Amiga 1200 Restaurierung

Seit ich meinen Amiga 4000 bekommen habe, dachte ich darüber nach, ob ein Amiga 1200 die bessere Wahl gewesen wäre. Ich meine, der Amiga 4000 ist toll, weil er viel Platz für Erweiterungen hat. Aber andererseits ist er ziemlich klobig und schwer, daher macht es nicht viel Spaß, ihn zu einem Freund oder einer Party mitzunehmen, ganz im Gegensatz zum kompakten und leichten Amiga 1200.

Aber warum nicht beides haben? 😉 Ich hatte ein Amiga 1200-Angebot in der Bucht gefunden, das zu gut war, um es zu ignorieren, also habe ich ihn gekauft.

Es ist ein Amiga 1200 aus der Zeit, nachdem Commodore pleite ging und Escom übernahm und die letzten Amiga-Bestände verkaufte. Die gute Nachricht ist, dass die Escom-Gehäuse aus ABS mit einer Anti-UV-Behandlung hergestellt wurden, sie werden also nie vergilben. Die schlechte Nachricht ist, dass die Tastenkappen nicht behandelt wurden und mittlerweile sehr deutlich vergilbt sind.

Ich habe die Tastenkappen zum Aufhellen an die Experten vom CBM Museum Wuppertal geschickt. Das Gehäuse selbst ist fast in einem neuwertigen Zustand, es brauchte nur ein Bad in warmem Spülwasser.

Lass uns den Computer auseinandernehmen und einen Blick hineinwerfen.

Es gibt eine 2,5-Zoll-Festplatte, die sich als Träger einer Workbench, einiger Spiele und auch vieler fehlerhafter Sektoren herausstellte. Ich werde sie sowieso durch eine SD-Karten-Lösung ersetzen. Die Abschirmung hat etwas Flugrost und war um die ROMs herum verbogen, wahrscheinlich durch gewaltsames Heraushebeln der ROM-Chips mit einem Schraubenzieher. Abgesehen davon ist der Gesamtzustand ganz in Ordnung.

Unter der Abschirmung fand ich das Mainboard in einem guten Zustand vor, vor allem ohne Flugrost auf dem Modulator. Zu meiner Überraschung ist es ein Rev. 1D.1 Board, was eigentlich die erste weit verbreitete Board-Revision war. In einem der letzten Amigas, die jemals produziert wurden, hätte ich eher ein Revision-2-Board erwartet. Jedenfalls hatte ich Glück, denn die Revision 1D.1 soll die stabilste sein, und sie hat auch einen guten Lisa-Chip, der von HP hergestellt wurde. Auf beiden CIA-Chips fand ich Flussmittelspuren, das Board scheint also schon einmal repariert worden zu sein.

Laut meinem Kontakt beim CBM Museum Wuppertal verkaufte Escom alles, was sie in den Commodore-Restbeständen finden konnten. Angeblich produzierten sie auch „neue“ Amiga-Computer mit aufbereiteten Mainboards. Vielleicht ist das einer davon?

Ich habe zuerst Diag-ROMs eingesetzt und die Hardware überprüft, aber keine Probleme gefunden, also habe ich das System auf AmigaOS 3.2 aktualisiert. Als nächstes stand auf meiner To-Do-Liste der Austausch der Elektrolytkondensatoren, da diese im Laufe all der Jahre zum Auslaufen neigen und Schäden an der Platine verursachen. Das habe ich zuvor schon an meinem Amiga 4000 gemacht, aber bei diesem Modell war der Platz etwas begrenzter. Ich musste sogar einen frisch ausgetauschten SMD-Kondensator wieder entfernen, weil ein anderer Kondensator nicht mehr daneben passte.

Um die Stabilität von Turbokarten zu verbessern, wird empfohlen, die Kondensatoren E123C und E125C auf der Unterseite der Platine zu entfernen. Der einfachste Weg ist, zwei Lötkolben wie eine Pinzette zu benutzen.

Nach einer gründlichen Reinigung mit Isopropanol war das Board dann bereit, wieder ins Gehäuse einzuziehen.

Ich möchte den Amiga modernisieren, damit er an einen HDMI-Monitor angeschlossen werden kann. Die RGB-zu-HDMI-Lösung des Amiga 500 funktioniert allerdings nicht mit dem AGA-Chipsatz, also entschied ich mich, eine Indivision AGA MK3 von Individual Computers zu besorgen. Sie wird auf Lisa und einen der CIA-Chips aufgesteckt und bietet einen HDMI-Ausgang sogar mit Ton. (Was eine ziemliche Leistung ist, da beide Chips nicht mit einer Tonleitung verbunden sind.)

Da ich schon dabei war, habe ich den Speicher auch gleich mit einer ACA1211 erweitert. Leider stellte sich heraus, dass AmigaOS 3.2 inkompatibel zur ACA1211 ist, und das System bootet in dieser Kombination nicht. Ich musste wieder zu den originalen AmigaOS 3.0 ROMs zurückkehren. Letztendlich habe ich die ACA1211 gegen eine ACA1234 eingetauscht, die gleichzeitig eine Turbokarte ist und problemlos mit dem neuesten AmigaOS funktioniert.

Um das Kabelgewirr komplett zu machen, ersetzte ich das Diskettenlaufwerk durch ein GOEX-Laufwerk von Centurion Tech.

Centurion bietet auch LED-Platinen mit angepassten Farben an. Ich habe Blau als Power-LED, Grün als Floppy-LED und Rot als Festplatten-LED gewählt.

In der Zwischenzeit habe ich die gebleichten Tastenkappen zurückbekommen. Sie waren wieder fast weiß, aber leider gibt es immer noch einen leichten, aber sichtbaren Gelbstich. Vielleicht kaufe ich ein neues Set Tastenkappen, sobald sie verfügbar sind. Der Amiga würde dann wie neu aussehen.

Das originale Escom-Label ist nur ein billiger Aufkleber. Ich finde es hässlich, also habe ich es durch ein Replika-Commodore-Schildchen ersetzt.

Und dann konnte ich, zum ersten Mal nach meinem Kauf, das Gehäuse des Amiga 1200 wieder schließen.

Bitte heißt den neuesten Zugang in meiner Amiga-Sammlung willkommen!