Amiga 1200 Black Edition

Als ich diesen Amiga 1200 sah, hatte ich Mitleid mit ihm. Das Gehäuse und die Tastatur waren stark vergilbt, aber noch schlimmer war der vermurkste Versuch, ein Gotek-Laufwerk in das Gehäuse einzubauen. Der Vorbesitzer hat offensichtlich versucht, den Diskettenlaufwerksbereich mit einer Art Seitenschneider zu öffnen, und damit das Gehäuse komplett ruiniert.

Eigentlich wollte ich das Gehäuse und die Tastatur bleichen, den verpfuschten Schnitt am Diskettenlaufwerk mit einem Rotationswerkzeug versäubern und es dann mit einem 3D-gedruckten Teil verschließen. Aber dann hatte ich eine bessere Idee. 😁

Das Mainboard

Werfen wir zuerst einen Blick hinein. Verbaut ist ein Rev 1D.4 Board in gutem optischen Zustand. Ich tauschte die Elektrolytkondensatoren aus und machte schon mal ein Update auf AmigaOS 3.2.1.

Auf der Unterseite der Platine fand ich einen Kupferdraht für einen sogenannten “Floppy Fix”. Als Escom die letzten Amiga 1200 produzierte, waren Amiga-Diskettenlaufwerke nicht mehr verfügbar. Sie mussten einen Weg finden, wie sie stattdessen normale PC-Diskettenlaufwerke verbauen konnten. Auf Rechnern mit dieser Modifikation laden allerdings viele Spiele und Demos nicht.

Das originale Diskettenlaufwerk dieses Computers war nicht mehr vorhanden, und Gotek-Laufwerke können Amiga-Diskettenlaufwerke perfekt emulieren. Also entschied ich mich, den Floppy-Fix rückgängig zu machen, indem ich den Fädeldraht entfernte. Um das ursprüngliche RDY-Signal wiederherzustellen, lötete ich stattdessen einen Draht von Pin 34 des internen Diskettenanschlusses an Pin 1 des externen Anschlusses.

Da ich sowieso gerade mit der Unterseite der Platine beschäftigt war, wollte ich auch gleich E123C und E125C entfernen, um die Stabilität von Turbokarten zu verbessern. Auf dieser Platine waren diese Kondensatoren jedoch nicht bestückt, also hatte sich das schon erledigt.

Damit war es Zeit für einen ersten gründlichen Testlauf. Soweit lief alles gut, bis ich feststellte, dass die rechte Maustaste an beiden Ports nicht funktionierte. Ich habe einen separaten Blogartikel zur Ursache und der Lösung geschrieben. Kurz: Man muss vier Widerstände durch Ferrite ersetzen.

Meine Arbeit an der Platine war danach abgeschlossen. Sie bestand nun alle Tests.

Die Extras

Wie bei meinen anderen Restaurierungen überhole ich die Maschine nicht nur, sondern mache sie auch mit einigen Extras zukunftssicher.

Als Erstes: Das vergilbte Gehäuse mit dem hässlichen Schnitt. Mir war klar, dass das Gehäuse selbst bei einem gelungenen Restaurierungsversuch nie wieder wirklich schön aussehen würde. Außerdem wollte ich schon immer einen schwarzen Amiga haben, also habe ich die Maschine stattdessen in ein brandneues, schwarzes a1200.net Replica-Gehäuse umgesiedelt.

Das Diskettenlaufwerk fehlte. Anstelle des Gotek-Laufwerks, das ursprünglich als Ersatz gedacht war, wählte ich ein Centuriontech GoEX-Laufwerk. Es verwendet eine SD-Karte anstelle eines USB-Sticks und besitzt einen Drehschalter, der die Auswahl eines Disketten-Images vereinfacht. Es gibt auch passende OLED-Displays dafür, aber für meinen neuen Amiga wollte ich ein winziges Display, das nicht so auffällt.

Das Display ist eines dieser 0,91" OLEDs, die man in praktisch jedem Maker-Shop finden kann. Es ist jedoch wichtig, Pin 1 und 2 zu vertauschen, wenn man Kabel anlötet, da die Strompins bei diesem Displaytyp im Vergleich zum originalen GoEX-Displaymodul vertauscht sind.

Ich druckte ein A600 Display-Modul-Gehäuse, das zum Glück auch auf einen A1200 passt. Die Einzelteile habe ich mit Heißkleber zusammengefügt. Im Nachhinein hätte ich stattdessen normalen Kleber verwenden sollen, da der Heißkleber das PLA des Drucks aufweichte. Das Modul wird danach einfach in die Kühlschlitze des Amiga geklemmt, kleben ist hier nicht erforderlich.

Um diese OLED-Größe zu verwenden, muss eine Datei namens FF/FF.CFG mit dieser Zeile auf der SD-Karte erstellt werden:

display-type = oled-128x32

Außerdem baute ich eine Indivision AGA MK3 für ein pixelgenaues Bild über HDMI ein. Dabei fand ich heraus, dass das a1200.net Replica-Gehäuse minimal andere Maße hat als das Originalgehäuse. Ich entwarf eine modifizierte Klappe und Halterung für diesen Gehäusetyp.

Der Computer hatte eine Marpet Developments M1207 RAM-Erweiterung im Erweiterungsschacht. Sie bekam eine frische Knopfzelle spendiert und versorgt die Maschine nun mit 4 MB zusätzlichem Fast-RAM, einer 68882 FPU und einer Echtzeituhr.

Zusammenbau

Was fehlt noch? Die schwarzen Tastenkappen, die zum schwarzen Gehäuse passen! Nach vielen Jahren des Wartens waren sie endlich verfügbar, und ich bekam rechtzeitig vor Weihnachten ein Set geliefert.

Das schwarze Gehäuse enthält keine passende Plakette. Zum Glück hatte Badgeman eine schwarze auf Lager.

Danach war der Amiga endlich bereit für den finalen Zusammenbau.

Wenn Commodore uns in den 1990ern die Wahl der Gehäusefarbe gelassen hätte, hätte ich mich für einen schwarzen Amiga entschieden. Und nun steht er hier, ein komplett schwarzer Amiga 1200 mit völlig neuem Äußeren und modernisiertem Inneren.