Mein erster Amiga war ein Amiga 500. Ein Klassenkamerad hatte bereits einen, und als ich ihn besuchte und den Amiga zum ersten Mal sah, musste ich einfach meinen eigenen haben. Also lag ich meinen Eltern so lange in den Ohren, bis sie nachgaben und mir einen kauften. Mit diesem Computer lernte ich 68000er-Assembler, Programmieren im Allgemeinen und das blinde Zehnfingersystem.
Ein paar Jahre später kaufte ich mir von meinem Zivildienst-Sold einen Amiga 4000. Mein guter alter Amiga 500 verbrachte noch ein paar Gnadenmonate in einem Schrank und wurde dann in einer Kiste im Keller verstaut, wo er etwa drei Jahrzehnte lang vergessen wurde.
Ich möchte diese Maschine restaurieren, sie wieder schön machen und ihr eine dezente technische Überholung verpassen. Dieses Projekt ist ein Work in Progress. Ich werde in meinem Blog berichten, wann immer es etwas Neues gibt. Und am Ende kann ich hoffentlich ein Erfolgsgefühl mit dir teilen.
Das sind meine Ziele für das Restaurierungsprojekt:
- Das Gehäuse hat über die Jahre wahrscheinlich einen Gelbstich bekommen, wie alle weißen Computergehäuse aus dieser Zeit. Die Vergilbung muss weg, das Gehäuse soll wieder wie neu aussehen.
- Ich werde ihm eine technische Überholung verpassen. Die Elektrolytkondensatoren könnten ausgelaufen sein und werden ausgetauscht. Aber nach all den Jahren gibt es vielleicht noch mehr technische Probleme, die behoben werden müssen.
- Da ich fast keine Disketten mehr habe, wird das Diskettenlaufwerk durch einen Laufwerkssimulator ersetzt.
- Der alte 1084 Röhrenmonitor ist schon lange kaputt und entsorgt (ich habe diese alten Flimmerkisten sowieso gehasst). Ich möchte den Amiga stattdessen an einen modernen Fernseher anschließen, am besten per HDMI, also werde ich mir diesen Raspberry Pi Zero basierten Konverter genauer ansehen, der an den Denise-Sockel angeschlossen wird.
Nach der Restaurierung soll sich der Amiga (mehr oder weniger) so anfühlen wie damals, als ich ihn bekam. Das bedeutet, dass es keine Turbokarte oder Festplattencontroller geben wird. Abgesehen vom HDMI-Ausgang und dem Floppy-Simulator ist das einzige akzeptable “Tuning” die Chip-RAM-Erweiterung auf 1 MByte.
Okay, holen wir den Computer also aus der Kiste und werfen wir einen ersten Blick darauf:

Das Gehäuse ist nicht ganz so vergilbt, wie ich befürchtet hatte, trotzdem muss das hässliche “Nikotingelb” weg. Auf der rechten Seite des Gehäuses hatte ich vier Schalter eingebaut. Damals war der Amiga eher ein Gebrauchsgegenstand, und ich habe mir nicht viel daraus gemacht. Heute schimpfe ich auf mein altes Ich, weil ich Löcher in dieses schöne Gehäuse gebohrt habe. Es gibt also noch einen weiteren Punkt auf meiner To-Do-Liste: die Löcher füllen.
Was das Gehäuse betrifft, konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich es schwarz färben oder im CBM Museum Wuppertal (CMW) bleichen lassen sollte. Ich konnte jedoch keine Lackiererei finden, die Kunststoff färbt (sie boten nur Lackieren an), und der Kontakt zum CMW war sehr nett, also wird das Gehäuse nun von den Profis dort gebleicht.
Ich muss zugeben: Es hat mir in den Fingern gejuckt, den Amiga gleich an die Steckdose und den Fernseher anzuschließen. Zum Glück habe ich das nicht gemacht. Die Platine des Netzteils sieht aus, als wäre sie in Cola getränkt worden:

Es gibt keine Spuren dieser Flüssigkeit im Gehäuse, daher tippe ich auf einen ausgelaufenen Kondensator. Vielleicht war es dieser hier:

Eine selbstgemachte Reparatur kommt absolut nicht in Frage, wenn Netzspannung im Spiel ist. Moderne Schaltnetzteil-Module sind dafür einfach zu billig. Der nächste Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet also: ein neues Netzteil besorgen.
Werfen wir einen Blick ins Innere des Amigas. Der Metallkäfig ist hier und da ein bisschen rostig, aber alles in allem noch in gutem Zustand. Die Platine riecht ein wenig nach Kellermief, aber alles ist an seinem Platz und nichts scheint beschädigt zu sein. Das sieht auf jeden Fall alles sehr gut aus!

Für das Recapping habe ich alle Elektrolytkondensatoren überprüft und ihre Werte notiert. Danach fand ich heraus, dass jemand anderes diese Arbeit bereits erledigt hat. Ich werde alle Kondensatoren durch Premium-Modelle ersetzen, was bei Cent-Artikeln dramatischer klingt, als es ist. Ich habe mich für Panasonic-Kondensatoren mit einer Lebensdauer von bis zu 10.000 Stunden entschieden. Die alten Kondensatoren waren Standardtypen mit vielleicht einem Zehntel dieser Lebensdauer.
Was steht als Nächstes an? Das Gehäuse ist nun auf dem Weg zum CMW zum Bleichen. Ich habe auch mehrere Bestellungen für das neue Netzteil, die Kondensatoren, den HDMI-Adapter und den Diskettenlaufwerks-Simulator aufgegeben. Warten wir also auf die Lieferungen.