verdoppeln konnte. (Denk daran, die Jumper entsprechend zu ändern, da es keine automatische Erkennung gibt.)

Zusammenbau

In der Zwischenzeit hatte das CBM Museum Wuppertal die gereinigte und gebleichte Abdeckung zurückgeschickt. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet! Das Gehäuse sieht fast wie neu aus. Die Schimmel- und Schmutzflecken sind weg, und das Bleichen brachte die originale “Amiga-Beige”-Farbe zurück.

Da der SCSI2SD-Adapter ohne jegliche Art von Montagerahmen geliefert wird, musste ich mir selbst einen 3D-drucken. Leider kollidierte er mit dem Gehäuselüfter, sodass ich ihn schließlich einfach komplett entfernt habe.

Und das war’s. Der GVP-Festplattencontroller ist wieder mit seinem Amiga 500 vereint. Ich bin sicher, sie haben einander vermisst. 😉

Das hässliche Entlein ist endlich wieder ein wunderschöner Schwan geworden!