Atari ST

Ende der 1980er Jahre schwankte ich zwischen dem Atari ST und dem Amiga 500 als Nachfolger für meinen ZX Spectrum. Schließlich entschied ich mich für einen Amiga. Rückblickend war das die richtige Entscheidung. AmigaOS legte den Grundstein für meine spätere Karriere als professioneller Softwareentwickler. Trotzdem blieb ich neugierig auf den Atari ST. Nun ja, jetzt ist es an der Zeit, sich einen zu besorgen. 😀

Ich fand einen Atari 1040STF zu einem fairen Preis. Äußerlich ist er in einem sehr guten Zustand. Keine Modifikationen, kein Vergilben, sogar das Garantiesiegel war noch intakt. Auch im Inneren gab es nur ein wenig Staub um die Gehäuselüftungsschlitze herum.

Sogar die Tastatur war nicht wirklich dreckig, wenn man bedenkt, dass die Maschine viele Jahre lang benutzt wurde. Dennoch war eine gründliche Reinigung fällig.

Der Atari ST hat ein integriertes Netzteil, im Gegensatz zum Amiga 500 mit seinem separaten Netzteil auf dem Boden. Einerseits erlaubt es das, das Gerät direkt an das Stromnetz anzuschließen. Andererseits macht es die Maschine schwerer und das Modding riskanter aufgrund der gefährlichen Spannungen im Gehäuse.

WARNUNG: Schaltnetzteile können auch Stunden nach dem Trennen vom Stromnetz noch hohe Spannungen enthalten. Ich rate dringend davon ab, Reparaturen oder Modifikationen selbst zu versuchen. Bitte frage einen ausgebildeten Techniker um Hilfe!

In meinem ST fand ich ein Mitsumi SR98 Netzteil. Es sah in Ordnung aus, abgesehen von einem gewölbten Kondensator. Allerdings soll dieser Typ von schlechter Qualität sein, also entschied ich mich, es durch ein modernes MeanWell RD-35A zu ersetzen.

Das MeanWell sitzt sehr gut auf dem originalen Rahmen des Atari ST, fast so, als wäre es dafür gemacht. Um es zu montieren, habe ich das originale Netzteil und die Isolierfolie darunter entfernt und zwei Schraubenlöcher in den Rahmen gebohrt.

Die Anschlüsse des Netzteils können sich entweder auf der linken oder der rechten Seite befinden. Ich entschied mich für die linke Seite, damit die Netz- und Mainboard-Stromleitungen sauber getrennt sind und sich nicht kreuzen. Dafür musste ich allerdings die Kabel zum Mainboard verlängern.

Ich habe auch darauf geachtet, dass das Netzteil, der Rahmen und die Abschirmung des Atari ST ordnungsgemäß geerdet sind. Dafür musste ich ein Erdungskabel vom Metallrahmen zum Erdungsanschluss des RD-35A hinzufügen.

Um ehrlich zu sein, gefällt mir diese Modifikation viel besser als das originale offene Rahmendesign. Mit einer 3D-gedruckten Anschlussabdeckung sind nun alle gefährlichen Teile ausreichend vor versehentlichem Berühren geschützt.

Die Maschine wurde als „LED leuchtet, aber ansonsten ungetestet“ verkauft. Normalerweise verzichte ich darauf, alte und nicht überholte Netzteile für Tests zu verwenden, da sie den Computer beschädigen oder im schlimmsten Fall sogar explodieren könnten. Mit dem neuen Netzteil war es nun an der Zeit für einen ersten Test, ob noch andere Schäden vorliegen. Aber ich hatte Glück. Die Maschine fuhr einfach problemlos hoch. Das einzige kleinere Problem war, dass das Atari-Logo schwarz war, was zeigte, dass die Maschine noch die originalen TOS 1.02 ROMs hatte.

Das TOS befand sich in zwei seltsamen 96KB-ROMs. Um ein TOS-Upgrade durchzuführen, musste ich sie durch sechs (!) 27C256 EPROMs ersetzen. Das erforderte das Einlöten von vier weiteren Sockeln und das Ändern von drei Lötpads. Aber ich hatte ohnehin vor, die Elektrolytkondensatoren zu tauschen.

Der Kondensatorentausch ist für mich eine Routineprozedur beim Überholen von Heimcomputern. Manche Leute denken, dass dies nicht notwendig ist, es sei denn, einer der Kondensatoren ist tatsächlich gewölbt oder undicht. Elektrolytkondensatoren trocknen jedoch über die Jahre auch aus und verlieren ihre Kapazität. Das Ergebnis ist, dass das System zwar noch funktioniert, aber instabil sein könnte oder die Audio- und Videoqualität beeinträchtigt ist. Die verwendeten Komponenten waren in der Regel von einfacher Qualität, da Heimcomputer nur für eine Nutzung von ein paar Jahren ausgelegt waren und die Produktion billig sein musste.

Für das Einlöten der Sockel musste ich zuerst die Pads öffnen. Da ich schon dabei war, öffnete ich auch gleich die Pads für einen Blitter-Sockel als Vorbereitung für das Hinzufügen eines Blitter-Chips. Ich habe diesen Plan jedoch nicht weiter verfolgt, nachdem ich die Preise für NOS-Blitter gesehen habe. 🤑 Laut dem Feedback von Atari-Enthusiasten ist der Blitter dank optimierter CPU-basierter Routinen ohnehin nicht wirklich notwendig. Das ist möglich, da der Blitter im Gegensatz zum Amiga die CPU während des Betriebs blockiert.

Das Rainbow TOS 1.04 Image wurde zuerst in eine obere und eine untere Hälfte aufgeteilt, und dann wurde jede Hälfte wieder in drei Abschnitte aufgeteilt. Dafür habe ich mein Tool pynaroma verwendet und dann jeden Abschnitt auf ein 27C256 EPROM gebrannt, was sechs EPROMs ergab. Beim Wechsel von zwei ROMs zu sechs EPROMs ist es außerdem notwendig, drei Lötpads von der „1M“- auf die „256K“-Konfiguration umzustellen.

Und das war’s. Die Maschine fuhr wieder hoch und zeigte endlich das Atari-Logo in Regenbogenfarben.

Da ich vorher nie einen Atari ST hatte, habe ich keine Disketten und bin auch nicht sonderlich scharf darauf, welche zu erstellen. Zum Glück gibt es Centuriontech GOEX Laufwerke auch für Atari ST Computer. Es ist ein Drop-in-Ersatz für das originale Laufwerk, verwendet aber stattdessen .st-Dateien auf SD-Karten. Die Disketten-Datei kann über einen Encoder und ein winziges OLED-Display ausgewählt werden. Der ST selbst wird nicht bemerken, dass kein echtes Diskettenlaufwerk angeschlossen ist.

Das Disketten-Stromkabel stellte sich an meiner Maschine als etwas zu kurz heraus, also musste ich es durch ein längeres ersetzen.

Das OLED-Display ist mit doppelseitigem Klebeband an der Gehäuseoberseite befestigt. Das Flachbandkabel wird dann im Inneren mit Heißkleber verklebt, damit es schön fest sitzt.

Und das schließt die Überholung meines neuen Atari ST ab. Ich freue mich, ihn in meiner Retro-Sammlung zu haben.